Glaube, Liebe, Hoffnung

„Tschüss Mami…“

Lara Treu mit ihrer Tochter, zwei Wochen, bevor sie an Brustkrebs starb…

Dr. Hartmut Treu verlor seine Frau an Brustkrebs, als ihre gemeinsame Tochter fünf Jahre alt war. „Ich finde es klingt ganz schrecklich, wenn ich sage, dass ich Witwer bin“, erzählt er. Seine verstorbene Frau Lara Treu, war 43 Jahre alt und kämpfte ein Jahr lang, ohne jede Chance auf Heilung gegen den Krebs. Die Unfallchirurgin tat es aus Liebe zu ihrer kleinen Tochter.
Als sie die Diagnose bekam, hatte sie bereits im ganzen Körper Metastasen, außer im Gehirn, am schlimmsten in der Wirbelsäule. Dennoch wollte sie unbedingt bis zur Einschulung ihres kleinen Mädchens durchhalten.

Die absolute Zahl der jährlichen Todesfälle durch Brustkrebs liegt in Deutschland seit 1990 nahezu konstant bei etwa 18.000 Frauen.
Die Beihilfe zum Suizid ist in Deutschland erlaubt. Die Tötung auf Verlangen war bis Anfang 2020 ein Straftatbestand. Im Februar 2020 kippte das Bundesverfassungsgericht das Gesetz. Es entschied, zum selbstbestimmten Sterben gehöre auch das Suchen und die Inanspruchnahme von Hilfe durch Dritte.

Wären wir zu zweit gewesen, hätten wir ihren Schmerzen und ihrem Leben nach der ersten Chemotherapie ein Ende gesetzt. Aber sie versuchte, am Leben zu bleiben, bis Hannah in die Schule geht. Sie schaffte es nicht.

Dr. Hartmut Treu wurde in Hamburg geboren und wuchs mit seinen Eltern sowie einem zwei Jahre älteren Bruder auf. Er studierte Medizin an der Universität Hamburg und ist Facharzt für Urologie mit eigener Praxis. „Meine Vorfahren waren 350 Jahre lang Pastoren, ich bin also aus der Art geschlagen (lacht). Aber wir sind nie so richtig oft in die Kirche gegangen und das ist auch heute so. Ich bin konfirmiert und meine Eltern beteten jeden Abend mit uns“, erinnert er sich. Er lebt heute immer noch in Hamburg. In seiner Freizeit imkert er gern.
Er ermöglichte es seiner Frau zu Hause zu sterben. Die, die Lara Treu liebte, waren in diesem Moment bei ihr: ihre Tochter, ihr Mann und ihre Mutter.
Im Interview spricht Dr. Hartmut Treu über Liebe, die über den Tod hinausgeht. Der Liebe zu seiner kleinen Tochter. Und wie die ganze Familie sich durch die Liebe getragen fühlte und Halt fand.


Ich sprach mit Dr. Hartmut Treu über das letzte Jahr als Familie. Über den Tod seiner Frau. Und die Zeit danach…

Wie begann alles?
Ganz unromantisch über eine Kontaktanzeige. Wir schalteten beide eine und sie antwortete auf meine. Dann telefonierten wir und sie sagte: „Also mit dir kann man gar nicht telefonieren.“ Unser erstes Treffen war sehr zäh. Wir gingen mit ihrem Hund spazieren. Erst kam kein Gespräch auf und dann gab es sehr lange Pausen… (lacht)

Wann habt ihr euch verliebt?
Nicht auf den ersten Blick, das kam peu à peu. Als es soweit war, hatte ich Schmetterlinge im Bauch. Ich vermisste sie schon direkt nach unseren Treffen. Ich habe es ihr aber nicht gezeigt. Sie hätte es jedoch viel lieber gehabt, dass ich ihr romantische Geschichten schicke oder mal Blumen oder so…

Wie seid ihr zusammengekommen?
Ich habe sie während einer Nachtschicht in der Klinik besucht. Wir spielten in der ersten Zeit des Verliebtseins Gesellschaftsspiele und reisten viel. Besonders in solche Gegenden, auf die ich ohne sie nie gekommen wäre, wie Sri Lanka. Ich hätte ohne sie auch nie einen Tauchkurs gemacht. Das taten wir hier im Schwimmbad. Und dann sah ich mich mit Taucherflasche auf dem Rücken und Bleigürtel um den Bauch auf einem kleinen wackeligen Boot im indischen Ozean und hörte: Spring! Mir selbst sagte ich: Du bist doch komplett irre!

