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Mein Buch „Glaube, Liebe, Hoffnung“ ist da!

Zu bestellen über Amazon:
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Ist zu den Themen Glaube, Liebe und Hoffnung nicht schon alles gesagt? Stimmt! Aber als ich Kind war, unterhielten sich die Leute anders darüber, als heute. Es gab zum Beispiel noch Gott, dessen waren sich nicht nur Herman Hesse und Johannes Rau sicher, sondern auch Queen und Nirvana.
Als ich Kind war unterhielten sich die Leute in anderen Netzwerken als heute. Als ich Kind war, existierte Liebe hauptsächlich zwischen Mann und Frau sowie Eltern und Kind.
Heute gibt es Liebe zwischen und zu allen Geschlechtern, mit und ohne Kinder, es gibt Patchworkfamilien, Alleinerziehende sowie ewige Junggesellen… Und die Liebe zu Vereinen ersetzt manchem die Liebe zu Gott.
Als ich vor über zwei Jahren mit meinem Projekt begann, ahnte ich nicht, wie groß es würde. Mein Ziel war es, verschiedene Leute, aus diversen Ländern und mit unterschiedlichen Glaubensrichtungen zu interviewen. Es war schwierig, Menschen dafür zu gewinnen, dennoch bekam ich tolle Inteviewpartnerinnen und -partner.

Auf jeden Fall ist das Leben heute bunter, vielfältiger, globaler, schnelllebiger und aufregender. Grund genug, finde ich, mir ein paar unterschiedliche Lebensentwürfe genauer anzuschauen.

Wir leben in einer Kultur, in der wir uns oft vorgaukeln, dass wir glücklich sind, wenn wir reich, schlank, jung und berühmt sind sowie uns permanent amüsieren. Aber fühlen die Menschen das auch? Oder spielen sie das Spiel einfach nur mal mehr, mal weniger engagiert mit?
Ich suchte immer wieder das Gespräch und fand erstaunliche Antworten.
Der Fokus lag dabei immer auf dem Menschen. Ich guckte mir Wünsche, Träume und Ziele an. Anfangs wollte ich alle Interviewpartnerinnen und
-partner zu jedem Themenbereich befragen. Das wäre jedoch entweder zu umfänglich gewesen oder von allem nur ein bisschen übriggeblieben. Daher entschied ich mich, lieber in drei Kapiteln, zu je einem Themenbereich in die Tiefe zu gehen. Die jeweils anderen Bereiche streifte ich am Rand, um am Ende ein ganzheitliches Bild zu erhalten.

Zum Schluss konnte ich mir aussuchen, welche Geschichten ich in meinem Buch veröffentlichen will. Manchmal entschied ich mich schon nach dem Vorgespräch, einige Male auch erst ganz am Ende meiner Arbeit. Ein paar Interviews wären einander zu ähnlich gewesen.

Mit allen Leuten, die ich in diesem Buch vorstelle, bin ich bis heute in Kontakt und fühle mich dadurch reicher. Es entstanden sogar Freundschaften. Die Schönste davon entwickelte sich zu der vierfachen Mutter Inga Deveze, einer gebürtigen Hamburgerin. Verrückter Weise erst jetzt, da wir auf verschiedenen Kontinenten leben…
Als ich mit den Interviews begann, stellte ich schnell fest, dass den meisten Menschen das Thema „Religion“, „Glaube an Gott“ und damit verbundene Themen, wie „politischer Weltfrieden“ unangenehm war. Ich hörte Kommentare wie: „Zum Thema Glaube möchte ich mich nicht äußern, das ist vergiftet.“ Und in der Balkanregion: „Das ist ein neues, heißes Thema, an das sich bisher keiner rantraut. Ich sage daher zwar gerne meine persönliche Meinung, möchte sie aber auf keinen Fall veröffentlich haben…“ Aha! Ich bekam lange Zeit keine Interviewpartnerinnen und -partner, die sich öffentlich äußern wollten. Und die, die ich fand, hatten Angst vor Anschlägen, so wie Deutsche jüdischen Glaubens. Muslime wollten sich gleich gar nicht äußern.

Ich hätte es an dieser Stelle lassen können. So wichtig war mir das Thema anfangs gar nicht. Ich wollte mir nur den Wandel des Glaubens in der Gesellschaft genauer anschauen, weil immer mehr Menschen in Deutschland aus der Kirche austreten und dafür ihre eigene Religion entwickeln. Keinesfalls war es meine Absicht, tickende Bomben zu entschärfen. Aber nun war ich angefixt. Als ich den ersten Blog zum Thema Religion auf meiner Website postete, genauer zum Buddhismus, erhielt ich Kommentare, die mich bestätigten. Ich arbeitete weiter. Nur mit Menschen muslimischen Glaubens kam ich überhaupt nicht voran. Immer wieder sagten mir spannende junge Iranerinnen, die ihren Glauben offen nach außen trugen, in dem sie sich verschleierten und die nach Schule, Studium oder Ausbildung ihre Familie im Iran gründen wollen, kurzfristig ab. Bis ich einer sehr selbstbewussten Deutsch-Iranerin mit starken persischen Wurzeln begegnete: Yasmin Nazari-Shafti.

„Bei den Gesprächen passierte etwas Unglaubliches, das ich trotz zahlreicher Interviews, die ich bereits als Journalistin führte, nicht kannte und für das ich unendlich dankbar bin: Die Menschen öffneten mir ihr Herz. Ich konnte wahre Schätze bergen. Ihr Vertrauen rührte mich.“

Foto: Kristoff Kühne

Ich leistete eine Menge Arbeit und erhielt reichlich Belohnungen. Ich erfuhr einige harte Lektionen und durchlebte viele Veränderungen. So passt es beispielsweise zu meiner Vorstellung eines Weltfriedens nicht mehr, sich einer Glaubensrichtung zu verschreiben. Ich bin für alle Glaubensrichtungen offen. Daher gehören meine drei Patenkinder in Afrika alle unterschiedlichen Religionen an. Es macht mich stolz und glücklich, sie groß werden zu sehen. Unser erstes Patenkind hatten wir bereits vor der Geburt unserer Tochter. Es wurde von seiner Kinderdorfmutter adoptiert, als diese in Rente ging. Und es macht unendlich traurig, wenn eins stirbt, wie unsere kleine Patentochter Kabagire in Mosambique. Sie starb an nichts. Es war einfach nur Durchfall. Seit ich selbst Kinder habe, zerreißt es mir noch mehr das Herz. Aber es zeigt mir, wie wichtig es ist, dranzubleiben.

Das letzte Gespräch meines Buches führte ich mit dem streng gläubigen Shahab Ud-Din, der eine wichtige Funktion innerhalb der verfolgten muslimischen Ahmadiyya-Gemeinde innehat.

Die Menschen in meinem Buch setzen unglaubliche Kräfte frei, weil sie lieben. Nach meinem Post Close to Heaven auf Instagram, in dem ich darüber schreibe, wie sich die Brustkrebskranke Mutter von ihrer kleinen, vierjährigen Tochter verabschiedet, bekam ich zu hören: „Angesichts dieses schlimmen Schicksalsschlages müssen wir doch sehr dankbar für unser Leben inmitten unserer gesunden Lieben sein“. Ja, bitte gerne. Aber das ist es nicht, was ich zeigen will. Weil es nicht das ist, was ich erlebte. Diese Menschen brauchen kein Mitleid! Diese großartigen Leute leben vor, wie sie die Liebe durch ihre Schicksalsschläge trägt. Wie Liebe sie wachsen und reifen ließ. Wie Liebe sie unendlich Großes, Reines, Mutiges, Selbstloses, ja Göttliches schaffen ließ.

„Heute ist es selten, dass sich jemand mit dem Thema Gott und Religion auseinandersetzt. Ich freue mich jedes Mal wenn ich mich mit Gläubigen austauschen kann, egal welcher Glaube. Tolles Interview und sehr schönes Thema.“

Obwohl sich während der Arbeit an meinem Projekt vieles für mich änderte, behielt ich die gleichen Werte, die mich schon mein ganzes Leben tragen: der Glaube, dass sich etwas Göttliches in jedem Menschen finden lässt; die Liebe, die unbesiegbar macht und die Hoffnung, die uns alle Grenzen überwinden lässt. Ich schreibe seit mittlerweile 20 Jahren Texte. Ich begann mit meinem Tagebuch und schrieb meiner imaginären Freundin Kitty. Ich verfasste Schulaufsätze und gewann Wettbewerbe. Ich arbeitete als Studentin in Redaktionen und schrieb Reiseberichte. All meine Texte entstehen aus der gleichen Motivation: Ich möchte berühren.

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Ich erhielt tolles Bildmaterial und hatte die Idee, das Buch im Magazin-Style zu verfassen. Als das Projekt ins Stocken geriet, war Raziq Ahmad Tariq mein Retter und finishte es.
Die Idee, die USA als Land der Hoffnungen auszuwählen entstand, als ich mit meiner Familie im Sommer 2018 für drei Monate im Wohnmobil durch Kanada und die USA reiste…
Ich sprach mit osteuropäischen Studenten, die als Summerjobber Geld in den USA verdienten, um sich den Traum vom Reisen durch die Vereinigten Staaten zu erfüllen. Und immer wieder traf ich ganz unterschiedliche Menschen, die von Nordamerika träumten, darauf hofften, sich danach sehnten und ihre Zukunft dort sahen oder sie zumindest für einen Sommer damit bereichern wollten. Und letztlich suchten ja auch wir dort nach der großen Freiheit…

„Es ist unglaublich, was die Liebe zu leisten vermag. Und es ist unglaublich tröstlich, dass es möglich ist. Wir brauchen nicht länger vor Schicksalsschlägen Angst zu haben. Wir können vertrauen. Dass die Liebe uns tragen würde. Dass sie uns stark macht. Dass sie uns alles schaffen lässt. Dass sie uns unbesiegbar macht.“

Ich hoffe, das wunderbare Gefühl der Verbundenheit, das ich empfand, als ich die Interviews führte, ist beim Lesen spürbar, egal, wie unterschiedlich die Menschen in diesem Buch nach ihrem Glauben, ihrer Art zu lieben, ihrer Herkunft, ihrem Alter, ihrer persönlichen Situation und Lebenserfahrungen, ihrem Familienstand, ihren Vorlieben, ihren Zielen und ihrer Bildung nach auch sind. Die Wertevorstellungen und Träume sind sich oft sehr ähnlich…
Alle sehnen sich nach Verbundenheit, Freundschaft, Liebe und Frieden.

It’s done!
Was ich spüre? Erleichterung! Und Dankbarkeit!!!

Meine glorreichste, ehrwürdigste, ruhmreichste, glanzvollste, achtunggebietendeste Auszeichnung!


Ich habe wahnsinnig viel gelernt, indem ich für dieses Projekt einmal alles was zur Entstehung eines Buches gehört, einschließlich dessen Druckes, durchgemacht habe… Es war schrecklich schön. Und ich kann mir im Augenblick nicht vorstellen, das noch mal zu tun… Aber ich weiß jetzt, worauf es ankommt und das wars wert!

Viel Spaß beim Lesen!

Interviews: Subhransu Mahapatra, Shahab Ud-Din, Dr. Steffen Storck, Frau Sharafian, Christian Böhner, Crisolita Evora Lima Rodrigues Tavares, Yasmin Nazari-Shafti, Dan, Dr. Hartmut Treu, Armin Sengbusch, Eva-Maria Esken, Christian Gruber, Mirjam E., Chaly (Peter Marsal), Jonas Gabriel, Denis Dimitrov, Melody Gilbert, Aleksa Krstic, Wiebke Schwartau, Damian Skrzypczak, Natalia Chicu, Bailey Garfield, Inga Deveze, Tatjana, Sebastian Göbel
Grafikdesign: Madeleine Möhlmann, Raziq Ahmad Tariq
Korrektorat: Amélie Gloyer

Mein bisher zauberhaftestes, wunderbarstes, herzallerliebstes, zuckersüßestes, megageilstes Feedback! @Madhusmita

Glaube, Liebe, Hoffnung

Meine Frau und ich glauben an verschiedene Götter

Subhransu Mahapatra wurde in Indien geboren. Seine Frau ebenfalls. Sie sind beide Hinduisten. Trotzdem glauben sie an verschiedene Götter und Göttinnen. Sie sehen den Hinduismus eher als Philosophie, denn als eine Religion. Heute leben sie in Deutschland. Ihre gemeinsame Tochter singt im christlichen Kirchenchor, spielt beim evangelischen Krippenspiel mit und sie haben Weihnachten einen geschmückten Tannenbaum in ihrer Wohnung stehen. „Wie sie vielleicht wissen, gibt es Millionen an Göttern und Göttinnen. Als Hindu ist es deine Entscheidung, an welche du glaubst“, sagt er. Der 43-Jährige hat drei Brüder, zwei ältere und einen jüngeren. Zwei davon blieben in Indien, einer arbeitet in den USA. Sein Vater starb vor zehn Jahren bei einem Unfall. Deswegen lebt sein ältester Bruder mit seiner Mutter zusammen.

„Im Hinduismus gibt es keinen Gründer, es ist eine offene Kultur. Du kannst befolgen und glauben, was du willst und dir deinen Gott aussuchen. Meine Hoffnung für die Welt ist, dass es keine Religionen mehr gibt. Sie bilden die Quelle der meisten und größten Konflikte.“

Das indische Bildungssystem ist so aufgebaut, dass die Kinder im Alter von fünf Jahren, in die Schule kommen. Das entspricht der Grundschule in Deutschland, sie geht von der ersten bis zur fünften Klasse. Anschließend gehen die Schülerinnen und Schüler bis zur zehnten in die High-School. Danach besucht man für zwei Jahre ein Intermediate-College. Ein einfacher Universitätsabschluss dauert drei Jahre. Subhransu Mahapatra studierte im Bundesstaat Odisha, in dem er auch aufwuchs. Dort ging er an die Utkal University. Er absolvierte nach seinem Bachelor seinen Master in Business Administration. Im Jahr 2012 kamen er und seine Frau nach Deutschland. Sie lebten zuerst in Süddeutschland. Dort blieben sie rund sechs Jahre. Er arbeitete für ein amerikanisches Unternehmen in der Medizintechnik, das eine Fabrik in der Nähe von Karlsruhe hat.

