Kindermund tut Wahrheit kund…

…und ist allein unterwegs!

Sie hegen Mordgelüste! Nachdem meine Kinder monatelang nicht in Schule, Kindergarten, beim Sport, bei Freunden oder auf Spielplätzen waren, wollen sie sich gegenseitig umbringen. Wer könnte es ihnen verübeln? Auch ich habe so meine Phantasien…
In den Augen meines Jüngsten sehe ich ein gefährliches Funkeln, als er einen Hammer wie eine Axt über seinem Kopf hält, vor ihm der Blondschopf seines Bruders. Danke, ja, ich weiß, dass Hammer nicht in Kinderhände gehören! Aber jüngst geschehen die unerklärlichsten Dinge… Kurz darauf schneidet das vermeintlich sanftmütigere Kind, welches nur knapp dem Anschlag entging, Rosen. Nein, auch dafür habe ich keine vernünftige Erklärung. Es dreht sich mit der Gartenschere in der Hand scharf nach rechts, um sich dem Durchtrennen der Finger seiner Schwester zu widmen. Meine vernünftige große Tochter klettert nach dem Schock entspannt im Trapez. Plötzlich tritt sie, wie eine Ninja-Kämpferin, beiden Brüdern gleichzeitig in den Bauch. Ich muss die Kinder konsequent trennen! Sonst ist es nur noch eine Frage der Zeit, falls es eines erwischt!
Zunächst erkunden wir Hamburgs Umgebung. Es ist erstaunlich, was für tolle Wälder es gibt. In Hamburg geboren und aufgewachsen, sind sie mir fremd! Es riecht wie in Schweden. Es sieht aus wie in Kanada. Sie müssen neu gewachsenen sein! Ich vermute, diesen Frühling…

An einen gemeinsamen Urlaub ist diesen Sommer nicht zu denken! Ich fahre mit meinem Blondschopf nach St. Peter-Ording und er ist wie ausgewechselt: friedlich, glücklich und kuschelig. Wir schmusen den ganzen Tag, schlemmen ständig auf unserem Balkon oder im Restaurant, malen und spielen Schokohexe. Wüsste ich es nicht besser, meinte ich, es sei ein anderes Kind. Ich bin ganz verliebt in meinen Kleinen.
Mein Mann wählt die Abenteuervariante mit Übernachten im Strandkorb für unsere Große. Sie fahren mit Rädern auf die Fähre nach Föhr und machen ihre erste kleine Radtour ans andere Ende der Insel. Sie müssen mit dem klar kommen, was auf den Gepäckträger passt. Es ist ein großes Abenteuer für meine plötzlich noch mal ganz kleine Tochter. Sie schlafen direkt unterm Sternenhimmel, sehen die Milchstraße, Sternschnuppen und einen Kometen. „Papa, darf man sich wirklich bei jeder Sternschnuppe etwas wünschen?“, fragt sie verlegen. Sie sehen Fledermäuse in ganz klein und ganz groß und kuscheln sich tief in ihren Schlafsack.
Im Urlaub mit meinem Jüngsten an der Ostsee, erlebe ich ihn unkonzentriert, ungeduldig und schnell aggressiv werdend. Wir kommen am besten erstmal an! Ich staune, wie ausdauernd er Rad fährt. Dazu kommt es normalerweise nicht, weil seine Schwester und sein Bruder nicht so lange durchhalten. Ohne Tränen steht er sofort wieder auf, wenn er stürzt. Da sein Bruder die größte Heulboje ist, die mir je begegnete und mein Augenmerk normalerweise dem Ausschalten der Sirene gilt, fällt es mir sonst nicht groß auf. Am zweiten Tag ist mein Lütter laut, rüpelig und überhört jedes Stopp, ich bin genervt. Wie mutig mein Kleiner im Allgemeinen alles angeht, ist mir zwar bekannt, allerdings habe ich meist im Fokus, dass seine Geschwister ihn immer vorschicken. Ich finde das sonst gemein. Im Restaurant winkt er nun den Kellner heran und fragt formvollendet: „Kann ich bitte noch etwas Ketchup bekommen?“ Mein Herz geht auf. Tags darauf wieder Rückschläge: nichts ist ihm recht, wir streiten ständig, er trotzt: „Ich will zu Papa, sofort!“ Ist dieser kleine Wutkopf wirklich mein Kind? Ich bin kurz davor, überstürzt abzureisen. Als wir auschecken wollen, sagt uns der freundliche junge Mann am Empfang: „Ihr habt aber noch eine Nacht!“ Es muss nicht harmonisch, perfekt und erholsam sein, muntere ich mich auf. Dass wir uns ziemlich weit von diesem Idealzustand entfernt befinden, verschweige ich mir lieber. Hauptsache wir verbringen Zeit miteinander. Am anderen Morgen ist mein Jüngster wie ausgewechselt. Wir gehen schon vorm Frühstück schwimmen, scherzen den ganzen Tag und bauen eine so schöne Sandburg, dass uns andere Kinder fragen, ob sie mitspielen können. Mein Lütter zeigt sich gönnerhaft. Ich denke: Alles braucht seine Zeit und gut, dass mal nur wir beide allein unterwegs sind!