Hat einer von euch einen Heiratsantrag gemacht?
Es entwickelte sich nach und nach, dass wir den Rest unseres Lebens gemeinsam verbringen wollen. Liebe entwickelt sich und irgendwann willst du den anderen nicht mehr hergeben. Lara hat lange auf einen Heiratsantrag gewartet, das war genauso unromantisch wie unser Kennenlernen… (lacht) Wir hatten das Haus gekauft, waren total verschwitzt am Renovieren und ich sagte: Sag mal, eigentlich können wir doch jetzt auch heiraten? Dann guckte ich, ob noch irgendwo eine Flasche Sekt rumstand. Diese Geschichte musste ich mir zu Recht jedes Jahr wieder an unserem Hochzeitstag anhören…

Wie habt ihr geheiratet?
Standesamtlich im Dezember, weil wir dachten, das bringt uns steuerlich etwas. Also auch ganz unromantisch! Es brachte uns 170 Euro (lacht). Wir dachten, wir holen eine kirchliche Trauung mit einem großen Fest nach, aber dazu kam es nie. Unsere Flitterwochen verbrachten wir im Tauchurlaub auf den Malediven, das war wahnsinnig schön…

Wie sah euer Kinderwunsch aus?
Es war von Anfang an klar, dass wir unbedingt gemeinsam Kinder wollen. Wir probierten es jahrelang. Mit zahlreichen künstlichen Befruchtungen. Lara wollte auf keinen Fall ein Einzelkind. Nach der Geburt unserer Tochter Hannah gab es daher noch sechs weitere, aber leider erfolglose Versuche…



Wie ging es euch damit?
Ich hätte die künstlichen Befruchtungen nicht gemacht. Ich hatte zudem einen Hodentumor… Die erste künstliche Befruchtung, die funktionierte, war eine Fehlgeburt. Eine Eileiterschwangerschaft. Es kam zur Not-OP. Dann machten wir ziemlich schnell weiter. Beim zweiten Mal als es klappte waren es Zwillinge. Das war immer Laras größter Wunsch! Zwillinge!!! Beide Kinder gleich alt zum Spielen. Was Besseres konnte sie sich nicht vorstellen… Wir waren beide total happy!

Was passierte?
Die Jungs kamen still zur Welt. Lara musste sie gebären. Ich habe recht bald danach nach vorne geguckt. Lara und ich trauerten ganz anders. Das ist wohl generell so, dass Frauen in solchen Fällen anders trauern. Bei mir war es relativ schnell so, dass ich gesagt habe es muss weitergehen! Es wird weitergehen…. Lara war nicht so weit. Im Endeffekt schweißten uns unsere ganzen Schicksalsschläge aber zusammen. Viele Ehen wären daran wahrscheinlich kaputtgegangen.

Wie fandet ihr nach der stillen Geburt der Zwillinge Kraft, es nochmal zu probieren?
Der Kinderwunsch war so immens bei Lara. Ich sagte, zur Not werden wir auch zu zweit glücklich. Aber für Lara gab es gar keine Möglichkeit, aufzuhören und die dritte Schwangerschaft war dann Hannah.

Wie ging es euch während der Schwangerschaft?
Das war eine Schwangerschaft, die natürlich nie entspannt war. Wir hatten die ganze Zeit Sorgen, dabei war es eine Bilderbuchschwangerschaft (seufzt).

Wie war es nach Hannahs Geburt?
Unser absolutes Wunschkind war da! Lara war die beste Mutter, die es gab! Sie tat immer alles für das Kind. Wir waren verliebt und im Glück. Wir teilten alle Aufgaben von Anfang an.