„Heutzutage sind die Leute offener, aber in Indien müssen sie nach wie vor bestimmten Bräuchen folgen. Für ein ausgewogenes Sozialleben ist es wichtig, mit allen zurechtzukommen. Die meisten Leute in Indien nehmen also, ob sie wollen oder nicht, an Festen und Bräuchen teil.“

Foto: Kristoff Kühne

„Meiner Frau und meiner Tochter gefällt es in Deutschland besser. Meine Frau arbeitet hier in Deutschland sehr gerne, unsere Tochter geht hier zur Schule und hat ihre Freunde. Deswegen bleiben wir hier. Ich wäre lieber zurück nach Indien gegangen“, sagt er lachend und achselzuckend. Er arbeitete auch ein Jahr in Birmingham und ein Jahr in Amsterdam, bevor sie nach Deutschland zogen. Er ist IT-Spezialist und beschäftigt sich mit Softwareentwicklung und Programmieren. In Deutschland war er für die Softwareeinführung SAP zuständig. In Indien arbeitete er als Consultant. Seit zwei Jahren arbeitet er als Senior Consultant für den Bierproduzenten Carlsberg. „Wir kamen mit einer Gruppe von circa sechs Mitarbeitern. In unserem Team waren Leute aus den USA, Singapur, Malaysia, Indien und Deutschland“, sagt er.

„Bildung ist generell ein Problem in Indien. Die Rate der Analphabeten liegt bei rund 20 Prozent. Etwa 260 Millionen können nicht lesen und schreiben!“

Seine Frau beherrscht sehr gut Deutsch, Englisch und zudem ihre Muttersprache Oriya. In Indien existieren circa 23 verschiedene Sprachen, Subhransu Mahapatra spricht vier davon: Oriya, seine Muttersprache sowie Telugu, Hindi und Englisch, die Amtssprachen in Indien sind. Außerdem lernt er Deutsch. Seine Tochter wächst dreisprachig auf. Er und seine Frau sprechen Englisch mit ihr, er unterhält sich zudem auf Oriya mit ihr und seine Frau spricht Deutsch mit der Tochter. Außerdem redet das Kind ein bisschen Hindi. Da er durchgehend für US-amerikanische Unternehmen arbeitet, war für ihn nie notwendig, Deutsch zu lernen. Jetzt geht er zur Volkshochschule. „Meine Tochter besteht immer darauf, Deutsch zu sprechen und zu lernen“, sagt er lachend. Er hat die indische Staatsbürgerschaft und ein unbegrenztes Arbeitsvisum für Deutschland. Damit erfülle er die Voraussetzung für die deutsche Staatsbürgerschaft. Nächstes Jahr will er versuchen, diese zu bekommen. Seine Frau hängt noch an seinem Visum. Seine Tochter hat ebenfalls keine deutsche Staatsbürgerschaft, da man sie, anders als in den USA, in Deutschland nicht durch die Geburt im Land bekommt. Es hängt von den Eltern ab. Wenn er die deutsche Staatsbürgerschaft erhält, können sie sie für seine Frau und seine Tochter beantragen.

„Indische Studenten gingen nach England oder in die USA und anschließend blieben sie dort. In den letzten Jahren führte
Großbritannien zahlreiche Beschränkungen für Visa ein. Früher galten Visa für Absolventen ein Jahr, heute nur einen Monat. Deshalb studieren heute viele Inder in Europa und gehen nach Frankreich, Deutschland, Dänemark oder Schweden. Das sind Länder, die Fachkräfte suchen.“

Subhransu Mahapatra spricht im Interview über seinen Glauben.

Wie sah ihre religiöse Erziehung als Kind aus?
Wir werden in religiöse Angelegenheiten schon von Beginn der Kindheit an eingeführt. Wenn ein Kind geboren wird, wird wenn es 21 Tage alt ist, ein großes Fest gefeiert, mit vielen Freunden. Es wird den Göttern gehuldigt und zum Dank geben sie ihren Segen für das Kind. So beginnt die religiöse Reise des Kindes (lacht). Wenn das Kind ein Jahr alt wird, gibt es eine noch größere Feier.
In westlichen Kulturen oder woanders feiert man auch den ersten Geburtstag,
aber bei uns ist es ein religiöser Anlass. Ob das Kind will oder nicht, es wird in den Glauben eingeführt.

Wird Religion in Indien an der Schule unterrichtet?
Ja, an den allgemeinen Schulen werden verschiedene Religionen unterrichtet,
nicht nur Hinduismus. Es gibt auch religiöse Schulen, zum Beispiel die Madrasa, die sind dann nur für Muslime. Die Veden sind so etwas wie die heiligen Schriften des Hinduismus, so wie im Islam der Koran und im Christentum die Bibel. Im Hinduismus gibt es jedoch nicht nur ein heiliges Buch. Die Veden enthalten viele Philosophien und sind in Sanskrit verfasst. Alle Hindus befolgen die Hauptschriften der Veden.

Lernen Kinder Sanskrit in der Schule?
In normalen Schulen nicht. Sie behandeln die religiösen Schriften nicht auf diese Art und Weise. Sie setzen sich mit der Kultur auseinander, aber nicht mehr. Es gibt jedoch vedische Schulen, in denen die Überzeugungen gelehrt
werden. Auf diese Schulen gehen jedoch nicht viele Kinder.

„Es gibt viele Probleme in Indien, Armut ist wahrscheinlich das Größte. Kinder werden in Familien geboren, die sie nicht ernähren können. Das ist eine schlimme Situation. Ich möchte ein Indien sehen, in dem niemand aus Armut stirbt. Das ist vielleicht unmöglich, aber ich würde das gerne erleben.“

Welche Rituale führten sie für ihre Tochter durch?
Für meine Tochter haben wir darauf verzichtet, wir befolgen diese Dinge nicht mehr. Die meisten, die Indien verlassen und im Ausland bleiben, befolgen diese Traditionen nicht, weil es einfach nicht geht. Als meine Tochter ein Jahr alt war, lebten wir bereits hier und da konnten wir diese Feste nicht feiern, zumindest nicht auf die Art und Weise, wie ich sie beschrieben habe.

Waren sie mit ihrer Tochter in Indien und führten dort Rituale durch?
Ja, einen Brauch befolgten wir, weil meine Mutter darauf bestand: Wenn das Kind ein Jahr alt wird, gibt es eine Zeremonie, in der es darum geht, alle Haare abzuschneiden. Das gilt sowohl für Jungen als auch für Mädchen. Sie opfern ihre Haare den Göttern und Göttinnen, an die sie glauben.

Wie lief das ab?
Als meine Tochter zwei Jahre alt war, waren wir zu Besuch in Indien. Meine Mutter bestand darauf, dass wir zu einem Tempel gingen. Das ist ein Ort, an dem man die Götter und Göttinnen empfängt. Leute gehen dorthin, um ihnen zu huldigen. In dem Tempel entfernten wir alle Haare meiner Tochter. Wir luden dazu einige Freunde der Familie ein und kochten gutes Essen.

Layout: Raziq Ahmad Tariq


Welche Bräuche lassen sich noch nur in Indien realisieren?
In der hinduistischen Kultur glauben wir an vier heilige Stätten, zu denen Hindus pilgern. Im Laufe ihres Lebens sollten sie an diesen vier Orten gewesen sein, um einen Moksha zu bekommen. Es bedeutet nach dem Tod einen Platz
im Himmel zu bekommen. Ein Hindu sollte diese Stätten besuchen, um im Paradies weiterleben zu können.

Was verkörpern diese vier heiligen Stätten?
Diese vier Orte liegen in verschiedenen Teilen Indiens. Einer davon befindet sich in meiner Heimat im Bundesstaat Odisha. Es ist ein riesiger Tempel in der Stadt Puri, der den Gott Jagannath huldigt. Der nächste befindet sich im Westen Indiens und nennt sich Dwarka. Eine weitere heilige Stätte befindet sich im Norden und heißt Badrinath. Die letzte befindet sich im Süden und heißt Rameswaram. Das sind die vier Pilgerorte im Hinduismus. Sie entsprechen den vier grundlegende Prinzipien im Hinduismus. Diese sind Dharma, Karma, Artha und Moksha.

Alle Hindus glauben an diese vier Prinzipien?
Ja, das tun sie. Auch wenn sie unterschiedlichen Göttern huldigen. Die Prinzipien sind für alle gleich. Aber sie sind nicht verpflichtend. Es gibt kein geschriebenes oder gelebtes Gesetz, sie zu befolgen. Wenn du sie befolgst, bist du Hindu und wenn du sie nicht befolgst bist du Hindu. (lacht)


Wir haben hier in Deutschland eine indische Gemeinschaft, die wirregelmäßig treffen. Wir feiern zusammen einige Feste. Morgen zum Beispiel ist das Chariot-Festival, mit dem wir den Gott Jagannath huldigen. Es ist ein wichtiges Fest in meiner Heimat.

Wie feiern sie das Chariot-Festival?
Es gibtdie traditionelle Überzeugung, dass der Gott Jagannath einmal im Jahr
aus dem Tempel herauskommt und alle Leute trifft und besucht. Dies ist das Chariot-Festival. Es gibt einen Wagen, auf den ein großes Bild des Gottes geladen wird. Dieser fährt dann durch die ganze Stadt. Etwa eine halbe bis eine Million Leute kommen an dem Tag in die Stadt. Es wird aber auch überall sonst gefeiert, wo die Leute an diesen Gott glauben.

Waren sie in Deutschland im Tempel?
Ja, wir gingen anfangs, als wir in Süddeutschland lebten, zu vielen Tempeln. In Heidelberg gibt es zwei Tempel. Einer ist für Ganesha, der andere ist der Göttin Durga gewidmet. In Stuttgart gibt es einen Tempel, mit dem wir Krishna huldigen. Dort gingen wir häufig hin. In München gab es auch einen Tempel. In Hamburg hatten wir noch keine Möglichkeit. Ich weiß, dass es hier auch zwei hinduistische Tempel gibt sowie einen Sikhtempel.

Wie wichtig sind Tempelbesuche für sie?
Nicht wichtig, ich glaube nicht an Tempel, sondern an Götter und ich huldige ihnen Zuhause.

Ich bin keine sonderlich religiöse Person. Es ist üblich, jeden Morgen, wenn man aufsteht und sich wäscht oder ein Bad nimmt, den Göttern zu huldigen. Ich huldige ihnen jeden Morgen. Ich habe vier oder fünf Fotos der Götter und Göttinnen in meinem Haus und davor bete und verehre ich sie. Der Hauptgott in der hinduistischen Kultur ist Brahma. Es heißt, dass Brahma der Schöpfer des Universums ist.



Ist das im Hinduismus generell so?
Nein, rund 90 Prozent der Bevölkerung Indiens besucht regelmäßig Tempel. Deswegen gibt es fast jeden Kilometer einen. Es gibt vielleicht nicht überall Schulen, aber Tempel auf jeden Fall. Viele Festivals werden in Tempeln gefeiert, für alle möglichen Götter (lacht). In einem Tempel siehst du vielleicht zehn verschiedene Götter. So können sich die Leute den Gott aussuchen, an den sie glauben und dort beten.

Praktizieren sie Yoga oder Meditation?
Während meines Studiums habe ich viel meditiert. Heutzutage nicht mehr. Meine Frau macht viel Yoga.

Ist das religiös oder sportlich motiviert?
Yoga ist nicht Teil des hinduistischen Glaubens. In Indien sehen Leute das auch nicht als Teil ihrer Religion, sondern als eine Form der körperlichen Betätigung. Es ist nicht spirituell.

Das vollständige Interview ist in meinem Buch Glaube, Liebe, Hoffnung erschienen!

Direkt zu bestellen über mich für 24,90 Euro unter Angabe der Postadresse: https://www.paypal.com/paypalme/BookFaithLoveHope

  • Herausgeber ‏ : ‎ Anke Kühne (23. Oktober 2021)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Hardcovereinband ‏ : ‎ 144 Seiten Hochglanz
  • Fadenbindung mit Kapitalband
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3000701257/ ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3000701252

Oder über Amazon für 24,90 Euro + 3 Euro Versandkosten
sowie als Kidle-Edition für 9,99 Euro:
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Glaube, Liebe, Hoffnung

An ihren Unis in Osteuropa sind sie die künftigen Banker, Journalisten und Politiker – in Amerika sind sie nur „die Hilfe“

Melody Gilbert ist eine US-amerikanische Journalistin, Dokumentarfilmerin und Professorin. Seit Herbst 2019 lehrt sie in Vollzeit an der Universität in Natchitoches, Louisiana. „Ein neues Abenteuer! Ein neuer Ort, mit neuen Geschichten“, sagt sie lachend. Auf die Frage nach ihrem Alter antwortet sie: „Gut, ich bin 61, aber es fühlt sich sehr seltsam an, das laut auszusprechen! Ich fühle mich wahrhaftig nicht einen Tag älter als 40!“ Sie studierte Soziologie und Französisch an der Tulane Universität in New Orleans. Ihren Master absolvierte sie an der University of Minnesota. „Nebenbei gesagt: ich bin nie auf eine Filmschule gegangen und habe nie Journalismus studiert. Und beides lehre ich jetzt schon seit mehr als 20 Jahren!“ Sie spreche Englisch und ganz passabel Französisch. Sie wünschte, es wären mehr Sprachen. Seit 31 Jahren ist sie verheiratet und hat eine erwachsene Tochter.
Sie kennt die Hoffnungen junger osteuropäischer Studenten, die sie vier Jahre lang an der Amerikanischen Universität in Bulgarien (AUBG) als Vollzeit-Professorin unterrichtete. In ihrem Dokumentarfilm „The Summer Help“ beleuchtet sie die Träume einiger ihrer Studenten genauer.

„Der Doc Club gehörte zum besten meiner Professur an der Uni in Bulgarien – ich sah mit meinen Studenten Dokumentationen, traf Filmemacher und besuchte Filmfestivals. Igor Myakotin half beim Film The Summer Help. Nach seinem Bachelor ging er an die Filmschule in New York. Dumitrita Pacicovschi war Produzentin bei Silicone Soul.

Foto: Keri Pickett

Sie arbeiteten 15 Jahre als Journalistin für’s Fernsehen, warum entschieden sie sich Dokumentarfilme zu drehen?
Ja, ich arbeitete viele Jahre als Journalistin. Dann hatte ich es irgendwann satt, dass die TV-Studios keine längeren Geschichten bringen. Ich war frustriert diese ganzen kurzen Storys zu machen. Du fängst gerade mit einem Interview an und die Aufnahmeleitung stellt die Kamera ab und sagt: „Gut, das war‘s!“ (lacht)

Was war am Anfang das Aufregendste?
Ich drehte erst einstündige Specials. Dann wurden es immer mehr längere Stücke und irgendwann realisierte ich: „Oh mein Gott, ich bin eine Dokumentarfilmerin!“ Als ich mich entschied selbstständig zu arbeiten, begann ich zu filmen. Ich produzierte, moderierte und führte Regie. Ich verfüge über eine komplette, eigene Ausrüstung. Das war eine verrückte Idee! Aber ich hab’s gemacht! Das war so eine aufregende Zeit!