Ich hätte mir schönere Umstände. gewünscht, die zu unserem Experiment führten. Aber ich kann jedem mit mehreren Kindern nur empfehlen, mal nur mit einem zu verreisen! Es ist erstaunlich, wie erholsam es sein kann oder wie frisch verliebt man in das eigene Kind ist und welche ganz neunen Seiten man auf einmal entdeckt, auch an sich selbst. In diesem Sinne: Ahoi und auf in neue Gewässer!

Kindermund tut Wahrheit kund…

… und wünscht eine schöne Bescherung!

Schwarz-Weiß-Fotografie: Elfriede Liebenow

„Zum Christkind kannst du auch Jesuskind sagen, Mama! Ich glaube, das ist sein zweiter Vorname, so wie ich Matilda mit zweitem Namen heiße“, sagt meine Tochter ganz aufgeregt.
Ein Freund fragt mich wenig später, ob uns das Christkind oder der Weihnachtsmann die Geschenke bringe. Er ist katholisch und bezeichnet sich nicht nur als religiös, sondern behauptet, einen besonders guten Draht zu Gott zu haben! Noch bevor ich antworte, erklärt er mir den Hintergrund seiner Frage genauer. Ihnen bringe das Christkind die Geschenke, aber nicht nur, weil er aus einer Region Deutschlands stamme, in der dies Tradition ist. Das Christkind sei viel edler als der Weihnachtsmann. Ich staune! Unbestritten spielt das Christkind in einer anderen Liga, als der Weihnachtsmann. Aber dass, der edle Christus dafür herhalten muss, Kleidung, Spielwaren und Süßigkeiten zu bringen, finde selbst ich, ohne Glauben an Gott und nur mit protestantischem Erziehungshintergrund ausgerüstet – dekadent!
Wir feiern jährlich mit unseren drei Kindern Heiligabend den 2000-und-xten Geburtstag des Jesuskindes. Unsere Tochter erklärt mir das: „Das Christkind war der liebste Mensch, den es jemals gab. Und daher erinnern wir uns noch heute an es und nehmen es uns zum Vorbild.“ Das Jesuskind habe „Zauberkräfte“, ergänzt ihr kleiner Bruder. „Daher kann es Herzenswünsche erfüllen.“ Das seien Träume, die man nicht kaufen kann. „Christus war arm und hat sich aus Dingen nichts gemacht“, sagt meine Kleine. Darum habe er alles mit anderen armen Menschen geteilt. „So wie der heilige Martin seinen Mantel mit dem armen Bettler teilte, der sonst erfroren wäre. Aber das Christkind hat immerzu geteilt, Mama! Ständig, fast jede Stunde, glaube ich. So lieb war das, Mama! Das können wir uns gar nicht vorstellen!“, die blauen Augen meiner Tochter funkeln. Und deshalb wolle das Jesuskind, dass wir uns an seinem Geburtstag auch freuen und will uns was schenken. „Und der Weihnachtsmann Mama, der verteilt die Mitgebseltüten“, ergänzt sie. Ich komme aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Unsere Lütte singt das vierte Jahr im Kirchenchor und gibt einen Engel beim Krippenspiel an Heilig Abend. So erkläre ich mir ihre Jesus-Vorstellungen. Aber das mit dem Weihnachtsmann und den Mitgebseltüten habe ich noch nie gehört. Ich frage nach. Das Christkind würde sich bei uns dafür bedanken, dass wir ihm so einen schönen Blumenstrauss an Weihnachten schenken – den Weihnachtsbaum. Und dass wir so leckere Geburtstagskuchen gebacken haben – die Plätzchen. Dass wir Geburtstagskerzen anzünden, am Weihnachtsbaum. Uns schön anziehen und in Gottes Haus, der Kirche, seine Geburtstagslieder singen. „Und zum Schluss gibt es Mitgebsel. Und die kann es ja nicht alle selber tragen. Dafür braucht es einen starken Mann. Das ist der Weihnachtsmann. Der packt alle Geschenke in einen großen Sack. Sonst würden sie, wenn er eine Kurve fliegt, vom Schlitten fallen. Dann verteilt der Weihnachtsmann sie an die Kinder. Das Jesuskind braucht viele starke Männer, weil Kinder auf der ganzen Welt Mitgebsel bekommen. Aber das Christkind ist wie Gott und kann überall gleichzeitig auf der Welt Wünsche erfüllen. Und weißt Du warum wir den Weihnachtsmännern nie begegnen, wenn sie die Geschenke bringen?“, fragt mich meine Kleine aufgeregt. Oha, ich befürchte sie könnte uns entlarvt haben und bringe nur zögerlich „Na, warum denn nicht?“, hervor. „Das ist, weil sie von den Engeln einen Tipp bekommen. Mama, so wie im Hotel das Zimmer immer gereinigt wird, wenn wir nicht da sind und alles schön ist, wenn wir zurückkommen!“ Puh, da habe ich für dieses Jahr ja noch mal Glück gehabt. Wobei ich die These vertrete, dass Kinder, die an den Weihnachtsmann glauben wollen, es auch tun. „Mama, ich möchte auch mal so ein lieber Mensch werden, wie das Jesuskind! Deshalb, teile ich auch alle meine Süßigkeiten mit euch. Warme Mäntel habt ihr ja. Und meine kleinen Brüder dürfen mit meinen Geschenken spielen, obwohl die eigentlich erst ab sechs Jahren sind“.
Gut, dass mir meine Tochter Weihnachten erklärt hat. Ich wünsche allen die Erfüllung ihrer Herzenswünsche!