Wann und wie habt ihr von Laras Erkrankung erfahren?
Sie hatte monatelang Rückenschmerzen. Als die Diagnose kam, war sofort klar, dass sie keine Chance hatte, weil es schon Metastasen gab. Es ging nur noch um den Faktor Zeit. Sie wollte es bis zu Hannahs Einschulung schaffen…

Steht der Brustkrebs in Zusammenhang mit den künstlichen Befruchtungen?
Diese Frage beantwortet dir keiner! Wenn du fragst, sagen sie alle nein. Wenn man die Beipackzettel der Hormongaben liest, dann glaube ich das schon. Aber für Lara hätte es keinen Unterschied gemacht. Sie sagte zu ihrer Mutter: Auch wenn ich es gewusst hätte, würde ich es wieder machen. Und jeder liest doch diese Beipackzettel und denkt, mich trifft es nicht. So wie jeder Raucher sagt: Mich trifft das nicht. Niemand sagt deshalb, ich bekomme kein Kind!!!



Was war das Schlimmste an ihrer Krankheit?
Die Schmerzen! Und der körperliche Verfall. Nicht mehr für Hannah da sein zu können. Mama ist nicht da. Eifersucht, dass ich alles mit unserer Tochter machen kann und Lara nicht. Aber nur ein bisschen, nicht wirklich…

Was half ihr?
Schwimmen gehen. Die Sorge um ihre Tochter setzte unglaubliche Kräfte frei!

Wie beeinflusste es sie als Mutter?
Sie musste ihre Emotionen vor Hannah verstecken, um sie mit ihren Ängsten und ihrer Trauer nicht zu belasten. Außerdem wurde sie immer schwächer, konnte immer weniger mit unserer Tochter unternehmen. Sie schlief immer mehr. Hanna wurde zum Papa-Kind. Das tat Lara sehr weh (weint).

Was war als Ehemann am schlimmsten zu ertragen?
Immer wieder diese tiefe Hoffnungslosigkeit von Lara auszuhalten. Das Leben geht weiter, konnte ich ihr ja nicht sagen… Am schlimmsten war es für mich, als Lara dann nicht mehr da war.

Was half?
Ich funktionierte einfach nur. Die Praxis reduzierte ich auf vier Tage die Woche. Meine Kollegen hielten mir den Rücken frei, falls ich mal einen Tag nicht da war. Abends nahm ich mir ein bis zwei Stunden nur für mich, zum Lesen, Fernsehen und Nachdenken. Wie’s weitergeht…

Wie beeinflusste der Brustkrebserkrankung eure Liebe?
Es war psychisch und physisch eine Katastrophe!
Trotzdem schweißte es uns zusammen…

Was war das Schlimmste für eure Tochter?
Das es Mama immer schlechter ging.

Was half eurer Tochter?
Alltag war für sie ganz wichtig!
Halt geben Hannah ihre beiden Katzen Momo und Jule. […]

Das vollständige Interview ist in meinem Buch Glaube, Liebe, Hoffnung erschienen!

„Glaube, Liebe, Hoffnung“ kann direkt über mich für 24,90 Euro unter Angabe der Postadresse bestellt werden: https://www.paypal.com/paypalme/BookFaithLoveHope

  • Herausgeber ‏ : ‎ Anke Kühne (23. Oktober 2021)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Hardcovereinband ‏ : ‎ 144 Seiten Hochglanz
  • Fadenbindung mit Kapitalband
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3000701257/ ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3000701252

Oder über Amazon als Kindle-Edition für 9,99 Euro:
https://www.amazon.de/Glaube-Liebe-Hoffnung-Anke-K%C3%BChne/dp/3000701257


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3 Kommentare zu „Glaube, Liebe, Hoffnung“

  1. Der Beitrag hat mich fast zum weinen gebracht, also das ist wirklich nicht schön was passiert ist aber wie sie damit umgehen find ich super und es geht immer weiter im Leben. Aber echt toller Beitrag. Bist eine wirklich tolle Person. Hat mich echt berührt der Text

    Gefällt 1 Person

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