„Ich bin eine kleine Frau, mit einer kleinen Kamera! Und nicht ein großer Mann, mit einer großen Kamera (lacht). Das Wireless-Mikrofon war eine gute Idee, weil ich auf diese Weise meinen Interviewpartnern nicht das Mikrofon direkt ins Gesicht halten muss. Ich kann einen gewissen Abstand halten. Das veränderte alles.

Ist es ein typisches Zeichen für ihre Arbeit?
Ja, ich denke schon. Gut, andere Leute machen augenscheinlich das Gleiche. Aber ich schätze, dass ich besonders gut darin bin, beobachtende, nicht wertende Filme zu machen – Dokumentationen.

Auf welche Weise charakterisiert es ihre Filme?
Es bedeutet, dass ich Zeit investiere. Ich weiß viel mehr, als ich in meinen Filmen zeige und bewerte trotzdem nicht und gebe auch keine Antworten. Ich will eine Erfahrung davon geben, was ich erlebt habe. Nicht alles ist perfekt in meinen Filmen. In meinem Film „The Summer Help“ hätte ich viel mehr Urlaubsbilder präsentieren können. Das hätte eine gute Kameraperspektive sein können! Aber es wäre umsonst gewesen, weil die Welt nicht perfekt ist. Filme, die nicht perfekte Welten zeigen, mag ich. Ich strebe nicht an, eine großartige Kinofilmerin zu sein. Oder eine große Person im Filmbusiness. Ich bin Journalistin! Ich bin Filmemacherin! Ich befinde mich außerhalb der Welt und beobachte Dinge (lacht).

„Das Schönste am Filme drehen ist, sie mit einem Publikum zu teilen. Zu sehen, das sie für Gesprächsstoff sorgen. Wenn sie die Menschen berühren, vielleicht ihre Herzen öffnen und ihren Geist. Was kann ich mehr erwarten?“

Warum sind sie so interessiert an solchen Welten?
Das ist eine gute Frage. Ich wünschte, ich wüsste die Antwort darauf… Ich bin es einfach. Stellen sie sich vor, es ist so wie auf ihrer Website: Sie sind auf einem Foto mit ihren beiden Freundinnen zu sehen, die sich bei ihnen unterhaken. Und eine der beiden sagt: „Oh ich habe davon gehört, dass es Leute gibt, die in diese Gebäude gegangen sind. Sie waren im Untergrund und haben ganz besondere Dinge gefunden.“ Einige Leute reagieren darauf mit: „Oh das ist ja schrecklich!“ Ich gehöre zu den Menschen, die sagen: „Das ist interessant! Erzähl mir mehr darüber.“

Wie finanzieren sie ihre Filmprojekte?
Ich habe eine Kamera, ich muss für ein Shooting nicht fragen und auch sonst niemanden nach Zusagen oder Geld. Ich starte einfach, wenn ich etwas Interessantes erlebe. Ich denke, das ist es, was mir erlaubt, diese Dinge zu erleben. Ich bin neugierig. Und es hört sich so an, als ob sie es auch wären! (lacht)
Wo aus Deutschland kommen sie her?

Aus Hamburg…
Nein, da bin ich nie gewesen.

Die Leute sind sehr offen, das liegt an dem großen Hafen, er bildet ein Tor zum Rest der Welt
Oh, das ist wunderbar, großartig, wir brauchen mehr davon!

Warum schockieren sie ihr Publikum immer mit ihren Filmen?
Nein ich will mein Publikum nicht schockieren! Ich will es einfach nur auf die Reise mitnehmen, auf der ich war. Anfangs ist es auch für mich auf eine bestimmte Weise schockierend. Weil ich nie zuvor von bestimmten Dingen hörte. Da ist in meinem aktuellen Film Silicone Soul eine Person, die mit ihrem synthetischen Hund aus dem Haus geht. Und eine alte, demente Frau ist in eine Babypuppe verliebt. Es ist mehr: „Wow, das wusste ich nicht!“ Die Geschichten, die ich mache, sind nicht typisch. Viele Leute denken, Silicone Soul sei ein Film über Sexpuppen. Mal ehrlich: Wer will so einen Film sehen? Nur ein paar Leute. Es ist ein Film über Beziehungen, Liebe und die Zukunft. Sex kommt darin gar nicht vor.

„Finanziere meinen Film! steht auf einer Kerze neben dem Familienfoto mit meinem Mann und meiner Tochter am Strand. Aber es funktionierte nicht. Ich liebe sie trotzdem.“

Mich schockiert nicht, dass Männer Puppen lieben. Es hat mich getroffen, wie einsam sie sind. Dass es keine menschliche Liebe in ihrem Leben gibt. Sie wirken so unglaublich verletzlich…
Ja! Das stimmt. Wenn man das sieht, muss man ganz viel darüber nachdenken, in was für einer Gesellschaft wir leben. Es hält uns den Spiegel vor Augen und das trifft uns. Ich erzähle ihnen aber nicht die Geschichte. Die Leute im Film erzählen ihnen die Geschichte! Im Film The Summer Help ist es eine Geschichte, von der die Leute sagen, ich wusste das nicht. Die meisten in Europa kennen das Work-and-Travel. Sie haben es gemacht oder kennen Leute, die es machten. Aber ich wollte sehen, wie es aus der Perspektive der Studenten ist. Die Hauptpersonen in meinem Film repräsentieren viele Leute aus Osteuropa. Sie sind intelligent, sie sind unglaublich! Sie sprechen vier bis fünf Sprachen, sie sind die Cleversten aus ihrem Dorf, sie gehen ins Theater und studieren Journalismus oder Wirtschaftswissenschaften an der Universität, an der ich unterrichtete, der AUBG. Und im Sommer reinigen sie Toiletten in Amerika! Das macht mich absolut verrückt. Ich wollte herausfinden, inwiefern Amerika das Land ihrer Träume ist. Ich führte Interviews mit ihnen und begleitete die Studenten für ein paar Tage. Als sie zurück an ihre Uni gingen, guckte ich, wie sie sich verändert haben.

Warum entschieden sie sich, für vier Jahre an die Amerikanische Universität in Bulgarien zu gehen?
Ich liebe Veränderungen und ich liebe die Herausforderungen, die sich mit Veränderungen ergeben. Ich liebe es, mit Studenten zu arbeiten, das macht mich glücklich.

Was hofften sie, als sie nach Bulgarien gingen?
Ich bekam meine Idee für meinen Film The Summer Help, als ich die erste Woche an der AUBG unterrichtete. Ich fragte: „Was habt ihr im Sommer erlebt?“ Und fast alle von ihnen hatten den Sommer in den USA verbracht. Ich sagte: „Leute ich komme aus den USA, warum seid ihr dort gewesen?“ Und sie erzählten mir, dass sie an den Plätzen arbeiteten, an denen ich Urlaub machte. Ich wusste nicht, dass dort Studenten arbeiteten. Sie haben Jobs gemacht, die in den USA niemand machen will. […]

Das vollständige Interview ist in meinem Buch Glaube, Liebe, Hoffnung erschienen!

Direkt zu bestellen über mich für 24,90 Euro unter Angabe der Postadresse: https://www.paypal.com/paypalme/BookFaithLoveHope

  • Herausgeber ‏ : ‎ Anke Kühne (23. Oktober 2021)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Hardcovereinband ‏ : ‎ 144 Seiten Hochglanz
  • Fadenbindung mit Kapitalband
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3000701257/ ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3000701252

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Glaube, Liebe, Hoffnung

Tschüss Mami…

Lara Treu mit ihrer Tochter, zwei Wochen, bevor sie an Brustkrebs starb…

Dr. Hartmut Treu verlor seine Frau an Brustkrebs, als ihre gemeinsame Tochter fünf Jahre alt war. „Ich finde es klingt ganz schrecklich, wenn ich sage, dass ich Witwer bin“, erzählt er. Seine verstorbene Frau Lara Treu, war 43 Jahre alt und kämpfte ein Jahr lang, ohne jede Chance auf Heilung gegen den Krebs. Die Unfallchirurgin tat es aus Liebe zu ihrer kleinen Tochter.
Als sie die Diagnose bekam, hatte sie bereits im ganzen Körper Metastasen, außer im Gehirn, am schlimmsten in der Wirbelsäule. Dennoch wollte sie unbedingt bis zur Einschulung ihres kleinen Mädchens durchhalten.

Die absolute Zahl der jährlichen Todesfälle durch Brustkrebs liegt in Deutschland seit 1990 nahezu konstant bei etwa 18.000 Frauen.
Die Beihilfe zum Suizid ist in Deutschland erlaubt. Die Tötung auf Verlangen war bis Anfang 2020 ein Straftatbestand. Im Februar 2020 kippte das Bundesverfassungsgericht das Gesetz. Es entschied, zum selbstbestimmten Sterben gehöre auch das Suchen und die Inanspruchnahme von Hilfe durch Dritte.

Wären wir zu zweit gewesen, hätten wir ihren Schmerzen und ihrem Leben nach der ersten Chemotherapie ein Ende gesetzt. Aber sie versuchte, am Leben zu bleiben, bis Hannah in die Schule geht. Sie schaffte es nicht.

Dr. Hartmut Treu wurde in Hamburg geboren und wuchs mit seinen Eltern sowie einem zwei Jahre älteren Bruder auf. Er studierte Medizin an der Universität Hamburg und ist Facharzt für Urologie mit eigener Praxis. „Meine Vorfahren waren 350 Jahre lang Pastoren, ich bin also aus der Art geschlagen (lacht). Aber wir sind nie so richtig oft in die Kirche gegangen und das ist auch heute so. Ich bin konfirmiert und meine Eltern beteten jeden Abend mit uns“, erinnert er sich.
Er lebt heute in Hamburg und in seiner Freizeit imkert er.
Lara Treu konnte zu Hause sterben. Die, die sie liebte, waren in diesem Moment bei ihr: ihre Tochter, ihr Mann und ihre Mutter.
Im Interview spricht er über Liebe, die über den Tod hinausgeht; der Liebe zu seiner Tochter und wie die ganze Familie durch die Liebe getragen wurde und Halt fand.


Ich sprach mit Dr. Hartmut Treu über das letzte Jahr als Familie, über den Tod seiner Frau und die Zeit danach.

Wie begann eure Liebe?
Ganz unromantisch über eine Kontaktanzeige. Wir schalteten beide eine und sie antwortete auf meine. Dann telefonierten wir und sie sagte: „Also mit dir kann man gar nicht telefonieren.“ Unser erstes Treffen war sehr zäh. Wir gingen mit ihrem Hund spazieren und erst kam kein Gespräch auf, dann gab es sehr lange Pausen. (lacht)

Wann hast du dich in sie verliebt?
Nicht auf den ersten Blick, das kam peu à peu. Als es soweit war, hatte ich Schmetterlinge im Bauch. Ich vermisste sie schon direkt nach unseren Treffen. Ich habe es ihr aber nicht gezeigt. Sie hätte es jedoch viel lieber gehabt, dass ich ihr romantische Geschichten schicke oder mal Blumen oder so…

Wie seid ihr zusammengekommen?
Ich habe sie während einer Nachtschicht in der Klinik besucht. Wir spielten in der ersten Zeit des Verliebtseins Gesellschaftsspiele und reisten, besonders solche Gegenden, auf die ich ohne sie nie gekommen wäre, wie Sri Lanka. Ich wäre ohne sie auch nie auf die Idee gekommen, einen Tauchkurs zu machen. Das taten wir hier im Schwimmbad. Und dann sah ich mich mit Taucherflasche auf dem Rücken und Bleigürtel um den Bauch auf einem kleinen wackeligen Boot im indischen Ozean und hörte: Spring! Mir selbst sagte ich: Du bist doch komplett irre!

Hat einer von euch einen Heiratsantrag gemacht?
Es entwickelte sich nach und nach, dass wir den Rest unseres Lebens gemeinsam verbringen wollen. Liebe entwickelt sich und irgendwann willst du den anderen nicht mehr hergeben. Lara hat lange auf einen Heiratsantrag gewartet, das war genauso unromantisch wie unser Kennenlernen… (lacht) Wir hatten das Haus gekauft, waren total verschwitzt am Renovieren und ich sagte: Sag mal, eigentlich können wir doch jetzt auch heiraten? Dann guckte ich, ob noch irgendwo eine Flasche Sekt rumstand. Diese Geschichte musste ich mir zu Recht jedes Jahr wieder an unserem Hochzeitstag anhören…

Wie habt ihr geheiratet?
Standesamtlich im Dezember, weil wir dachten, das bringt uns steuerlich etwas, also auch ganz unromantisch und es brachte uns 170 Euro (lacht). Wir dachten, wir holen eine kirchliche Trauung mit einem großen Fest nach, aber dazu kam es nie. Unsere Flitterwochen verbrachten wir im Tauchurlaub auf den Malediven, das war wahnsinnig schön…

Wie sah euer Kinderwunsch aus?
Es war von Anfang an klar, dass wir unbedingt gemeinsam Kinder wollen. Wir haben nicht mehr verhütet und probierten es jahrelang. Mit zahlreichen künstlichen Befruchtungen. Lara wollte auf keinen Fall ein Einzelkind. Nach der Geburt unserer Tochter Hannah gab es noch sechs weitere erfolglose Versuche…

Wie ging es euch damit?
Ich hätte die künstlichen Befruchtungen nicht gemacht. Ich hatte zudem einen Hodentumor… Die erste künstliche Befruchtung, die funktionierte, war eine Fehlgeburt, weil es eine Eileiterschwangerschaft war. Es kam zur Not-OP. Dann machten wir ziemlich schnell weiter. Beim zweiten Mal als es klappte waren es Zwillinge. Und das war immer Laras größter Wunsch! Zwillinge. Beide gleich alt. Was Besseres konnte sie sich nicht vorstellen… Wir waren beide total happy!