Kindermund tut Wahrheit kund…

…oder macht Musik

„Ich will auch im Schulchor singen!“, verkündet meine Tochter. Und zwar auf die energische Art. Ich fühle mich nicht gut dabei, denn sie ist zu dem Zeitpunkt erst drei Jahre alt. Wir sahen ein Krippenspiel und die Kinder haben wirklich toll gesungen! Ich erkläre ihr, dass alle Kinder mindestens sechs Jahre alt sind. Meine Kleine muss sich also noch ein paar Jahre gedulden. Davon will mein Dickkopf nichts wissen und quengelt fortan: „Mama, bitte, bitte, bitte, frag doch mal!“ Ich spreche mit der Chorleiterin und: Überraschung, mit vier Jahren kann sie mitsingen! Sie spielt einen kleinen Engel, ohne Text-Rolle. Nach der Aufführung verkündet sie: „Mama, ich will Klavier spielen!“ Oh nein, denke ich.
Zum guten Ton der Bildungsbürger gehört eine musikalische Ausbildung. Das beginnt mit drei Monaten, indem Klangschalen den Kurs zur Babymassage begleiten. Meiner Tochter war das alles zu viel. Sie äußerte es mit lautem Protestgeschrei. Weiter geht’s mit dem Musikgarten im Kleinkindalter. Parallel zur Vorschulzeit kommt dann endlich das ersehnte erste Instrument: Flöte oder Klavier, seltener auch Geige! Zu diesem Zeitpunkt haben es die fleißigen Eltern geschafft.
Da die Hände meiner Tochter zum Klavier spielen zu klein sind, startet sie mit der Flöte. Wir machen eine Mama-Tochter-Stunde daraus. Und obwohl ich seit der ersten Klasse keine Flöte mehr in der Hand hielt und sie absolut nicht zu den Instrumenten meiner Wahl zählt, macht es mir richtig Spaß! Meine Kleine versucht ihren Vater ebenfalls zum Musizieren zu bewegen. Als er wegen einer Verletzung eine verbundene Hand hat, sagt sie: „Ich glaube Papa, sie haben dir nur den einen Finger verbunden, damit du flöten kannst!“
Meine Jungs sind längst nicht so musikalisch wie ihre große Schwester. Aber sie lieben es, wenn sie singt und klopfen dazu im Takt mit der Gabel auf Tisch und Töpfe.
Ich besuche mit meiner Kleinen auch Kinderkonzerte. Bislang bestreikte ich die völlig überteuerte und fehl geplante Elbphilharmonie. Dessen Finanzierung hatte das Einstampfen zahlloser sozialer Projekte in Hamburg zur Folge. Ich höre mir zusammen mit meiner Tochter zum ersten Mal ein Konzert dort an. Wow, ich bin beeindruckt! Von Architektur, Darstellern, Musik und dem künstlerischen Gefühl, das sie mit allem verströmt! Ich wusste schon, warum ich aus Protest nach der Eröffnung nicht hin ging! Einmal dort gewesen, kannst du dich dem Charme der Elphi einfach nicht entziehen! Meine Kleine sagt: „Mama, es ist sooooo schön! Wann gehen wir wieder in die Elphi?“

Kindermund tut Wahrheit kund oder…

…rettet die Welt

„Aber wieso verhungern und verdursten Kinder? Mama, wieso, es gibt doch so viel im Supermarkt!“, meine Tochter schaut mich verzweifelt und wütend an. Wir haben drei Patenschaften in Afrika über SOS-Kinderdorf und Plan International: Zabagire in Mozambique, Agnes in Ruanda und Sumaya in Somalia. Diese Mädchen schreiben, malen oder schicken uns Fotos von sich, ihrer Familie und ihrer Schule. Meine Kinder und ich schauen uns das an und reden darüber. Sicher, das Leid der Welt verhindern wir damit nicht. Aber wir nehmen Anteil. „Ich will Helferin werden“, sagt meine Tochter. „Dann packe ich alles was die Kinder brauchen ins Auto und fahre nach Afrika. Geld nehme ich auch mit, damit sie sich ein zu Hause bauen können.“
Falls ich das neuste Hinz&Kunzt Straßenmagazin mal übersehe, macht mich meine Kleine sofort darauf aufmerksam: „Mama, diese Zeitungsausgabe haben wir noch nicht!“ Wir sprechen mit „unserem“ Verkäufer über seine Heimat in Rumänien. Darüber, dass die Winter in Hamburg auf der Platte hart seien, aber das eigentlich nicht an den Temperaturen läge. Die Winter in seiner Heimat seien wirklich kalt. Meine Kinder wissen, dass es nicht alle Menschen so gut haben, wie wir in Deutschland. Das dies Zufall und Glück für uns ist. Dass es einen Menschen nicht besser oder schlechter macht.
Mein Sohn strahlt übers ganze Gesicht: „Ich habe zehn Runden geschafft, Papa! So viel bin ich gelaufen!“ Ehrlich gesagt bin ich mit meinen Zwillingen an der Hand – gegangen. Aber sie waren so stolz, dass sie auf diese Weise Geld beim Spendenlauf für ihre Kindergartenreise zusammenbekommen haben. Einem Kind, deren Eltern die Reise nicht finanzieren könnten, ermöglichen diese Spenden die Kindergartenfahrt.
„Papa, aus dem Rohr von dem Auto vor uns kommt Gift, oder?“, fragt meine Tochter. Mein Mann erklärt ihr, dass CO2-Emissionen beim Autofahren entstehen und den Klimawandel beschleunigen. „Aber Mamas Auto hat nicht so einen Auspuff aus dem Gift kommt, oder?“ Leider schon! Wir versuchen so wenig wie möglich zu fliegen und wenn wir das Flugzeug für den Urlaub wählen, zahlen wir für unsere klimaschädlichen CO2-Emissionen einen Betrag an Atmosfair. Die Non-Profit-Organisation unterstützt Klimaprojekte mit erneuerbaren Energien in Entwicklungsländern. In Ruanda zum Beispiel versorgt Atmosfair Haushalte mit effizienten Öfen, die Brennstoff sparen. In Nepal baut Atmosfair Biogasanlagen für Bauern. Richtig beruhigt ist unsere Tochter nicht.
Es ist ja auch nicht perfekt! Vielen dient die Unzulänglichkeit als Ausrede gar nichts zu tun. Besser als das, sind alle Versuche etwas Gutes zu tun immerhin. Meine Tochter sagt: „Mama, ich gebe niemals auf! Und wenn alle Kinder aus meiner Klasse mitmachen, dann schaffen wir das!“

