Kindermund tut Wahrheit kund…

…oder heiratet

„Mama, Paul will mich heiraten!“, atemlos kommt meine Tochter aus der Schule gerannt. Mich wundert das nicht. Meine Kleine bekam bereits so viele Heiratsanträge, wie ich in meinem ganzen Leben nicht.
Jona war der erste. Er hielt bereits im Kindergarten um ihre Hand an. Jeden Tag spielten sie Mama, Papa und Baby. Meine Kleine war immer das Baby, obwohl ihr diese Rolle nicht gefiel. Ihr Bräutigam in spe gab die Mama. Er packte ihr den Rucksack für das Frühstück aus, öffnete ihr die Brotdose und die Trinkflasche. Anschließend räumte er alles ordentlich ein und setzte ihr den Rucksack auf. Da meine Tochter die Langsamste auf dem Rückweg vom täglichen Ausflug im Wald war, nahm er sie an die Hand und zog sie hinter sich her. Er begleitete dies mit liebevollen Aufmunterungen. Obwohl sie erst drei Jahre alt waren, hätte ich ihn mir sehr gut als Schwiegersohn vorstellen können!
In der Schule traf sie einen Jungen wieder, den sie bereits aus dem Musikgarten kannte. Als Henrik nach einem halben Jahr die Schule wechselte, hatte meine Tochter ihren ersten Liebeskummer.
Dann gab es ein kurzes Intermezzo mit Torben, der immer Fußball spielt. Aber aus irgendeinem mir unbekannten Grund dürfen Mädchen in den Pausen nicht mitspielen. Daher ist diese Liaison nie recht in Fahrt gekommen.
Und jetzt also Paul! Aber meine Tochter will nur ihre Brüder heiraten. Nein, nicht einen, alle beide! Und die braucht sie auch für die Aufzucht der hundert Babys, die sie bekommen will: „Dann sind sie nicht so schnell erschöpft wie Papa! Sondern können sich auch mal abwechseln.“
Meine Jungs sind pragmatisch veranlagt: „Warum sind WIR nicht verheiratet?“, fragen sie mich während einer Autofahrt. Sorry, aber ich habe da so schnell wirklich keine Antwort parat. Während ich bei einem U-Turn noch schwerfällig grüble, sagt mein Sohn bereits: „Meine Frau ist noch auf der Wolke, weil ich älter bin!“
Meine Tochter erwischt mich eiskalt, als sie mich mit Marzipan, Schokolade und Kuchen vollstopfen will. Ich erkläre ihr, dass ich gerne noch zwei Kilo abnehmen möchte, damit ich wieder so viel wiege, wie vor der Geburt ihrer Zwillingsbrüder. „Ah, verstehe, dein dicker Babybauch muss weg, Mama, oder?“ Sie denkt nach: „Wie lange dauern die denn, deine Schlankbauchtage? Kannst Du an deinem Geburtstag immer noch nichts naschen?“ „Geburtstagskuchen esse ich bestimmt! Danach faste ich weiter Süßigkeiten“, erkläre ich ihr. „Fasten Mama, das kenne ich! Das machen die Menschen, weil Jesus ans Kreuz genagelt wurde. Zu seinem Gedenken. Aber er war ja zum Glück nicht lange tot. Nur zwei Tage, dann ist er wieder aufgestanden. Aber warum fastest du Mama?“ „Ich will an meinem zehnjährigen Hochzeitstag in mein Brautkleid passen. Das ist sehr eng geschnitten“, sage ich. „Oh ja Mama, das will ich sehen! Und Papa, passt der noch in seinen Bräutigamschleier?“

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