Was machte ihr Tod mit eurer Liebe?
Ich habe nach vorne geguckt. Lara und ich trauerten ganz anders. Das ist wohl generell so, dass Frauen in solchen Fällen anders trauern. Bei mir war es relativ schnell so, dass ich gesagt habe es muss weitergehen, es wird weitergehen. Lara war nicht so weit. Im Endeffekt schweißten uns unsere ganzen Schicksalsschläge aber zusammen. Viele Ehen wären daran wahrscheinlich kaputtgegangen.

Wie fandet ihr nach der stillen Geburt der Zwillinge Kraft es nochmal zu probieren?
Der Kinderwunsch war so immens bei Lara. Ich sagte, zur Not werden wir auch zu zweit glücklich. Aber für Lara gab es gar keine Möglichkeit, aufzuhören und die dritte Schwangerschaft war dann Hannah.

Wie ging es euch während der Schwangerschaft?
Das war eine Schwangerschaft, die natürlich nie entspannt war. Wir hatten die ganze Zeit Sorgen, dabei war es eine Bilderbuchschwangerschaft (seufzt).
Wie war es nach Hannahs Geburt? Unser absolutes Wunschkind war da! Lara war die beste Mutter, die es gab! Sie tat immer alles für das Kind. Wir waren verliebt und im Glück. Wir teilten alle Aufgaben von Anfang an.

Wann und wie habt ihr von Laras Erkrankung erfahren?
Sie hatte monatelang Rückenschmerzen. Es war sofort klar, dass sie keine Chance hatte, weil es schon Metastasen gab. Es ging nur noch um den Faktor Zeit. Sie wollte es bis zu Hannahs Einschulung schaffen…

Steht der Brustkrebs in irgendeinem Zusammenhang mit der künstlichen Befruchtung? Diese Frage kann dir keiner beantworten. Wenn du sie fragst, sagen sie alle nein. Wenn man die Beipackzettel der Hormongaben liest, dann glaube ich das schon. Aber für Lara hätte das keinen Unterschied gemacht. Sie sagte zu ihrer Mutter: Auch wenn ich es gewusst hätte, würde ich es jederzeit wieder machen. Und ich meine jeder liest diese Beipackzettel und denkt, mich trifft es nicht. So wie jeder Raucher sagt: Mich trifft das nicht. Niemand sagt deshalb, ich bekomme kein Kind.



Was war das Schlimmste an ihrer Krankheit?
Die Schmerzen und der körperliche Verfall. Nicht mehr für Hannah da sein zu können, Mama ist nicht da. Eifersucht, dass ich alles mit unserer Tochter machen kann und Lara nicht, aber nur ein bisschen, nicht wirklich…

Was war für dich das Schlimmste?
Immer wieder diese tiefe Hoffnungslosigkeit von Lara. Das Leben geht weiter konnte ich ihr ja nicht sagen… Am schlimmsten war es für mich, als Lara nicht mehr da war.

Was war das Schlimmste für Hannah?
Das es Mama immer schlechter ging.
Was half dir? Ich funktionierte einfach nur. Die Praxis reduzierte ich auf vier Tage die Woche. Meine Kollegen hielten mir den Rücken frei, falls ich mal einen Tag nicht da war. Abends nahm ich mir ein bis zwei Stunden nur für mich, zum Lesen, Fernsehen und Nachdenken, wie’s weitergeht…

Was half Lara?
Schwimmen gehen, die Sorge um ihre Tochter setzte unglaubliche Kräfte frei!
Was half eurer Tochter? Alltag war für sie ganz wichtig! Halt geben Hannah ihre beiden Katzen Momo und Jule.

Wie beeinflusste Laras Brustkrebserkrankung eure Liebe?
Es war psychisch und physisch eine Katastrophe, trotzdem schweißte es uns zusammen.

Wie beeinflusste es sie als Mutter?
Sie musste ihre Emotionen vor Hannah verstecken, um sie mit ihren Ängsten und ihrer Trauer nicht zu belasten. Außerdem wurde sie immer schwächer, konnte immer weniger mit unserer Tochter unternehmen, schlief immer mehr. Hanna wurde zum Papa-Kind. Das tat Lara sehr weh (weint). […]

Das vollständige Interview ist in meinem Buch Glaube, Liebe, Hoffnung erschienen!

Direkt zu bestellen über mich für 24,90 Euro unter Angabe der Postadresse: https://www.paypal.com/paypalme/BookFaithLoveHope

  • Herausgeber ‏ : ‎ Anke Kühne (23. Oktober 2021)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Hardcovereinband ‏ : ‎ 144 Seiten Hochglanz
  • Fadenbindung mit Kapitalband
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3000701257/ ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3000701252

Oder über Amazon für 24,90 Euro + 3 Euro Versandkosten
sowie als Kidle-Edition für 9,99 Euro:
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Glaube, Liebe, Hoffnung

Wir müssen uns nicht wegen unserer Religion bekämpfen, es gibt wirklich Wichtigeres zu bekämpfen, wie Krankheiten!

Frau Sharafian ist Jüdin und in Israel geboren. Seit 46 Jahren lebt sie in Deutschland, in einer Großstadt Niedersachsens. „Ich kam 1973 hierher“, sagt sie. Aus Angst vor Anschlägen möchte sie ihren Vornamen nicht veröffentlichen und wir verwenden ihren Mädchennamen.
Frau Sharafian ging nach Deutschland, weil ihr Mann Deutscher war. „Ich lernte ihn in Israel, in Tel Aviv, kennen. Er absolvierte dort damals seinen Zivildienst“, erklärt sie. Er wollte studieren und konnte Hebräisch sprechen. Doch der Numerus Clausus wäre in Israel für pädagogische Studiengänge zu hoch gewesen. Wegen seines Studienplatzes seien sie dann nach Deutschland gegangen.

„Auf dem Foto oben, das bin ich mit 21 Jahren. Die andere junge Frau ist meine Schwester. Wir sind in Israel bei meinen Eltern und bekamen gerade ein Fohlen. Die Aufnahme machten sie, kurz bevor ich meine Heimat verließ und nach Deutschland ging. Ich liebe sie sehr!“

Wurde ihr mit Vorbehalten begegnet? Die Freunde ihres Mannes wären ihr sehr offen begegnet. Es gab keine negativen Begegnungen. Sie spürte allerdings die Skepsis ihrer Schwiegereltern. Das Schrecklichste in Deutschland sei das erste Essen bei ihnen gewesen: „Es gab Sauerkraut und Bockwurst. Das war wirklich gruselig“, sagt sie lachend. „Meine Eltern hatten viele Freunde in Deutschland, die Auschwitz überlebten. Wir besuchten zum Beispiel eine ungarische Familie, die Ausschwitz überlebte. Sie war meinem Mann gegenüber aufgeschlossen, obwohl er Deutscher war“, erzählt Frau Sharafian.

„Die Familien, die Auschwitz überlebten, wohnten anschließend wieder in Deutschland. Es ist doch so, es waren Deutsche, die ermordet wurden! Und zufällig waren sie Juden.“

Um eine Arbeitserlaubnis zu bekommen, habe ihr ein Freund ihres Mannes einen Job im Altenheim besorgt. Anschließend lernte sie Deutsch und machte eine Ausbildung zur Erzieherin. „Es war schwierig, dass ich kein Deutsch sprechen konnte“, berichtet sie. Heute unterrichtet sie zusätzlich zu ihrer Arbeit im Kindergarten Hebräisch an Schulen und an der Universität. In Kürze geht sie in Rente, die Dozentenstelle an der Uni wolle sie trotzdem auf jeden Fall behalten.
Sie hatte keine Ängste, als sie nach Deutschland. „Ich war neugierig. Erst als die innerdeutsche Grenze geöffnet wurde, bekam ich Angst wegen der Ausländerfeindlichkeit. Ich sah in Hoyerswerder wie Menschen andere Menschen verletzten, das war sehr gruselig!“, erinnert sich Frau Sharafian.
Was gefiel ihr am Besten in Deutschland? Alles sei so schön grün gewesen. Sie kam im Sommer, da sei in Israel alles verdorrt, wegen der großen Hitze. Und die roten Ziegeldächer hätten ihr sehr gut gefallen. Die Bauart in Israel sei eine ganz andere.
„Es ist für jeden Menschen wichtig zu wissen, woher er kommt. Meine Wurzeln sind sehr stark und mir wichtig. Meine ganze Familie lebt in Israel. Nur meine Schwester und ich wanderten aus“, erzählt Frau Sharafian. Ihre Schwester ging mit ihrem Mann, einem Amerikaner, in die USA. „Für meine Familie war das schon schwierig, das habe ich gemerkt, aber sie sagten nichts“, berichtet sie. Sie versuche ihre Familie so oft wie möglich in Israel zu besuchen, mindestens zweimal im Jahr sei sie dort. „Meine Familie ist orientalisch, meine Eltern waren Iraner. Ich habe drei ältere Brüder aus der ersten Ehe meines Vaters. Nachdem seine erste Frau starb, heiratet er meine Mutter und bekam noch drei Töchter. Ich bin die mittlere Tochter“, sagt Frau Sharafian. Ihr Vater und ihre Mutter seien in den 1950er Jahren nach Israel eingewandert. „Das ist die Sehnsucht eines jeden Juden“, erklärt sie. Der Uronkel ihrer Mutter lebte in Jerusalem. Die Verbindung zu Jerusalem sei immer da gewesen. Das lasse sich ewig zurückverfolgen.

Anmoderation Interview Frau Scharafian

Die ersten Jahre ihrer Kindheit habe sie in Jerusalem gelebt. Dann zog die Familie in die Stadt Aschkelon um, nördlich von Gaza-Stadt, an die Mittelmeerküste.
Welche Sprachen spricht sie? „Hebräisch, Persisch, Englisch und Deutsch. Als ich nach Deutschland kam, habe ich mich mit Englisch verständigt“, sagt Frau Sharafian.
Das Schönste an Israel sei das Wetter, besonders im Vergleich zu Deutschland. Das Essen sei Zeugnis einer frohen Natur. Und das Meer sei traumhaft, aber das wären nur Äußerlichkeiten. In Wirklichkeit sind es die Menschen. Sie wären aufmerksamer als in Deutschland. Man komme schneller miteinander ins Gespräch. Israelis seinen einfach kommunikativer. Die Leute wären hilfsbereiter. Niemand würde an einem Menschen in Not einfach vorbeigehen.

Frau Sharafian spricht über Ihren Glauben.

Sind sie stolz Jüdin zu sein?
Ja, ich bin gerne Jüdin.

Sind sie religiös erzogen worden?
Nein. Das war alles traditionell, die Feste, die Rituale, dass wir kein Schweinefleisch gegessen haben. Das war nicht religiös motiviert.

Wurde Religion bei ihnen an der Schule unterrichtet?
Ja, in Israel wird Religion in der Schule unterrichtet.

Haben sie als Kind an Gott geglaubt, gab es unterschiedliche Phasen in ihrem Glauben je nach Alter und Lebensumständen?
Nein, gab es nicht. Für mich ist Glaube mehr etwas, das mit Tradition zu tun hat. Wenn ich im Ausland war oder es mir nicht gut ging, dann habe ich schon gedacht, dass jemand auf mich aufpasst…

Welche Feste feiern Sie?
In der ersten Zeit in Deutschland gab es in der Stadt, in der ich mit meinem Mann wohnte, noch gar keine Synagoge. Und es gab auch keine Gemeinde. Ich musste 125 Kilometer bis in die nächste Stadt fahren. Der einzige Jude in meiner Stadt außer mir, war der Bürgermeister. In den ersten zehn Jahren unserer Beziehung, haben mein Mann und ich keine jüdischen Feste gefeiert.

Feiern sie heute Weihnachten?
Ja, weil es schön ist!

Was ist ihre Heimat?
Israel.

Woran denken sie bei dem Wort Heimat?
An zu Hause sein. Ich mag auch mein schönes Haus mit Garten in Deutschland, das ich damals zusammen mit meinem Mann angeschafft habe und in dem ich heute alleine wohne. Ich mag meine Freunde. Aber ich denke da, wo man geboren ist, ist zu Hause. Vielleicht ist das aber auch nur so eine Idee und ich würde mich in Israel gar nicht mehr zu Hause fühlen. Das ist schwierig zu sagen. Meine Schwester würde auf die Frage antworten: USA. Aber in den USA ist es auch anders als in Deutschland. Da gibt es einen größeren Zusammenhalt unter den Juden. Und die Nichtjuden wissen besser Bescheid, zum Beispiel kennt man in den USA die jüdischen Feste. Das ist in Deutschland nicht so. Meine Schwester hat eine deutsche Nachbarin und die gratuliert ihr auch zum neuen jüdischen Jahr. Und obwohl ich mit den Kindern im Kindergarten die jüdischen Feste bespreche, gratulieren mir die Eltern nicht zum neuen jüdischen Jahr. Das ist in den USA selbstverständlich.

Was ist Israels größte Stärke?
Die Vielfalt. Es sind die Menschen aus vielen, vielen Ländern. Und die Kreativen. Jeder kommt mit Digitalität klar und entwickelt etwas Neues daraus. In Israel bauen sich die Menschen ihre Zukunft. Das ist eine gute und notwendige Stärke. Sehen sie, die Ausschwitzüberlebenden haben sich nicht die Vergangenheit angeguckt, das wäre gar nicht möglich gewesen! Sicherlich, teilweise haben sie die Vergangenheit auch verdrängt, aber vor allen Dingen haben sie immer nach vorne geschaut! Niemals rückwärts, sondern immer vorwärts. Sehen sie sich die
Bauhausstadt Tel Aviv an. Jüdische Architekten aus Deutschland errichteten all die Gebäude im Bauhausstil.

Was ist die größte Schwäche Israels?
Die ganze Religiosität bedeutet Schwäche. Ich meine damit das
ultraorthodoxe Judentum. Das spaltet.

Spendet Glaube ihnen bei schwierigen Aufgaben Kraft?
Ja.

Tragen sie ein Symbol des Glaubens?
Nein, für mich hat Glaube nichts mit Symbolen zu tun, auch wenn wir für die Feste natürlich bestimmte Leuchter anzünden. Aber das ist insgesamt ein Gefühl, nichts Materielles. […]

Das vollständige Interview ist in meinem Buch Glaube, Liebe, Hoffnung zu lesen.

Direkt zu bestellen über mich für 24,90 Euro unter Angabe der Postadresse: https://www.paypal.com/paypalme/BookFaithLoveHope

  • Herausgeber ‏ : ‎ Anke Kühne (23. Oktober 2021)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Hardcovereinband ‏ : ‎ 144 Seiten Hochglanz
  • Fadenbindung mit Kapitalband
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3000701257/ ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3000701252

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Glaube, Liebe, Hoffnung

Ich habe Angst vor den Waffen unserer Nachbarn!