Kindermund tut Wahrheit kund…

…oder heiratet

„Mama, Paul will mich heiraten!“, atemlos kommt meine Tochter aus der Schule gerannt. Mich wundert das nicht. Meine Kleine bekam bereits so viele Heiratsanträge, wie ich in meinem ganzen Leben nicht.
Jona war der erste. Er hielt bereits im Kindergarten um ihre Hand an. Jeden Tag spielten sie Mama, Papa und Baby. Meine Kleine war immer das Baby, obwohl ihr diese Rolle nicht gefiel. Ihr Bräutigam in spe gab die Mama. Er packte ihr den Rucksack für das Frühstück aus, öffnete ihr die Brotdose und die Trinkflasche. Anschließend räumte er alles ordentlich ein und setzte ihr den Rucksack auf. Da meine Tochter die Langsamste auf dem Rückweg vom täglichen Ausflug im Wald war, nahm er sie an die Hand und zog sie hinter sich her. Er begleitete dies mit liebevollen Aufmunterungen. Obwohl sie erst drei Jahre alt waren, hätte ich ihn mir sehr gut als Schwiegersohn vorstellen können!
In der Schule traf sie einen Jungen wieder, den sie bereits aus dem Musikgarten kannte. Als Henrik nach einem halben Jahr die Schule wechselte, hatte meine Tochter ihren ersten Liebeskummer.
Dann gab es ein kurzes Intermezzo mit Torben, der immer Fußball spielt. Aber aus irgendeinem mir unbekannten Grund dürfen Mädchen in den Pausen nicht mitspielen. Daher ist diese Liaison nie recht in Fahrt gekommen.
Und jetzt also Paul! Aber meine Tochter will nur ihre Brüder heiraten. Nein, nicht einen, alle beide! Und die braucht sie auch für die Aufzucht der hundert Babys, die sie bekommen will: „Dann sind sie nicht so schnell erschöpft wie Papa! Sondern können sich auch mal abwechseln.“
Meine Jungs sind pragmatisch veranlagt: „Warum sind WIR nicht verheiratet?“, fragen sie mich während einer Autofahrt. Sorry, aber ich habe da so schnell wirklich keine Antwort parat. Während ich bei einem U-Turn noch schwerfällig grüble, sagt mein Sohn bereits: „Meine Frau ist noch auf der Wolke, weil ich älter bin!“
Meine Tochter erwischt mich eiskalt, als sie mich mit Marzipan, Schokolade und Kuchen vollstopfen will. Ich erkläre ihr, dass ich gerne noch zwei Kilo abnehmen möchte, damit ich wieder so viel wiege, wie vor der Geburt ihrer Zwillingsbrüder. „Ah, verstehe, dein dicker Babybauch muss weg, Mama, oder?“ Sie denkt nach: „Wie lange dauern die denn, deine Schlankbauchtage? Kannst Du an deinem Geburtstag immer noch nichts naschen?“ „Geburtstagskuchen esse ich bestimmt! Danach faste ich weiter Süßigkeiten“, erkläre ich ihr. „Fasten Mama, das kenne ich! Das machen die Menschen, weil Jesus ans Kreuz genagelt wurde. Zu seinem Gedenken. Aber er war ja zum Glück nicht lange tot. Nur zwei Tage, dann ist er wieder aufgestanden. Aber warum fastest du Mama?“ „Ich will an meinem zehnjährigen Hochzeitstag in mein Brautkleid passen. Das ist sehr eng geschnitten“, sage ich. „Oh ja Mama, das will ich sehen! Und Papa, passt der noch in seinen Bräutigamschleier?“

Kindermund tut Wahrheit kund oder…

…imkert

„Ich bin im Bienenwald“, rufen meine Kinder, wenn sie sich in den hintersten Teil unseres Gartens zurückziehen. Dort stehen rund 50 Jahre alte Rubinien, ein Walnussbaum sowie Nadelgehölze. Es mutet tatsächlich an ein Wäldchen an und deshalb stehen dort unsere Bienenstöcke. Zu dieser Jahreszeit summt und brummt es bereits richtig. Imkern ist gerade en vogue, besonders in Berlin und Hamburg. Es gilt dem gestressten Hipster als moderne Variante des Yogas. Bei uns ist es immer mit sehr viel Radau verbunden. Unsere Tochter imkert seit sie drei Jahre alt ist und hat bereits ihr eigenes Volk. In voller Stärke umfasst es 60.000 Bienen. Sie besitzt einen Anzug mit Schleier, dazu Handschuhe aus Vollleder, durch welche die Wächterbienen nur schwer stechen können. Doch sie imkert ohnehin sehr umsichtig und sagt: „Papa, ich weiß nicht, warum’s dich ständig erwischt, mich hat noch nie eine Biene gestochen!“ Pflegebienen und Sammlerinnen stechen auch nicht, nur diejenigen, die den Stock bewachen. Sie zündet einen Smoker mit Hanfgras an. Der Rauch bedeutet Waldbrand für die Tiere und sie ziehen sich in ihre Beuten zurück, auch die Wächter. Wir imkern nach Bioland-Richtlinien und dazu zählt, dass die Stöcke nur aus natürlichem Holz sind. Das ist leider sehr schwer und die Beuten kann unsere Tochter nicht alleine öffnen. Mit ihrem Imker-Meißel löst sie aber die Rähmchen aus der Beute. Dann sieht sie ihr Volk durch: Wo ist die Königin? Legt sie fleißig Eier? Gibt es ausreichend Brut? Gibt es Weiselzellen zu entfernen, mit Hilfe dessen sich das Volk eine neue Königin züchten möchte und mit ihr zusammen ausschwärmen würde? Ist genug Honig für die Brut vorhanden? Ein besonderer Höhepunkt ist natürlich das Schleudern um Stankt Johanni herum, am 24. Juni. Die vollen und mit Wachs verdeckelten Honigwaben hebelt meine Kleine mit einer Art Gabel auf und entfernt so das Wachs. Dann kommen die Waben in die Honigschleuder. Anschließend kurbelt sie kräftig. Jetzt kommt der große Moment: Goldgelber Honig fließt träge in einen Eimer. Rund 30 Kilo ernten wir jährlich auf diese Weise. Der früh geschleuderter Sommerhonig, ist hell und mild im Geschmack. Ende Juli können wir dunkeln Waldhonig ernten, der sehr herzhaft schmeckt. Wir füllen den Honig in Gläser und verkaufen ihn im Bekanntenkreis. Die Kinder sind unglaublich stolz auf diese Einnahmen und sagen: „Von dem Honiggeld kaufen wir nur Sachen für unsere Bienen!“

Kindermund tut Wahrheit kund oder…

…fährt Ski

Wir fahren fast jedes Jahr im Winter Ski. Ich liebe die völlig unverbrauchte Natur und Einsamkeit Dalarnas, in Mittelschweden. Anstrengung und Kälte erschöpfen angenehm. Anschließend wärmen wir uns am Feuer im Kanonenofen unserer Hütte. Jede Tour ist ein kleines Abenteuer! Als wir unsere Tochter zum ersten Mal mitnehmen, ist sie ein Jahr alt. Wir packen sie in einen Lammfellsack, kleiden sie von Kopf bis Fuß in Daune und Wolle, dann setzen wir sie mit Wärmflasche in einen Pulk. Das ist ein Schlitten, ohne Kufen, der direkt auf dem Schnee liegt. In seiner knallroten Farbe sieht er eher aus wie ein Kajak. Vorne verfügt er über eine große, getönte Windschutzscheibe. Dann schnallt mein Mann sich ein Gestänge um den Bauch, wie einen Gurt beim Wanderrucksack. Ab geht’s! Da der Vater meines Liebsten ihn und seine Schwester ebenfalls bereits als Kleinkinder auf diese Weise durch das Fjäll zog, ist es für meinen Mann die natürlichste Sache der Welt. Er fetzt die Abfahrten, die wir uns phasenweise mit den Alpin-Skifahrern in Sälen teilen, nur so herunter. Mir ist ganz schlecht. Unsere Tochter findet es zum Glück auch nicht besonders toll, so dass der Spuk bald sein Ende findet. Die nächsten Tage fahren wir wieder die einsamen Strecken in der Nähe unserer Hütte. Wir haben Mini-Skier für unsere Kleine gekauft. In die Bindung kann sie mit ihren normalen Winterstiefeln schlüpfen. Aber sie rutscht damit nur ein paar Meter vorwärts. Fortan möchte sie, dass Mama sie zieht. Puh…
Einen Winter darauf, kann sie mit zwei Jahren, schon kleine Strecken selber laufen. Inzwischen haben wir einen Fahrradanhänger gekauft, ihn mit Kufen versehen und ein Gestänge besorgt. Das schnalle ich mir um den Bauch. Diese Variante ist wesentlich komfortabler für unsere Tochter, da wir bei Schnee oder Wind einfach das Verdeck schließen können. Für mich ist der Anhänger auch leichter zu ziehen. Der Pulk ist allerdings für größere Kinder oder Tagestouren die bessere Wahl. Er schafft jede Expedition, selbst mit Gepäck, spielend. Als unsere Tochter fünf Jahre alt ist, bekommt sie richtige Rennskier. In Schweden gibt es, wie so häufig, eine soziale und für alle vertretbare Lösung: Wir kaufen einmal eine neue komplette Ski-Ausrüstung. Alle darauf folgenden Jahre können wir sie gegen eine Gebrauchte tauschen. So dass wir jedes Jahr eine passende Größe erhalten. Die Sachen sind neuwertig und die Wartung übernimmt der Sportausrüster gegen eine kleine Gebühr. Unsere Tochter läuft inzwischen kurze Touren. Unsere Jungs sitzen im Anhänger. Mit sechs Jahren ist unsere Kleine richtig schnell und sie hat Ambitionen: „Papa, wann können wir mal eine richtige Tageswanderung unternehmen?“ Mir sagt sie: „Mama, wenn du Biathlon trainierst, will ich das auch!“ Und tatsächlich nehmen die schwedischen Kinder bereits im Grundschulalter, im Olympiastadion der nächstgelegen Stadt, am Biathlon-Training teil. Aber das ist noch nicht alles, sie fragt: „Papa, können wir irgendwann auch mal eine Übernachtungstour von Hütte zu Hütte und mit Wanderrucksack laufen, so wie du mit Opa?“ Ich fange dann am besten schon mal mit dem Training an!