Sebastian Göbel wohnt mit seiner Frau, zwei Töchtern, zwölf und zehn Jahre alt sowie seinem achtjährigen Sohn in Tomball, Texas. „Wir wohnen in einem typischen amerikanischen Vorort von Houston“, sagt er. Es sei mal eine Kleinstadt gewesen, die mit Houston zusammenwuchs. Die Grenze selbst merke man nicht mehr, aber es gäbe trotzdem noch dörfliche Strukturen.
Sebastian Göbel arbeitet für Hewlett Packard Enterprise. „Ich bin dreimal ausgewandert und dreimal Amerikaner geworden.“ (lacht) Beim ersten Mal ging er in der Nähe von Houston zur Schule und spielte Football. Es war eine großartige Erfahrung für ihn. Beim zweiten Mal ging er an die Universität für sein Masterstudium. Beim dritten Mal war’s für die Schulzeit seiner Kinder.
Er arbeitete auch in Luxemburg und dort hauptsächlich mit Franzosen sowie Belgiern. Jetzt sind es Amerikaner, aber der Unterschied sei nicht groß, da das Unternehmen amerikanisch ist. Die Mitarbeiter seien multikulturell. Sie hätten zwar alle ihren eigenen Background, aber das spiele keine Rolle. „In Luxemburg musste ich morgens erstmal durchs ganze Büro gehen, jedem die Hand geben und dann Küsschen links, Küsschen rechts, Küsschen links und Smalltalk halten. Das dauert eine halbe Stunde bevor ich anfangen konnte, zu arbeiten“, sagt er lachend. In den USA dagegen, fange jeder morgens sofort an zu arbeiten. Der Fokus liege ganz klar auf der Arbeit. Das wäre eher ein gesellschaftlicher Unterschied.

„VieleLeute definieren sich in Amerika über die Arbeit. Man wird nicht gefragt: Wer bist du? Was denkst du? woher kommst du? Sondern was machst du? In den USA definieren sich alle sehr über ihren Job.“

Sebastian Göbel habe aber auch gute Freunde in Amerika gefunden. Für ihn sei das nicht viel anders als in Deutschland oder Luxemburg gewesen. „Ich bin im Leben viel rumgehüpft“, sagt er . Aus jeder Phase seines Lebens habe er Freundschaften mitgenommen. Damit die über die Jahre halten, müsse man sie pflegen und sich drum kümmern, ist er überzeugt. Das musste er lernen, aber das sei überall gleich.

Anmoderation Interview Sebastian Göbel

Sebastian Göbel wuchs in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) auf. Seine Familie war daher nicht religiös unterwegs. Seit er verheiratet ist, geht er mit seiner ganzen Familie jeden Sonntag in die Kirche. Seine Frau ist Journalistin und US-Amerikanerin. Sie kommt von einer Ranch. Ihre Eltern leben, zwei Stunden von Tomball entfernt.

Sebastian Göbel spricht im Interview über seine Hoffnungen und Träume sowie Enttäuschungen und Kämpfe in Bezug auf die USA.

Seit wann träumtest du von den USA?
Das erste Mal während der Schulzeit. Ich spielte seit einem Jahr Football und das war meine große Liebe, so ein toller Sport! Aber um das richtig zu können, blieb für mich nur Amerika. Also bearbeitete ich meine Mutter, mir einen Austausch zu ermöglichen. Ich gab vor, ich müsse unbedingt Englisch lernen (lacht). Das war natürlich nur vorgeschoben. Ich kam nach Texas, in die Nähe von Houston. Dort ging ich auf die High-School.

Was waren deine Hoffnungen, als du das erste Mal in die USA reistest?
Ich lernte die amerikanische Kultur kennen, die sich um den Sport herum entwickelte. Das war eine fantastische Erfahrung. Ich ging in Houston zur Schule, das war ein Traum. Du machst vor der Schule Sport, du hast nach der Schule Training und an den Wochenenden dreht sich alles um die Spiele, einfach großartig! Die ganze Stadt wurde dafür mobilisiert. Für mich ging damit ein Traum in Erfüllung!

Was war das Schönste?
Ich war bei einer fantastischen Familie, die sich ganz viel Mühe gab, die mir alles zeigte und mit der ich heute noch in Kontakt stehe. Meine Frau sagt immer: Die haben dich adoptiert. (lacht)So ist es wirklich beinahe.

Warst du von etwas enttäuscht?
Angst machten mir die Insekten. Die sind zum Teil gruselig. Aber sonst gab es keine schlechten Erfahrungen.

Was war ganz anders, als du es dir vorstelltest?
Ich hatte vorher Horrorgeschichten über das amerikanische Schulsystem gehört und das bestätigte sich für mich überhaupt nicht. Ich wohnte in einem kleinen Dorf. Alle sorgten dafür, dass die Schüler anständige Lehrer hatten und dass die Schüler gute Arbeit leisteten. Das war nicht anders als das, was ich aus Deutschland kannte. Ich lernte aber auch Austauschschüler kennen, für die die Schule der Horror war. Es ist also grundsätzlich möglich, aber nicht immer und überall der Fall. Es gibt die Zweiklassengesellschaft. In Stadtteilen mit Minderheiten können die Schulen ein Problem sein.

Was überraschte dich?
Überrascht war ich davon, dass es so eine große deutsche Kultur gab. Wir machten jeden Freitag eine Tour zu einer anderen High-School. Dabei wurde ich regelmäßig auf Deutsch angesprochen, alle wussten, dass ich aus Deutschland komme. Die Leute waren 65 bis 70 Jahre alt und hatten ihr Deutsch vor dem zweiten Weltkrieg gelernt. Das stirbt langsam aus. Sie fanden es schön, mit mir zu sprechen. Das war diese ganze Einwandererkultur, aber dass sie das Deutsche weiter pflegten und lebten, überraschte mich. Es war wie ein kleines Deutschland und das realisierte ich damals zum ersten Mal.

Wie war es beim zweiten Mal?
Ich wusste, dass ich mir die Studiengebühren in den USA nicht leisten kann. Das waren Summen, die waren unvorstellbar. Also beendete ich in Deutschland mein Studium, arbeitete anschließend drei Jahre und sparte Geld. Zwischendurch lernte ich eine Amerikanerin kennen und wollte auch ihretwegen in die USA, heute ist sie meine Frau.

Wie lerntet ihr euch kennen?
Ich lernte sie in Luxemburg kennen, als ich dort arbeitete. Sie absolvierte ein Sprachprogramm in einer Sommerschule in Bonn. Eine Freundin von mir stellte sie mir vor und wir unternahmen etwas miteinander. Wir blieben in Kontakt und kamen zusammen. Es war eine Fernbeziehung. Ich dachte erst, das klappt nie! Aber im Sommer war ich in Texas und sie kam ein paar Mal nach Luxemburg. Ich folgte ihr in die USA für meinen Master.

Wie ging‘s weiter?
Ich suchte mir nach dem Abschluss einen Job. Wir heirateten und bekamen unser erstes Kind.

Wann wandertest du das dritte Mal in die USA aus?
Dummer Zufall.(lacht) Über den Job bekam ich das Angebot wieder in Luxemburg arbeiten zu können. Meine Frau war schwanger und wir gingen für fünf Jahre nach Luxemburg. Meine Frau spricht Deutsch. In Luxemburg ist alles auf Französisch. Trotzdem überlegten wir lange, wo unsere Kinder zur Schule gehen und aufwachsen sollen.

Was gab den Ausschlag für die USA?
Meine Frau vermisste ihre Familie. Sie hat eine sehr enge Verbindung zu ihren Eltern, allen ihren Brüdern und damals auch noch ihren Großeltern. Sie wollte gerne in ihrer Nähe leben. Sie gab ihren Job auf, als unsere erste Tochter auf die Welt kam. Wenn sie schon nicht arbeitete, wollte sie wenigstens in ihrem Umfeld leben.

Welche Staatsbürgerschaft habt ihr?
Die Kinder haben meine. Ich hatte bis vor einem Jahr nur die deutsche Staatsbürgerschaft, aber da Deutschland die doppelte Staatsbürgerschaft zulässt, haben die Kinder und ich jetzt auch die amerikanische. Meine Frau hat nur die amerikanische.

Wachsen die Kinder zweisprachig auf?
Ich spreche Deutsch, meine Frau spricht Englisch mit ihnen. Meiner Großen gelingt das fließend. Unsere Mittlere spricht fast fließend und der Kleine mag es nicht so gern sprechen, aber versteht alles. Die Kinder gehen in eine fantastische Samstagsschule. Dort lernen sie vom Kindergarten bis zur zwölften Klasse jeden Samstag drei bis vier Stunden deutsche Kultur, Grammatik und Rechtschreibung. Das bringt total viel. Es ist eine tolle Institution und eine große Unterstützung für mich, so muss ich den Kindern nicht alles alleine beibringen.

Ist es schöner, in Deutschland ein Kind zu sein oder in den USA?
Ist egal. Es kommt auf die Familie drauf an und was dir geboten wird. Glücklich kann man überall sein. Ich bin als Kind in der DDR groß geworden. Wir hatten nix und ich war glücklich. Ich lebte in Hamburg, hatte nix und war glücklich. Was Kinder glücklich macht, ist das direkte Umfeld und die Kontakte, die sie haben.

Lieben Amerikaner anders als Deutsche?
Nein, würde ich jetzt so nicht sagen. Von Frau zu Frau und Mann zu Mann sind die Unterschiede nicht so groß. Man sieht in den USA schon, dass der Partner oder die Partnerin manchmal nur ein Statussymbol ist. Aber das sah ich auch in Deutschland. Das kommt glaube ich auf die Person an. Aus meiner Perspektive betrachtet würde ich das nicht generalisieren wollen. Amerikaner sind mehr auf sich selbst bezogen, die Deutschen haben einen größeren Gemeinschaftssinn. Das hat schon Auswirkungen, aber auf andere Bereiche, nicht darauf, wie man liebt. Das ist ja etwas, das vom Herzen kommt. Da sind die Menschen gar nicht so unterschiedlich. […]

Das vollständige Interview ist in meinem Buch Glaube, Liebe, Hoffnung erschienen.

Foto: Kristoff Kühne

Direkt zu bestellen über mich für 24,90 Euro unter Angabe der Postadresse: https://www.paypal.com/paypalme/BookFaithLoveHope

  • Herausgeber ‏ : ‎ Anke Kühne (23. Oktober 2021)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Hardcovereinband ‏ : ‎ 144 Seiten Hochglanz
  • Fadenbindung mit Kapitalband
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3000701257/ ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3000701252

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Glaube, Liebe, Hoffnung

Alle Religionen sind für mich so heilig, wie meine eigene!


Shahab bedeutet im Arabischen Sternschnuppe. Aber auch Krieger“, sagt Shahab Ud-Din. Seine Mutter stammt aus Tansania, sein Vater aus Pakistan. Gemeinsam gingen sie nach England, dort wurde er geboren. Nicht ganz ein Jahr später zogen sie weiter nach Deutschland. Seine Eltern sind muslimischen Glaubens. Sie gehören der Ahmadiyya-Bewegung an, die in Pakistan stark verfolgt wird. Das war einer der Gründe, warum sein Vater nach Deutschland ging. 1974 gab es große Unruhen, die Familie seines Vaters wurde ausgeraubt und hatte nichts mehr. Sie schickte ihre Söhne ins Ausland, um das Leben der restlichen Familie zu sichern. „Damals ging das noch relativ einfach. Man konnte nach Deutschland kommen und es gab viel Arbeit“, sagt Shahab Ud-Din.
„Meine Verwandten leben zwar in Pakistan, aber ich verbinde damit nur Urlaub. Auf der anderen Seite bin ich sehr darauf bedacht, dass wir Zuhause nur Urdu sprechen. Für meine Kinder ist es mir wichtig, dass sie diese zweite Sprache wirklich gut beherrschen“, sagt Shahab Ud-Din. Der 36-jährige Diplomwirtschaftsingenieur ist verheiratet, hat eine dreijährige Tochter, einen sechsjährigen Sohn und lebt bei Köln.

„Wenn eine Kirche brennt, bin ich der Erste, der sie löscht! Selbst falls mein Haus dann verbrennt. Ich bin der Erste, der die Synagoge, das Gotteshaus und anders Gläubige schützt, selbst wenn es mir schadet. Das ist meine Pflicht als Muslim! Diese innere Triebkraft macht mich überhaupt erst zum Muslim.“

Shahab Ud-Dins Eltern engagierten sich in Schleswig-Holstein in einer Gemeinde, die noch relativ klein war. Mit den Jahren wuchs sie und je mehr Leute in die Gemeinde eintraten, umso mehr Arbeit fiel für seine Eltern an. „Schon mit sieben Jahren kommt man langsam rein, es werden bestimmte moralische Werte vermittelt“, sagt er. Die häusliche Erziehung habe in religiöser Hinsicht immer eine große Rolle gespielt. Damals gab es nur eine Moschee in Hamburg und eine bei Itzstedt. „Mein Vater besaß einen Gemüseladen und dafür einen Transporter. Weil viele damals nicht so viel Geld hatten und sich ein eigenes Auto nicht leisten konnten, nahm mein Vater sie alle im Kofferraum mit“, erinnert er sich.

Mit dem Begriff Heimat verband er lange Zeit nichts. Erst als er Norderstedt verließ und nach Köln ging, entdeckte er diesen Begriff für sich. „Vorher wusste ich nicht genau, was meine Heimat ist, Pakistan, wegen meines Vaters? Oder vielleicht Afrika, wo meine Mutter herkommt? Als ich nach Köln zog merkte ich, dass meine Heimat Norderstedt ist, ganz klar. Ich kenne dort alle Straßen. Wenn ich mich aufs Fahrrad setze und mir jemand sagt, er wohne da und da, komme ich hin, ohne genau zu wissen wo es ist. Nach Norderstedt zieht es mich immer wieder zurück. Ich vermisse die Franzbrötchen“, sagt er lachend. Er lebt am liebsten in Deutschland. Das ist sein Heimatland. Er arbeitet bei einer Sterilisationsfirma und leite drei Standorte mit fünfzehn Mitarbeitern. Shahab Ud-Din spricht im Interview über seinen Glauben, Religion und Frieden.