Kindermund tut Wahrheit kund oder…

…geht zum Fußball

Kurz vor ihrem zweiten Geburtstag gehen wir mit unserer Tochter zum ersten Mal ins Stadion. Mein Mann und ich haben Dauerkarten für den FC St. Pauli, aber seit ich schwanger war, habe ich kein Spiel mehr gesehen. Unsere Kleine hat Micky-Maus-Kopfhörer auf und alle sprechen sie daraufhin an. Ich trage sie auf dem Arm oder mein Mann sie auf den Schultern. Leider können wir uns nicht zu unseren Freunden in den Block stellen, weil es viel zu eng ist und die Dynamik eines Tores einen locker mit einer Welle ein paar Reihen nach vorne schieben kann. Aber die Ordner erlauben zu der Zeit noch, dass wir auf den Treppenaufgängen stehen. Für das Fußballspiel selbst interessiert sich unsere Tochter nicht. Dafür um so mehr für die Fans! „Mama, die Fans trinken alle Apfelschorle!“ Ich lasse sie in diesem Glauben und kläre sie auch nicht über mein Getränk im Plastikbecher auf. „Papa, die Fans essen, reden und gehen auf Toilette!“ Ja, ganz richtig erkannt! Die Gegengerade im Stehbereich mutet phasenweise eher wie eine Party an, als an ein konzentriertes Fußball gucken. Sorry Jungs! (Und Mädels…) Meine Tochter will eine Laugenbrezel und dann auf Toilette. Dort bestaunt sie die FC St. Pauli-Kacheln, mit denen sie gefliest ist. Zwischendurch halten wir einen Plausch mit Fans und sind eigentlich ständig unterwegs. Als meine Kleine im Kindergartenalter ins Stadion geht, bezeichnet sie sich selbst schon als Fan. Farben des Erzfeindes der Stadt, also blau, zieht sie nicht mehr an und will stattdessen einen Fan-Schal, ein Cap mit dem Logo des Vereins und ein FC St. Pauli-T-Shirt. Sie fragt: „Mama, warum gönnen sich der HSV und der FC St. Pauli gegenseitig nicht mal das schwarze unterm Fingernagel?“ Ähm, wie erkläre ich das? Es sind schon wegen kleiner Dinge Kriege ausgebrochen… „Im Kindergarten habe ich mit den HSV-Fans nichts zu tun, denn da wir immer in der Erde buddeln, haben wir ständig schwarze Fingernägel.“ Unsere Kleine ist jetzt schon ein bisschen groß und steht mit den Schulkindern eines Freundes direkt hinter uns auf der Treppe. Leider ist das nicht mehr erlaubt und wir feuern die Mannschaft unten vom Zaun aus an. Das hat den Vorteil, dass dort ganz viele kleine Fans hin und her rennen oder das Konfetti vom Fußboden in „Apfelsaft-Becher“ sammeln – für das nächste Tor zum Schmeißen… Der Nachteil ist ein Feeling wie im Knast: ständig hinter Gittern. Als Schulkind fordert meine Tochter jetzt einen Live-Kommentar von mir, schüttelt bei jeder Ecke meinen Schlüsselbund und sing: „ Seit klein auf stehe ich am Millerntor, jedes Spiel singe ich: Sankt Pauli vor. Egal was geschieht, ich lass´ dich nie allein, Sankt Pauli, du bist immer mein Verein!“ Dazu hüpft sie, klatscht sie und wirft die Arme in die Luft. Dann ruft sie: „Walk on, walk on, with hope in your hearts and you’ll never walk alone, you’ll never walk alone!“

Kindermund tut Wahrheit kund oder…

…feiert Geburtstag

km feiert Geburtstag

Als ich meine Zwillinge frage, wie alt sie an ihrem Geburtstag werden, antworten sie wie aus einem Mund: „Fünf!“ Unter uns, sie werden drei. Aber die Jungs, die sie im Kindergarten bewundern und einladen wollen sind: fünf! Mein Mutterherz krampft jetzt schon, weil die Großen sicherlich wegen „wichtiger Termine“ absagen…
Geburtstag feiern ist eine aufregende Sache und die Vorbereitungen beginnen entsprechend schon Wochen zuvor. Also nicht meine, sondern die der Kinder! Die ältere Schwester packt alle möglichen Gegenstände, die sie in ihrer Krimskrams-Schublade findet, wie einen Teller zum Jonglieren, Seifenblasen und ein Schnitzmesser, wahlweise in Geschenkpapier, Küchenrolle oder Servietten. Dafür braucht sie viel Geschenkband, notfalls geht’s allerdings auch mit reichlich Flüssigkleber oder Tesafilm. Wenn sie dann alles zufriedenstellend verpackt hat, stopft sie es in ihre Schultüte und spielt Bescherung. Und wehe, ja wehe, der oder die Beschenkte, freut sich nicht wie verrückt über den Plunder. Es ist auch nicht ratsam, sich über backsige Hände zu beschweren oder mit dem Einwand zu kommen, dass dies ja ein großes Durcheinander sei, welches Bitteschön auch wieder aufgeräumt werden müsse. Sofort fiele unsere Sechsjährige zurück in die Kleinkind Trotzphase und würde sich schreiend auf dem Boden wälzen. Aber zum Geburtstag gehören nicht nur Geschenke sondern auch Luftballons – die alle ich aufzupusten habe. Zahllose erliegen den Jagdversuchen unserer Katzen, weitere platzen, weil die Jungs, der schönen Geräusche wegen, hinein kneifen und etliche fristen ihr Dasein, weil sie im Kampf der heftig miteinander streitenden Brüder im Weg sind. In diesem Fall ist es daher glücklich bereits Wochen vorher zu beginnen, so bekomme ich bis zum Geburtstag eine kleine Traube Ballons zusammen. Auch Kuchen gilt es zu backen! „Wir backen gleich Mumffins oder was anderes“, erklärt mein Kleinster mit wichtiger Mine. Für Omas und Opas Besuch. Für die Kinderfeier. Für den Waldkindergarten. Noch nie konnten oder wollten sie sich unsere Gäste durch das umfängliche Angebot essen, aber das hält meine drei Kinder nicht davon ab, wieder Kuchenberge zu produzieren. Die bereits Wochen vorher zubereiteten, frieren wir ein. Bei uns im Keller steht seit anderthalb Jahren ein, eigens für solche Anlässe angeschaffter, Gefrierer. Einladungen malen und basteln unsere Kinder ebenfalls sehr gerne. Und bis endlich eine gelingt, die sie nicht gleich wieder verwerfen, kann Zeit ins Land gehen. Ganz wichtig ist, dass sie allen gefällt. Die Zwillinge können nicht anders als sich abzustimmen, aber meine Tochter redet auch ein Wörtchen mit. Da es eine Faschingsparty gibt, basteln sie einen „Yakari“. Ihre Cousine kreierte ein paar Jahre zuvor ebenfalls so eine Karte und der „kleine Indianer“ ist bis heute ein Hit. Ich frage, wen meine Jungs einladen wollen. „Yakari und alle Jungs die im Wald sind, Mama!“ findet mein Jüngster. Aber leider haben wir Eltern die unsinnige Regel aufgestellt, dass jedes Kind, so viele Gäste einladen kann, wie es Jahre alt wird. Das sind immerhin sechs, denn die Jungs werden jeder drei Jahre alt. Ein Grund zum Freuen? Nein, es gibt dreifaches Wutgebrüll mit Tränen! Meine Tochter findet es ungerecht, sie konnte auch nur sechs Kinder an ihrem letzten Geburtstag einladen. Mein einer Sohn ist beleidigt, weil sein Bruder das einzige Mädchen eingeladen hat. „Ich will lieber Liv einladen, die möchte ich nämlich heiraten“, brüllt er. Er müsste sich dafür aber von einem anderen Kind trennen. Und er hat schon zwei große Jungs eingeladen. Die nimmt ihm dann vielleicht sein Bruder weg… Zwischenzeitlich fragt mich ein Freund, ob die große Schwester einer der eingeladenen Kinder nicht auch mit kommen könne. Und obwohl er mein „Nein“ nicht verstehen wird, eröffne ich auf keinen Fall noch mal eine neue Debatte darüber wer beim Fest dabei ist! Und dann eine Phase des Friedens: Alle, wirklich alle eingeladen Kinder sagen zu. Auch die coolen fünfjährigen Jungs. Sie sind glücklich meine Kleinen. Und ihre große Schwester mit ihnen. Jetzt fehlt nur noch ein Indianerschatz, Kostüme und – „die Gäste Mama, wann kommen die Gäste? Morgen?“ „Nein, mein Schatz, die Gäste kommen nicht morgen sondern nächste Woche, also noch sieben mal schlafen…“
Die Feier glückt, mit Schnitzeljagd, Topfschlagen und Masken basteln. Die Kindergartenfreunde schenken zwei Fußbälle, so dass die Zwillingsbrüder keinen Grund zum Streiten haben. Als alle Gäste zu Hause sind und die Kinder ins Bett zu gehen, sagt mein Sohn: „Ich will mit meinem Puzzle-Buch schlafen gehen“. Nun ist der Spuk für ein Jahr vorbei? Meine Tochter raubt mir alle Hoffnungen: „Mama, jetzt bereiten wir den Geburtstag für unsere Kätzchen vor, die werden ein halbes Jahr alt und Pettersson und Findus feiern auch drei mal im Jahr den Geburtstag des Katers!“

Kindermund tut Wahrheit kund oder…

…will eine Katze!