„Ich erhalte verletzende Dolchstöße in Form von permanentem Hass und Misstrauen mir gegenüber. Dazu gehört auch die ständige Suche meiner Mitmenschen nach einer Möglichkeit, mich zu denunzieren. Das ist passiert! Ohne Grund und ohne Beweise…“

Wann fing das Engagement in der Gemeinde an?
Ich war noch relativ jung. Es gab verschiedene Programme. Ab der siebten Klasse engagierten sich auch meine Freunde. Wir schrieben zu Hause etwas und erledigten kleinere Arbeiten. Mit der Zeit nahm die Verantwortung immer weiter zu.

Wie sah der Religionsunterricht in der Schule aus?
Ich konnte damals glaube ich, nicht entscheiden, ob ich daran teilnehme. Erst später konnte ich zwischen Religion und Philosophie wählen und stieg auf Philosophie um, weil der Religionsunterricht katholisch war. Meine Sohn wird nicht zum Religions-, sondern zum Ethikunterricht gehen.

Wie erlebtest du den Religionsunterricht?
Unsere Konfession ist offener als andere, weil wir sagen, dass alle Religionen im Kern die Wahrheit enthalten. Was viele Menschen daraus gemacht haben, entfernte sich von dieser Wahrheit. In der Oberstufe führte ich häufig Diskussionen mit meinem Religionslehrer, weil ich mich auch mit dem Christentum beschäftigte. Er hatte ganz schön zu kämpfen (lacht).

Wie viele Kinder gehörten damals dem muslimischen Glauben an?
Ich war relativ lange der einzige, selbst in der Oberstufe. Als wir nach Henstedt-Ulzburg zogen, war ich auch der einzige, der anders aussah.

Wie gingen deine Lehrer mit deinem Glauben um?
Da ich mich, als ich in der Oberstufe war, schon lange mit der Materie befasst hatte, konnten die Lehrer mir Fragen zu meiner Religion stellen. Es war sogar so, dass wenn im anderen Kurs etwas über den Islam unterrichtet wurde, Lehrer zu mir kamen, um es nochmal zu verifizieren und zu fragen, welche Quellen es gibt. Meine Eltern gaben mir von Anfang mit, dass ich mich mit meinem Glauben befassen und nicht blind glauben soll. Das half mir sehr.

„Die Andersgläubigen, Andersaussehenden und Andersdenkenden wurden zu einer Gefahr erhoben und diese Sichtweise war salonfähig.“

Gab es verbale Angriffe?
Einmal brachte ein Deutschlehrer im Unterricht einen Spruch gegen den Islam. Ich fragte ihn, woran er das festmache und ob er es belegen könne. Seine Reaktion war: Hätte ich gewusst, dass du hier bist, hätte ich das Thema gar nicht angerissen. Wir diskutieren dann und das war interessant. Es war von Vorteil, dass ich mich intensiv mit dem Islam beschäftigt hatte, Argumente einbringen und auf meinen Lehrer eingehen konnte.

Wie bringst du dich heutzutage in deiner Gemeinde ein?
Zur Zeit bin ich im Bundesvorstand unserer Jugendorganisation. Ich bin für das Ressort Wirtschaft und Handel zuständig. Außerdem leite ich die Jugendgruppe in Nordrhein-Westphalen. Das sind elf Jugendgemeinden mit circa 400 Jugendlichen, mit denen ich Sport- oder spirituelle Programme organisiere.

Was machst du da?
Unser primäres Ziel ist es, den Leuten zu ehrlicher Arbeit zu verhelfen. Wir unterstützen sie bei ihren Lebensläufen, bei der Arbeitssuche, führen verschiedene Business Coachings durch, in denen sie lernen, wie Excel, Word und Zeitmanagement funktionieren.

Was noch?
Wir haben einen Onlineshop, in dem wir die Kollektion unserer Gemeinde vertreiben. Ich leite und koordiniere das. Ich verbringe mehr Zeit mit der Gemeindearbeit als in meinem Job (lacht). Gestern war ich den ganzen Tag unterwegs. Samstags versorgen wir Obdachlose in Köln mit Essen. Mein Sohn ist immer dabei. Wenn er Mal nicht kann, ist er traurig. Er ist mit seinen sechs Jahren schon mittendrin. Unsere Zentrale hat ihren Sitz in Frankfurt, ich bin ein bis zwei Mal in der Woche dort. Das kostet alles viel Zeit. Letzten November war ich für eine humanitäre Mission zwei Wochen auf Madagaskar. Wir bauten medical camps in dörflich Regionen auf.

Wie finanziert ihr euch?
Wir sind weltweit circa 200 Millionen in unserer Gemeinde und finanzieren uns ausschließlich über Spenden. Wir nehmen keine staatlichen Gelder an. Fast alles, was passiert, wird ehrenamtlich gemacht. Mitarbeiter werden von Spendengeldern bezahlt.

„An die ewige Liebe zwischen Menschen glaube ich nicht. Die gibt es nur zu und von Gott. Die Liebe zwischen Menschen betrachte ich mathematisch.“

Warum lehnt ihr staatliche Gelder ab?
Wir wollen unabhängig bleiben. Wir sind eine rein spirituelle, religiöse Gemeinde. Wir kümmern wir uns nicht um politische und staatliche Angelegenheiten und wollen uns nicht einmischen. Nach unserem Verständnis bekommen wir alles, was wir brauchen, von Gott. Das Spenden ist somit für uns keine Frage der Finanzierung, sondern eine Möglichkeit, das eigene Einkommen zu bereinigen. Damit geben wir einen Teil dessen, den Gott uns schenkte, als Dank zurück.

Ist das mit dem Zehnt vergleichbar?
Das Spenden im Namen Gottes ist eine grundsätzliche Sache, die in jeder Religion verankert ist. Im Koran wird beschrieben, dass Gott fragt: Wer ist da, der mir einen Kredit gibt? Da stellt sich natürlich die Frage, wie man jemandem einen Kredit geben kann, dem schon alles gehört (lacht). Das Zehnt im Christentum ist eher für die Kirche gedacht, im Islam ist er beides. Wir haben den Willen, der Menschheit zu helfen. In Afrika bauten wir beispielsweise Schulen und Krankenhäuser auf.

In welchen Ländern unterhaltet ihr solche Projekte?
Wir sind Ghana und Nigeria sehr groß. In Sao Tomé und in Guatemala bauen wir gerade etwas auf, wie ein neues Krankenhaus. Auf Madagaskar planen wir etwas… In Pakistan finanzierten wir Geräte in einem Institute für Kardiologie, obwohl uns viele dort verunglimpfen und politisch gegen uns arbeiten. Diese Leute lassen sich trotzdem in unseren Krankenhäusern behandeln. Wir begegnen ihnen genauso wie allen anderen und sie bekommen zu hundert Prozent das, was sie brauchen. Wir halten das geheim, damit die Patienten keine Probleme bekommen.

Wie viel Geld gibst du konkret?
Ich gebe monatlich mindestens ein Zehntel meines Einkommens ab. Wenn man alles zusammenrechnet spende ich im Monat circa 20 Prozent meines Einkommens, das sind 15.000 Euro pro Jahr.

Was gebt ihr Gott noch?
Das Ehrenamt ist der Sauerstoff, den wir brauchen! Es ist ein Geben und Nehmen. Ich tue so viel wie geht für Gottes Gemeinde. Er revanchiert sich, indem er mir das Leben einfach macht und mir innere Zufriedenheit schenkt. […]

Transkription: Amélie Gloyer

Das vollständige Interview ist in meinem Buch Glaube, Liebe, Hoffnung zu lesen.

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  • Herausgeber ‏ : ‎ Anke Kühne (23. Oktober 2021)
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  • Hardcovereinband ‏ : ‎ 144 Seiten Hochglanz
  • Fadenbindung mit Kapitalband
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3000701257/ ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3000701252


Glaube, Liebe, Hoffnung

Ich wollte Profi-Boxer werden und ging nach New York

Damian Skrzypczak hatte einen Traum: Er wollte boxen. Mit 24 Jahren ging der gebürtige Pole für zwei Jahre nach New York und probierte sein Glück. Er stieg in den Ring und lernte viel. „Beim Boxen zählt nicht wo du herkommst. Es ist egal was du sonst noch so im Leben machst. Äußerlichkeiten spielen keine Rolle“, sagt er. Er ist fasziniert, dass alles möglich ist, unabhängig von dem was war, ist oder sein wird.
„In Amerika boxen Latinos und Schwarze. Als ich ins Gym kam, guckten sie mich alle erst mal an wie’n Auto“, erinnert sich Damian Skrzypczak und lacht. Sie sagten: „Ey Alter, du bist ja weiß!“ Und nannten ihn „Whitey“. Er machte Sparrings mit ihnen. Sie waren beeindruckt von seinem Boxstil. Das erste halbe Jahr in New York trainierte er ununterbrochen, da er keine Arbeitserlaubnis hatte und mit seiner Freundin bei ihren Eltern wohnte.

„Boxen war mein Talent. Es kam einfach so aus mir heraus. Heute fragen mich alle: Damian, warum ist nichts aus dir geworden? Es war Schicksal. Ich war zur falschen Zeit am falschen Ort…“

Dann arbeitete Damian Skrzypczak auf dem Bau. Er fuhr stundenlang durch New York. Morgens um fünf Uhr war er als einer der Ersten bei der Jobvergabe, um seine Gelegenheit zu bekommen. Er empfand es als fair, dass es nach dem Motto lief: Wer zuerst kommt, malt zuerst. „Wenn ich Pech hatte, bekam ich nichts und fuhr mittags unbezahlt wieder nach Hause“, sagt er. Auf dem Bau zu arbeiten sei etwas, das er gut kann. Die Männer dort brachten ihm fließend Englisch bei. Ein Afroamerikaner übernahm eine Art Vaterrolle für ihn. Er boxte auch. Er lernte viel von ihm, vor allem über das Leben. Sie sind heute noch befreundet.

Damian Skrzypczak in New York

Die Leute bei der Gewerkschaft hätten irgendwann gesehen: Der Junge kommt jeden Tag um fünf Uhr morgens zur Jobvergabe, er hat kein Auto und fährt mit der Bahn von Brooklyn nach Queens. Sie gaben ihm eine Chance. Er konnte in New York zur Schule gehen und diverse Lizenzen machen, die er für seine Arbeit brauchte, wie einen Gabelstapler- und Kompressorschein.
Doch die Arbeit machte ihn körperlich kaputt. Das merkte er auch beim Boxen. Die Sparrings waren kein Training mehr, sondern „eine richtige Schlägerei. Ein Trainer fragte mich: Warum hast du ihn nicht ausgeknockt? Ich sagte: Ich bin nicht fit und dachte, ich tue ihm einen Gefallen“. Während der zehn Jahre zuvor, lernte er beim Boxtraining gegenseitige Rücksichtnahme. Aber in Amerika wird härter geboxt. Jeder guckt nur auf sich selbst. Das merkt man vor allen Dingen beim Sparring. „Ob du einen Cut bekommst oder dir die Nase brichst und wie du anschließend ins Krankenhaus kommst, ist mir scheiß egal! Das ist die Einstellung“, sagt er. Viele würden es nicht kennen fair zu sein und ein Sportsmann. Die Härte beginne schon im Kindesalter. Die Kids trainieren mit den Erwachsenen mit. „Drei Minuten Training, dann klingelt die Uhr und es ist eine Minute Pause. In Deutschland haben die Kinder nur eine Minute trainiert und dann Pause gemacht, weil es sonst zu hart gewesen wäre. Aber New York ist Hard Knock Life“, sagt er.

Als Damian Skrzypczak Geld verdient, zieht er bei den Eltern seiner Freundin in Queens aus und mit ihr zusammen in eine Wohnung nach Brooklyn. Sie ist Amerikanerin und arbeitet als Hairstylistin. Die beiden lernten sich in London kennen. Er besuchte sie zweimal in New York, als er 22 und 23 Jahre alt ist, dann beschließt er spontan, der Liebe wegen, in die USA zu gehen. Damian Skrzypczak war auch neugierig auf Amerika und besonders auf New York. In Hamburg gibt er seine Wohnung, sein Zuhause und seine Freunde auf. Sein Umfeld reagierte geschockt. „Sie fragten mich: Wie, du gehst nach New York? Und ich antwortete: Tja, das Flugticket ist schon gekauft! Es war ein Sprung ins kalte Wasser. Aber das war gut so. Ich fahre gern allein in den Urlaub und habe kein Problem damit, mich in fremde Länder einzufinden und von Ausländern umgeben zu sein.“
Damian Skrzypczak guckte sich alles in Manhattan, Brooklyn und Queens an. War es so toll, cool und aufregend in New York, wie erträumt? „Ja! Absolut! Freiwillig hätte ich New York nie verlassen. Ich würde heute noch dort leben wollen“, schwärmt er.

Aber New York ist anstrengend. Die Menschenmassen und vor allen die Touristen nervten. „Geh mir aus dem Weg, ich will nach Hause“, dachte er ständig. Obwohl er Pole ist, vermisste er Deutschland, wo er zuletzt lebte. Er fuhr absichtlich ab und zu nach Chinatown, um dort zwischen den vielen Touristen, ein paar Brocken Deutsch aufzuschnappen. Jeden Sonntag fuhr er außerdem nach Greenpoint, einem Wohngebiet in Brooklyn, das hauptsächlich von einer polnischen Community bewohnt wird. Das polnische Essen linderte sein Heimweh. Freunde hatte Damian Skrzypczak bis auf den Afroamerikaner und seine Freundin keine. „Die New Yorker sind für sich. Es ist unglaublich schwer, dort Freunde zu finden. Das ist Hard Knock Life“, sagt er.
Das Leben in New York ist teuer. Wohnung, Essen und Bahntickets verschlingen alles. Das Geld ist immer knapp. „Viele Leute hängen auf der Straße, die ganzen Gangs. Ich habe mit denen öfter geschnackt. Sie fragten mich: Ey Whitey, wo gehst du denn immer mit deinen Boxhandschuhen hin? Ich sagte: Ich bin Boxer! Ich erzählte ihnen, in welchem Gym ich boxte. Sie meinten: Ah, kenn‘ ich! Sie wollten wissen, wie ich es in New York geschafft hatte. Von da an machten sie immer, wenn ich an ihnen vorbeijoggte, eine La-Ola-Welle“, sagt er lachend. „Ich fühlte mich als New Yorker.“
Doch die Liebe zerbrach. Und beim Boxtraining war Damian Skrzypczak komplett auf sich selbst gestellt. Der Traum vom Boxen platzte. Er beendete alles in New York. Seitdem war er nie wieder dort.

Die Wunde über seinen geplatzten Traum verheilte nie. „Es ist irgendwie immer etwas dazwischengekommen. Das tut bis heute weh“, sagt Damian Skrzypczak. Er boxte nie wieder, abgesehen von freundschaftlichen Sparrings. Aber er arbeitet auch heute noch seine alten Trainingspläne durch, um körperlich fit zu sein. „Der Reiz und der Hunger Boxer zu werden, war nach New York weg“, sagt er. Es sei trotzdem eine gute Erfahrung gewesen. Heute wäre es viel schwieriger in New York Arbeit zu bekommen, berichtet ihm sein afroamerikanischer Freund aus den USA. Selbst über die Gewerkschaft. New York ist zwar Multi-Kulti, aber Rassismus wäre trotzdem ein Thema. Ihm persönlich sei er jedoch nie begegnet. „Ich stand damals Sylvester in einer der schlechtesten Gegenden New Yorks vorm Liquor Store an, um Alc zu besorgen. Klar Mann, wir wollten feiern! Und die Leute laberten mich alle an, aber es war kein Problem. Aber vielleicht ziehen manche Leute es auch an, weil sie denken, oh man ich bin weiß. Oder sie glauben, dass die anderen denken, sie seien ein Nazi… Wer weiß? Vielleicht würde mir heute immer noch nichts passieren…“, überlegt er. Die meisten, denen er begegnet sei, wüssten selbst gar nicht, woher sie kommen, die kennen ihren Ursprung gar nicht. […]

Das vollständige Interview ist in meinem Buch Glaube, Liebe, Hoffnung zu lesen.

Direkt zu bestellen über mich für 24,90 Euro unter Angabe der Postadresse: https://www.paypal.com/paypalme/BookFaithLoveHope

  • Herausgeber ‏ : ‎ Anke Kühne (23. Oktober 2021)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Hardcovereinband ‏ : ‎ 144 Seiten Hochglanz
  • Fadenbindung mit Kapitalband
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3000701257/ ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3000701252

Oder über Amazon für 24,90 Euro + 3 Euro Versandkosten
sowie als Kidle-Edition für 9,99 Euro:
https://www.amazon.de/Glaube-Liebe-Hoffnung-Anke-K%C3%BChne/dp/3000701257

Glaube, Liebe, Hoffnung

Die Frau ist glücklich und stark, sie kann ein Kind mit Behinderung großziehen!

Eva-Maria Esken ist 42 Jahre alt und hat zwei Töchter. Ihr älteres, siebenjähriges Mädchen ist mehrfach schwerbehindert. Sie möchte sie in diesem Text Sophie genannt haben. „Es ist eine wahnsinnig große Liebe. Es gibt nichts Schöneres, als wenn sie morgens ihre Augen aufmacht, mich anguckt und strahlt. Ich kann von ihrem Gesicht ablesen: Mama! Oder wenn sie mich streichelt. Sie ist so ein Sonnenschein!“, erzählt Eva-Maria Esken.

„Ich find‘s blöd, dass uns alle fragen, ob wir es gewusst haben! Als ob wir uns sonst gegen Sophie entschieden hätten. Ich glaube an eine höhere Instanz, die sagte: Das Kind wird es gut bei uns haben!“

Sie selbst war die Jüngste von elf Kindern. Sie hatte sechs Brüder und vier Schwestern. Die Eltern waren katholisch und verhüteten aus religiösen Gründen nicht. Sie wurde in Adelsberg, in Bayern geboren. „Es ist ein 1000 Einwohnerdorf, mitten im Berg und der Main fließt hindurch. Es ist sehr idyllisch und echt schön“, sagt sie. Heute lebt sie mit ihrer Familie in Hamburg.
Sophie hat den sehr seltenen Gendefekt STXPB1. Es gibt nur ganz wenige, medizinische Veröffentlichungen und weltweit existieren nur ein paar Fälle. Es handelt sich um eine körperliche und geistige Behinderung, die mit Epilepsie einhergeht. Der Gendefekt ist seit 2013 bekannt. Sophie wurde 2011 geboren und ein Labor in Tübingen war neun Monate damit beschäftig, ihr Material auszuwerten. Es gibt es keine Heilungsmöglichkeiten. Es handelt sich um eine Spontanmutation, die jeden treffen kann. „Ich war bereits entlassen und wartete mit unserem Baby auf dem Arm auf meinen Mann, der das Auto holte“, erinnert sich Eva-Maria Esken. „Plötzlich hörte Sophie auf zu atmen. Ich bekam einen Schock. Die Ärzte wussten nicht, was los war.“ Im Universitätskrankenhaus Hamburg-Eppendorf (UKE) machten sie eine Kernspintomographie des Gehirns. Sie war unauffällig. Dennoch verschlechterte sich Sophies Zustand immer weiter. Schließlich wurde sie nach Göttingen verlegt.

Der Alltag der Eltern veränderte sich radikal. Ebenso wie die Beziehung des Paares. Eva-Maria Esken hatte das Gefühl, ihr Mann könne schlechter mit der Situation umgehen, als sie selbst. Manchmal denkt sie, das liege an ihrem katholischen Glauben. Außerdem arbeitete er den ganzen Tag, während sie zehn Stunden auf der Intensivstation verbrachte. Am Wochenende spürte sie seine ganze Verzweiflung.
Ihre jüngere Tochter Marie ist vier Jahre alt und vollkommen gesund. „Für unser zweites Kind ließen wir uns in der Humangenetik testen und beraten. Außerdem wussten wir, was Sophie hat. Die Chancen standen gut, ein gesundes zweites Kind zu bekommen!“, erklärt Eva-Maria Esken. Die Schwestern lieben sich sehr. „Anfangs waren wir uns nicht so sicher, ob Marie davon profitiert, dass sie eine große Schwester hat. Aber je älter sie werden, desto enger sind sie miteinander. Ich filme sie manchmal heimlich, wenn sie zusammen auf dem Teppich liegen und eine aus vollem Herzen lacht, während die andere kichert. Das ist herrlich.“, sagt Eva-Maria Esken.
Geplant war, dass sie nach der Geburt ihrer ersten Tochter wieder arbeitet. Doch da diese mehrfach schwerbehindert ist, kümmert sie sich jetzt um dessen Pflege.
Eva-Maria Esken spricht im Interview über die Liebe zu ihrer behinderten Tochter, ihrem zweiten gesunden Kind und ihrem Mann.

War von Anfang an klar, dass ihr gemeinsam Kinder haben wollt?
Nein! Mit Anfang 20 hätte ich nie ein Kind gewollt. Es war lange kein Thema. Ich wollte auf keinen Fall so viele Kinder, wie wir zu Hause waren (lacht)! Nach der Schule schloss ich eine Ausbildung zur Zahnarzthelferin ab und anschließend im Praxismanagement. Mein Mann ist Zahnarzt. Gemeinsam führten wir viele Jahre eine Praxis. Dann wollte ich reisen. Unsere Freunde bekamen mit Mitte 20 Kinder. Doch ich war nicht bereit dafür. Mein Mann äußerte sich nie dazu. Es war keine Beziehung in der wir sagten: Ich möchte ein Kind von dir. Wir fanden die Kinder anderer eher nervig. Wir hatten einen Hund und ein Haus. Das war ein schönes Leben! Wir träumten immer davon in Hamburg zu leben. Eines Tages erfüllten wir uns diesen Wunsch, verkauften unsere Praxis und das Haus in Bayern. Als mein Mann nach Sophies Geburt ein zweites Kind wollte, überraschte mich das.

Machte einer einen Heiratsantrag und falls ja, wie?
Wir waren ganz lange zusammen, als mein damaliger Freund plötzlich verletzt auf der Intensivstation lag. Es war klar, wenn ihm etwas zustößt, entscheiden seine Eltern. Das gab den Auslöser zu heiraten.

Was habt ihr zur Erfüllung eures Kinderwunsches auf euch genommen? Zwischendrin gab es eine Phase, als es bei meiner Freundin nicht klappte, da fragte ich mich, ob ich damit leben könnte? Ich beantwortete sie mit: ja. Ich habe so viele Interessen…

Wie beeinflussten die Geburten eure Liebe?
Jetzt denke ich, ein Leben ohne Kinder würde gar keinen Sinn machen (lacht). Aber wenn man es nicht anders kennt… Ich vermisse das Reisen nach wie vor! Ich sage NICHT, das brauche ich mit Kindern nicht mehr.

„Es wird immer weh tun, dass mein Lebenstraum geplatzt ist! Aber anstatt dies zu beweinen und einem gesunden Kind hinterher zu trauern, ist es besser, mich mit meinem behinderten Kind anzufreunden und die schönen Seiten zu sehen!“

Gibt es Vermutungen, wie es zu Sophies Behinderung kam?
Nein! Häufig ist es so, dass einer der Elternteile oder auch beide, Träger eines Gendefektes sind und diesen selbst nicht haben. Das Kind bekommt dann eine Behinderung, weil man sich normalerweise nicht testen lässt, bevor man schwanger wird. So sind viele Behinderungen zu erklären, aber bei uns war es nicht so.

Wie war es direkt nach Sophies Geburt?
Ich wollte niemanden sehen. Ich war tagsüber im Krankenhaus. Nachts pumpte ich Milch ab, damit Sophie sie am nächsten Tag trinken konnte. Das war wochenlang mein Rhythmus. Ich hatte keine Hilfe, meine Mutter war total überfordert. Sie verlor ihr siebtes Kind, als es ein halbes Jahr alt war…

Was war das Schlimmste?
Wenn die Ärzte Sophie einen Zugang legten. Sie war so zerstochen, dass es irgendwann nur noch im Kopf ging. Sie schrie und ich musste sie festhalten. Ich konnte es kaum aushalten und hätte am liebsten gebrüllt: „Lasst sie doch einfach in Ruhe“. Sie hatte Blitz-Nick-Salaam-Anfälle, das sind sogenannte BNS-Anfälle. Es handelt sich um epileptische Anfälle, die das Gehirn der Kinder schädigen, sodass sie kognitiv nichts mehr lernen können. Davor hatten wir am meisten Angst. Es war schwierig, Sophie medikamentös einzustellen. So war sie altersgemäß in der Lage Blickkontakt aufzubauen und nach den Anfällen ging nichts mehr… Sie bekam ein starkes Narkosemittel. Vorher krampfte sie ohne Ende, schlief kaum noch…

Machten euch die Ärzte Hoffnungen?
Nee! Es gab einen Professor der sagte: Sophie ist geistig und körperlich behindert, sie wird nie laufen können. Da brach für mich eine Welt zusammen. Irgendwann kam der Moment, als ich dachte, falls jetzt eine Fee käme und mich fragte, ob ich mir wünsche, dass sie laufen oder sprechen kann, sage ich: sprechen! Damit man sie besser verstehen kann.

Sprechen ist aber an die geistige Behinderung gekoppelt?
Ja, ich wünsche mir, dass sie einen Weg findet, um mit anderen zu kommunizieren. Ich verstehe sie blind (weint). Aber wenn ich nicht mehr bin, wird sie an Menschen geraten, die sie nicht so verstehen können oder wollen…

Ihr könnt euch nur über den Blickkontakt komplett verständigen?
Ja und nicht nur das. Sie schmatzt, wenn sie Hunger hat. Wenn sie etwas nicht mag, macht sie den Mund zu. Wenn sie Durst hat, leckt sie sich die Lippen. Wenn sie müde ist, dreht sie sich weg. Wenn ihr etwas zu viel ist, meckert sie und macht äh, äh…

Kann das noch jemand verstehen?
Ich habe zu Sophie eine ganz andere Verbindung als mein Mann. Vielleicht liegt es daran, dass ich sie schon im Bauch hatte. Mit Sicherheit auch daran, dass wir zusammen so viel durchmachten. Wenn es Sophie nicht gut geht, kann ich nicht schlafen und nicht essen. Marie und meinen Mann kann ich dann gar nicht um mich haben…

Gab es Zweifel?
Ich habe nie dran gezweifelt, dass ich dieses Kind will! Es tut mir deshalb so unendlich weh, wenn mich die Leute fragen: Habt ihr es gewusst? Es hätte nichts an unserer Entscheidung geändert. Die Menschen um uns herum sehen nur: Oh mein Gott ist das Kind eingeschränkt. Ich sehe meine Tochter nicht so. Klar, ist sie eingeschränkt. Aber ich kenne Kinder, da denke ich, wir haben noch Glück gehabt mit unserer Sophie. Sie kann sitzen, sie kann essen, sie bekommt viel mit, auch wenn sie sich nicht äußern kann. Ich nahm den Ärzten und Therapeuten immer richtig übel, wenn sie mir vorhielten, was mein Kind alles nicht kann. Ich sah schon immer, was mein Kind kann. Wenn Sophie die Finger aneinander nimmt, ist das ein Fest. Dann könnte ich Freudensprünge machen (weint). Sie macht immer noch stetig kleine Fortschritte. Es gibt auch immer wieder Rückschritte. Teilweise bleibt es dann dabei. Es gibt nicht mehr so viele Fortschritte wie noch vor zwei Jahren…

Sind eure Töchter Geschenke Gottes?
Manchmal denke ich, dass ich Sophie bekam, weil jemand wusste, dass sie es gut bei uns hat. Als ob jemand sagte: Eva kann das bewältigen, sie kann ein behindertes Kind bekommen. Bei ihr ist Sophie gut aufgehoben

Wer oder was half?
Ich erhielt am Anfang eine Karte einer Mutter, die auch ein behindertes Kind hat. Darauf stand die Geschichte von Emily Perl Kingsley. Sie hat ein Kind mit Down Syndrom. In Die Reise nach Holland schreibt sie, wie es ist, mit einem behinderten Kind zu leben. Sie vergleicht sei mit einer Reise. Alle wollen nach Italien. Wegen der Dolce Vita, des schönen Wetters, des Meeres… Sie bereiten sich mit Reiseführern und Sprachkursen darauf vor. Nach Monaten des Wartens geht es endlich los. Alle steigen in das Flugzeug. Nach ein paar Stunden landet es und die Stewardessen sagen: Willkommen in Holland! Du fragst dich: wieso Holland? Ich wollte doch nach Italien! Die Stewardessen sagen: Nee, es gab eine Planänderung, du musst jetzt hier bleiben. Du überlegst, ok, Holland ist kein Land, das dich in große Nöte bringt. Es gibt auch schöne Seiten. Du wirst nie in Italien sein, wo alle hinwollen. Das wird dir immer weh tun, weil dein Lebenstraum geplatzt ist. Aber anstatt dies dein Leben lang zu beweinen, ist es besser, neue Reiseführer zu kaufen und eine andere Sprache zu lernen. Und irgendwann siehst du, wie schön Holland ist: Es gibt Tulpen und Windräder, Gemälde und Museen. Immer wenn ich geknickt war, dachte ich daran.