IMG-20190205-WA0007.jpg

„Wau, wau, wau“, ruft meine Tochter laut und springt auf eine Katze zu. Diese flüchtet und lässt sich nicht mehr blicken. Für meine kleine, zweijährige Tochter ist es Liebe. Wir urlauben in einer Finca auf Mallorca und in dem 500 Jahre alten Innenhof wimmelt es nur so vor Katzen. Unsere Tochter lauert ihnen stundenlang auf, lockt sie mit Futter und bleibt der Katzenschreck. Ihre Begeisterung für die „kleinen Tiger“ schmälert das kein bisschen. Im Gegenteil und sie wird geschickter. Mit fünf Jahren ist sie tatsächlich zur Katzenflüsterin geworden. Jeder noch so verstörte Streuner lässt sich streicheln und oft sogar nur von ihr. Sie fordert ein eigenes Kätzchen, aber mein Mann schiebt seine Katzenhaar-Allergie vor. Als die beste Freundin meiner Tochter ein Jahr später eine Babykatze bekommt, obwohl ihr Papa eine Allergie hat, lässt sie keine Ausrede mehr gelten. Die Rasse Selkirk Rex produziert kaum allergene Proteine und verliert weniger Fell. Mein Mann fährt also zur Katzenschau, reibt sich Haare in Augen und Nase, dann wartet er: Nichts! Meine Tochter verliebt sich gleich in eine kleine Tigerkatze, mein Mann in einen dicken, schwarzen Kater. Sie kommen freudestrahlend nach Hause und verkünden: „Wir haben gleich zwei Kätzchen genommen!“ Wow, das ging fix und ist mir fast zu viel. Zum Glück säugt die Katzenmutter noch ein Weilchen, so dass ich Zeit zum Verdauen habe. Meine Tochter hingegen ganz eifrig: “Mama, wir brauchen Katzenfutter, Fressnäpfe, Trinkschalen, einen Kratzbaum, Käfige für den Transport, Decken für den Schlafplatz, Katzenklos, Streu, Halsbänder, auch mit Glöckchen, Spielzeug, Leckerlies, eine Katzenklappe und eine Leine!“ Eine Leine? „Klar, ich will doch überall mit meinen Katzen hingehen können.“
Wir dachten uns, dass es Stallkatzen werden, die im Nebengebäude, in unserem Garten wohnen. Dort hielten die Vorbesitzer vor 50 bis 100 Jahren Schweine, Hühner und Kaninchen. Das wäre perfekt geeignet. Aber die Katzenbesitzerin klärt uns auf, dass Kitten, so das Fachwort für Babykätzchen, im Winter nicht draußen wohnen könnten. Ihr Fell sei noch nicht dick genug. „Toll, dann wohnen sie drinnen bei uns!“, ruft unsere Tochter freudestrahlend. Toll, wirklich, ja!
Fortan dudelt aus allen Lautsprechern Helge Schneiders „Katzenklo, Katzenklo, ja das macht die Katze froh“ und alle drei Kinder grölen laut mit. Die Kätzchen kommen nach unserem Urlaub, so der Plan. Anfang Dezember erhalten wir die Nachricht, dass die Kitten nicht mehr gesäugt würden und sich ein neues Rudel suchen und das wären nun mal wir! Wir mögen sie bitte abholen. Okay…
Über ihre Zwillingsbrüder hat sich unsere Tochter kaum mehr gefreut. Sie schmust und streichelt und spielt den ganzen Tag mit ihren Kätzchen. Sie sucht die Namen selbst aus und nennt sie Ronja Räuberkatze und Rudi Schnurrdibur. Unser kleiner Sohn sagt: „Da ist der kleine, schwarze Panther“, wenn er Rudi sieht. Aber sie sind sehr zahme Schmusekätzchen. Sie warten schon auf unsere Tochter, wenn sie aus der Schule kommt und lassen alles mit sich geschehen. Während unseres Urlaubes kommen Ronja und Rudi noch mal zu ihrer Katzenmama und unsere Tochter ist todunglücklich. Sie hat nur einen einzigen Wunsch: „Der Weihnachtsmann soll meine Kätzchen nach Schweden fliegen!“
Die ersten Tage, in denen die Kitten bei uns wohnen, säubert unsere Tochter begeistert das Katzenklo, stellt dreimal täglich frisches Fressen und einmal Wasser hin. Dann übernehme ich. Und ein paar Wochen schaffe ich auch locker. Schließlich reinigt das Klo, füttert die Kätzchen und stellt ihnen Wasser hin: Papa! Ja, tatsächlich an meinem Mann, der eigentlich gar keine Streuner haben wollte, bleibt die Arbeit hängen. Wenn abends alle außer ihm schlafen, danken sie’s ihm, indem sie sich schnurrend auf seinen Schoß legen. Unsere Tochter freut sich: „Na siehst Du Papa, so hast du doch auch was Schönes bekommen!“