Was hoffst du für Sophies Schulzeit?
Dass sie weiter gerne zur Schule geht.

Wie lange wird sie zur Schule gehen?
Bis sie 18 Jahre alt ist.

Hat Sophie eine unbeschwerte Kindheit?
Ja, aber einfach ist das nicht. Wenn wir rausgehen, dann nerven die Gaffer tierisch! Die, die uns anlachen oder auch die, die Fragen stellen, sind ok.

Erzwingt Marie, als nicht behindertes Kind, einen normaleren Alltag?
Ja, hat sie! Das Schöne ist natürlich, dass Marie die ganzen Entwicklungsschritte macht, die Meilensteine eines Kindes. Ich bereute zu keinem Zeitpunkt, ein zweites Kind bekommen zu haben. Am Anfang, als Marie ein Baby war, nahm Sophie keine Notiz von ihr. Aber je mehr Marie machen konnte, je mehr sie zu Sophie hingegangen ist, war sie begeistert von ihr.

Wie äußert sich das?
Wenn Sophie morgens aufwacht, wartet sie schon auf Marie. Sie lacht und freut sich, wenn sie da ist. Dann packt sie sie am Haarschopf. Marie macht dauernd irgendwelche Witze mit ihr. Sie bespaßt sie und Sophie lacht sich kaputt.

Wie funktioniert die Verständigung zwischen Sophie und Marie?
Ich glaube, irgendwann wird Marie Sophie mehr lesen können als mein Mann. Weil sie so eng miteinander sind. Sie weiß jetzt schon, was sie Sophie wann in welche Hand geben kann und was nicht. Oder sie kommt zu mir und sagt, Sophie hat in die Windel gemacht, wir müssen ihr eine neue anziehen. Sie ist manchmal wie so eine kleine Mutti. Marie will sie füttern. Und Sophie findet es toll!

„Wenn sie als Baby einen epileptischen Anfall hatte und ihr Körperchen krampfte, wusste ich nicht, ob sie da rauskommt oder drin bleibt und stirbt.“

Klappt das?
Marie macht es perfekt! Gestern waren wir beim Arzt, da hatte Sophie eine Untersuchung, bei der sie den Kopf stillhalten muss. Ich lobe Sophie immer, sie mag das gerne. Als wir wieder im Auto saßen, nahm Marie, die Hand ihrer großen Schwester und sagte: Sophie, das hast du toll gemacht! Ich sah es im Rückspiegel.

Also hilft sie immer?
Ja, das fällt auch anderen auf! Ich bekomme ganz oft gesagt, wie toll Marie zu Sophie ist. Ich hoffe das bleibt so.

Welche Befürchtungen gibt es?
In meinem Bekanntenkreis kenne ich es auch anders! Das sind allerdings Zwillinge. Das Mädchen ist nicht behindert, der Junge ist behindert. Bei Marie ist es immer noch so, dass Sophie die große Schwester ist. Auch wenn sie weiß, dass Sophie vieles nicht kann. Das sagt sie auch im Kindergarten so. Sie erzählt Sophie ist behindert und kann nicht laufen und sprechen. Aber Behinderte haben ihre Geheimsprache. Sie geht ganz offen damit um.

Gibt es Tabus?
Über die Epilepsie sprechen wir noch nicht, weil das zu komplex ist und ich sie mit vier Jahren noch zu klein dafür finde. Falls Sophie mal einen Anfall hat und Marie fragt, sage ich, dass Sophie ein Gewitter im Kopf hat.

Nutzt Marie Situationen für sich?
Natürlich! Zum Beispiel, wenn sie Süßigkeiten will, die Sophie gehören. Dann sagt sie, Sophie ist einverstanden.

Was ist noch anders?
Ich sage öfter mal zu Marie: Nee, ich kann jetzt gerade nicht. Dafür gehe ich nur mit Marie allein zum Schwimmen und zum Reiten. Ich möchte nicht, dass sie später denkt, Mama hatte nie Zeit für mich, wegen meiner behinderten Schwester. Deshalb sage ich: Ich kann im Moment nicht, bin aber gleich bei dir. Ich will nicht, dass Marie irgendwann denkt, sie musste immer Rücksicht nehmen.

Das vollständige Interview ist in meinem Buch Glaube, Liebe, Hoffnung zu lesen.

Direkt zu bestellen über mich für 24,90 Euro unter Angabe der Postadresse: https://www.paypal.com/paypalme/BookFaithLoveHope

  • Herausgeber ‏ : ‎ Anke Kühne (23. Oktober 2021)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Hardcovereinband ‏ : ‎ 144 Seiten Hochglanz
  • Fadenbindung mit Kapitalband
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3000701257/ ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3000701252

Oder über Amazon für 24,90 Euro + 3 Euro Versandkosten
sowie als Kidle-Edition für 9,99 Euro:
https://www.amazon.de/Glaube-Liebe-Hoffnung-Anke-K%C3%BChne/dp/3000701257

Glaube, Liebe, Hoffnung

Buddha sagte: Glaubt mir nicht, überprüft es!

Entweder-oder ist Glaubensreligion. Entweder du glaubst an meinen Gott oder du bist etwas anderes. Im Buddhismus kannst du sowohl als Buddhist, als auch als Atheist, Moslem, Jude oder Christ ein guter Mensch sein!“

Christian Böhner fühlte mit 17 Jahren die Anlage zum Erleuchtet sein in sich. „Es war so, als wäre direkt vor meinen Augen ein Sylvester-Feuerwerk losgegangen!“, berichtet er. Heute lebt der 54-Jährige im Buddhistischen Zentrum Hamburg. Dabei wuchs er zunächst katholisch in Bad Pyrmont, in Niedersachsen auf. Seine Eltern, seine beiden jüngeren Brüder und er selbst, waren bis zu seinem zwölften Lebensjahr katholisch aktiv. „Zwei Familienmitglieder waren Franziskanermönche. Einer musste vor den Nazis fliehen, er war Professor. In New York gründete und führte er die Franziskaner Abtei mit. Er kam nie wieder nach Deutschland zurück“, erinnert er sich. Der andere Großonkel lebte bis zu seinem Tod in Padderborn, in einem katholischen Kloster. „Als meine Mutter sich von meinem Vater trennte und ihr neuer Mann atheistisch unterwegs war, war’s vorbei mit dem christlichen Glauben bei uns“, erzählt Christian Böhner.
Er machte sein Abitur, anschließend den Zivildienst im Krankenhaus und studierte an der Universität Geschichte, Sport und Pädagogik. „Ich stieg Anfang der 1990er Jahre in die Medienbranche ein, zur Goldgräber-Zeit. Damals war Hamburg die Medienhauptstadt Deutschlands“, sagt er. Als Verlags- und Werbekaufmann ist er heute im Bereich der Special-Interest- und Out-of-Home-Medien tätig.
Er hat drei Kinder, 24, elf und acht Jahre alt. „Meine beiden jüngeren Kinder leben bei ihrer Mutter, gegenüber, auf der anderen Straßenseite. Sie haben ihr eigenes Zimmer in meiner Wohnung und sind regelmäßig bei mir. Wir verbringen sehr viel Zeit miteinander“, schwärmt er. Seine älteste Tochter mache komplett ihr eigenes Ding, sie wohnt aber auch nur zwei Straßen weiter. „Die Kinder wachsen nicht automatisch mit buddhistischen Gebräuchen auf, sondern so, dass sie mitkriegen, dass ihre Eltern Buddhisten sind“, erklärt Christian Böhner.
Er reiste um die Welt und behielt doch immer eine Verbindung zu Hamburg. Er kam zurück, obwohl er eine Zeitlang in Berlin und im Allgäu arbeitete. Er sei Norddeutscher und fühle sich an der Nord- und Ostsee wohl. Auch in Dänemark, dort habe er Freunde, die meisten von ihnen in Kopenhagen. Aber letztendlich sei die stärkste Verbindung, die zu seinem Selbst. „Der Witz ist, dass man trotzdem nicht zum Neutrum wird. Es ist ein Sowohl-als-auch“, erklärt er. Christian Böhmer spricht über seinen buddhistischen Glauben.


Gab es als Kind einen Glauben an Gott?
Ich wusste nie so richtig… Wie sieht der aus? Wer ist dieser Gott? Ich habe keine Stimmen gehört…Ich fand Jesus faszinierend und das finde ich auch heute noch. Ich glaube, er war ein hoher Bodhisattwa, der leider viel zu kurz lehrte. Er sagte garantiert nicht, wie Buddha: „Alles was ich weiß, habe ich euch gelehrt und an euch weitergegeben.“

„Ich erhielt als Kind die Erstkommunion und war Messdiener. Wir gingen jeden Sonntag in die Kirche.“

Wann war klar: Ich bin Buddhist?
Seit 1993, also seit fast 30 Jahren…

Wie kam es zum Buddhismus?
Ich kam in der Schule dazu. Mit vielen Mitschülern. Durch unseren Lehrer. Wir machten Projektreisen. Und regelmäßig in der zweiten großen Pause, hielt er Meditationsstunden ab. Rund jeder zehnte Schüler unserer Oberstufe nahm daran teil. Viele davon nahmen die Zuflucht. Aber nicht alle gingen diesen Weg auch weiter, mit täglicher Praxis oder wohnen gar, wie ich, in einem buddhistischen Zentrum. Trotzdem treffen wir uns heute noch.

Die Zuflucht ist das Ritual, ab dem man gläubiger Buddhist ist? Das ist das Ritual, ja. Gläubig ist man damit nicht unbedingt. Der Buddhismus ist ein Weg, der zu geistiger Freiheit führt. Du fängst an zu meditieren und merkst, wie beim Gleichnis mit den Wolken, dass sie sich ein bisschen auflösen, dass die Sonne anfängt zu strahlen. Du merkst, wie du stabiler wirst und dann bekommt es eine Eigendynamik! Dann macht meditieren Spaß! Wir beten keinen Buddha an, wir erhoffen uns keine Absolution. Alle Lehrer gingen diesen Weg selbst. Mit ihnen kann der Schüler arbeiten. Und am Ende ist es Überpersönlich.

Waren Sprachen für den Buddhismus zu lernen? Nee, musste ich nicht! Zum Glück… Lama Ole hat es gemacht wie sein historisches Vorbild Marpa. Der war Tibeter und holte den Buddhismus aus Indien. Sein Beiname war „Der Übersetzer“. Lama Ole und seine Frau Hannah, die hervorragend Tibetisch und Sanskrit konnte, haben die Belehrungen übersetzt. Die Meditationen sind auf Deutsch.

Mal in Tibet gewesen?
Nein! Nicht in diesem Leben.

Gibt es in Deutschland die Möglichkeit ein Leben als buddhistischer Mönch zu führen?
Kaum. Es gibt kleinere Gruppen. In Tibet gibt es vier Hauptgruppen und sehr, sehr viele Unterschulen, die über die Jahrhunderte gewachsen sind. Und davon gibt’s auch in Deutschland kleine Gruppen. Da sind Mönche dabei, aber das sind sehr wenige! In Frankreich sind es ein bisschen mehr. Da gibt es richtige Klöster. Dort haben sich Franzosen und auch ein paar Deutsche, als Mönche und Nonnen ordinieren lassen. Sie lernen Sanskrit und Tibetisch.

Mal in so einem Kloster gewesen?
In so einem traditionellen nicht. Wir haben in Norddeutschland und dem südlichen Dänemark fünf Zurückziehungsstellen, in denen man immer mal für ein paar Tage oder eine Woche nur meditieren kann. Das ist dann sehr intensiv.

Was ist die größte Stärke des Buddhismus?
Selbstverwirklichung, bis hin zu echter, geistiger Freiheit. Kein Zentrum, kein Lama will dich in Abhängigkeit sehen. Lama Ole erzählte, er möchte, dass auf seinem Grabstein steht, er habe die Leute selbstständig gemacht. Und das war auch Buddhas Ansinnen. Er hat 45 Jahre gelehrt. Dann sagte er: „Jetzt glaubt es mir nicht nur, weil es ein Buddha sagte, sondern überprüft es durch eure eigene Erfahrung! Ihr seid euer eigener Herr. Nehmt es an und macht es zu eurem eigenen Weg.“ Buddha lebte als Bettelmönch. Aber er sagte: „Denkt nur nicht, wenn ihr mit der Reisschale unterwegs seid, eure Haare kurzgeschoren tragt und euch ein gelbrotes Tuch umwickelt, dann seid ihr auf dem richtigen Weg!“ Nein, es ist eine innere Ebene, nur um die geht es. Und um das sehr, sehr Echte. In Tibet sagt man zu den Mönchen, die in den Bergen leben, die Verwirklichung muss so hart sein, wie Knochen auf Stein. Sonst schickt dich der Lehrer zurück in die Höhle und sagt, mach doch noch mal drei Jahre. Und dann sehen wir uns wieder (lacht).

„Der Buddhismus ist wie eine Kristallkugel: wenn er in Indien glatt und schwarz in die Kugel gelangt, kommt er in Tibet gewebt und weiß hervor. Im Westen ist er plötzlich bunt und in einer Teppichfaserstruktur. Aber die Kugel an sich, in ihrer Essenz, ist immer dieselbe.“

Ist der Buddhismus, dadurch, dass es sich um eine innere Haltung handelt, reformfähiger, als das Christen- oder Judentum?
Dadurch, dass er nicht so dogmatisch ist, wie Glaubensreligionen, auf jeden Fall! Der Buddhismus hat sich immer verändert. Er vermischt sich mit den örtlichen Gegebenheiten und hat dadurch immer andere Formen. Aber damit hat der Buddhismus überhaupt kein Problem. Es gibt einen indischen, einen chinesischen, einen tibetischen, einen sri-lankischen, einen afghanischen, einen pakistanischen Buddhismus… Afghanistan und Pakistan waren buddhistische Länder, bis zur islamischen Eroberung, die alles platt gemacht hat. Da kommt Dogmatismus ins Spiel. Schlimm!

Das vollständige Interview ist in meinem Buch Glaube, Liebe, Hoffnung erschienen.

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  • Herausgeber ‏ : ‎ Anke Kühne (23. Oktober 2021)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
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  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3000701257/ ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3000701252

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