Eco-Volunteer
Gepardenfoto: Cango Wildlife
Meine Tochter wagt gerade ihr erstes Praktikum und das ist ein besonderer Schritt – zumindest für mich! Denn es bedeutet, dass sie groß wird … Nun ganz so flügge ist sie dann vielleicht doch wieder nicht, denn die Tage vorher betont sie immer wieder, dass sie keine Lust habe, dass es ihr bestimmt zu anstrengend werde und dass sie auch nicht gut genug Englisch sprechen könne – denn ihr Eco-Volunteer findet in Südafrika statt.
Ein ganz normaler Arbeitstag von 8:30 bis 17 Uhr: Elefantengehege ausmisten, Schutt schippen, Heu gabeln, Bäume schleppen, Unkraut jäten, Futter zubereiten, Möhren ernten, Handwerkern – und nebenbei noch Blumentöpfe aus Elefantendung pressen. Meiner Tochter vergeht dabei kein bisschen die gute Laune.
Ich erkenne sie nicht wieder: zwei Wochen in einem Zelt schlafen, bei Dauerregen, Sturm und erfrischenden nächtlichen drei Grad – kein Problem. Fragen auf Englisch beantworten – läuft.
Meine teilzeitvegane Tochter zersägt Büffel zum Löwenfutter, doch eklig, sehr sogar – aber wird erledigt. Meinen Respekt hat sie!
Zu Hause schnallt sie sich an, bevor der Motor läuft, jetzt sitzt meine Tochter auf der Ladekante eines Pick-ups. Ihre Haare flattern ihr ums Gesicht, aber sie streicht sie nicht weg. Sie kneift die Augen gegen die Sonne zusammen, Staub wirbelt ihr ins Gesicht. Sie hat den Kopf in den Nacken gelegt und lacht in den Himmel. So habe ich sie lange nicht gesehen …

Meine Tochter braust durch die Kleine Karoo, eine Halbwüste, die zu den artenreichsten Trockenregionen der Welt zählt.
Als Freiwillige erhält sie im privaten Wildreservat in Oudtshoorn Einblick in Naturschutz und Wildtierleben. Sie lernt und hilft. Viele Game Lodges in Südafrika bieten neben Luxussafaris auch Plätze für Freiwillige an. Für die privaten Wildreservate ist das ein gutes Geschäft: Sie gewinnen jüngere Gäste, polieren ganz nebenbei ihr Image auf und die Stiftungen, mit denen viele Wildfarmen zusammenarbeiten, bekommen Geld und helfende Hände für ihre Projekte. Denn ganz umsonst ist der Freiwilligen-Dienst nicht, dafür gibt’s Vollpension, tägliche Safaris und einen Betreuer, der rund um die Uhr erreichbar ist. Die Lodges selbst beschreiben ihr Konzept als Verbindung von Tourismus, Bildung und Naturschutz.
Als Freiwillige lernt meine Tochter, dass der Spekboom für eine Pflanze aus einer trockenen Region erstaunlich viel Kohlenstoff speichert und darüber hinaus zur Wiederherstellung des Bodens und zum Schutz vor Erosion beiträgt.
Anfangs empfinde ich die Buffelsdrift wie einen Wildpark und bin enttäuscht. Die Löwen sind eingesperrt und werden gefüttert. Die Elefanten kommen nachts in ein Gehege und werden ebenfalls gefüttert. Wir waren zuvor nur in Nationalparks unterwegs und dort war alles frei und wild. Hier wirkt dagegen zunächst alles gezähmt und eingezäunt. Es dauert eine Weile, bis ich den Nutzen der Game Lodge erkenne. Denn bei genauerem Hinsehen sind die Tiere hier nicht alle aus demselben Grund.

Malaika, Bulelo und Jabari kamen als Babys zur Buffelsdrift, nachdem Wilderer ihre Mütter erschossen. Menschen zogen sie auf und gaben ihnen alle vier Stunden 36 Liter Milch mit der Flasche.
Die Elefanten sind gerettete Waisen, durch die Handaufzucht sind sie so stark an Menschen gewöhnt, dass sie nicht sicher in ein völlig wildes Leben zurückkehren können. Tagsüber bewegen sie sich frei im Reservat, nachts kommen sie zum Schutz vor Wilderern in ein Gehege.
Die Löwen haben nie gelernt selbst zu jagen und können deshalb nicht ausgewildert werden.

Die beiden Weibchen und das Männchen sind in Gefangenschaft geboren und schon als Jungtiere von ihren Müttern getrennt wurden. Sie waren bereits sterilisiert, als sie nach Buffelsdrift kamen. Sie leben in einem fünf Hektar großen Gehege.

Bei den Löwen bleibt mein ursprünglicher Eindruck von „Wildpark“ am stärksten: dauerhafte Haltung in Gefangenschaft.
Bei den Nashörnern sieht es anders aus: Sie leben frei im Reservat und sind Teil des normalen Wildbestands. Anders als die Löwen und Elefanten sind sie nicht Teil eines vergleichbaren Auffangprogramms und daher nicht auf Versorgung angewiesen.
Ich habe nie so glückliche Nashörner gesehen! Im Krüger war ihnen das Horn abgesägt, in Botswana liefen sie auf Straßen … Und immer allein.

Und dann sind da noch die Geparden. Buffelsdrift bezeichnet sie ausdrücklich als „free-roaming“ und hat sie in ein Schutzprogramm eingebunden. Sie können – wenn sie selbstständig sind – in geeignete Reservate zur sogenannten Metapopulation umgesiedelt werden. Das bedeutet nicht, dass die Jungtiere einfach in völlig unkontrollierte Wildnis entlassen werden. Sie leben frei und können sich fortpflanzen, aber werden weiterhin überwacht. Die erwachsenen Tiere bei Buffelsdrift dienen der Zucht und genetischen Erhaltung. Außerdem sollen sie Besuchern Geparden in einer möglichst natürlichen Umgebung näherbringen.

Toller Nebeneffekt: Nach zwei Wochen ist meine Tochter braun gebrannt, gekräftigt und strahlt rund um die Uhr.
Seit 1975 ist die geschätzte Population von 14.000 Geparden auf weniger als 7000 gesunken. Wie alle Wildtiere, sind sie vom schrumpfenden Lebensraum, der Wilderei und dem illegalen Handel betroffen. Zusätzlich haben sie eine sehr geringe genetische Vielfalt. In Südafrika leben Geparden meistens in kleinen isolierten Gruppen in eingezäunten Wildreservaten. Obwohl der südafrikanische Gepardenbestand als einziger in Afrika gewachsen ist, bleibt der Geneinfluss sehr begrenzt, was eine echte Herausforderung für das Bestandmanagement darstellt, da Inzucht unbedingt vermieden werden muss.
An den Wochenenden ist frei! Es werden Ausflüge angeboten, wie in Südafrikas berühmteste Tropfsteinhöhle, die Cango Caves. Die riesigen, millionenalten Hallen beeindrucken mit Stalaktiten, Stalagmiten und Stalagnaten.

Um Inzucht entgegenzuwirken, hat der Endangered Wildlife Trust (EWT) das Cheetah Metapopulation Project ins Leben gerufen. Die beteiligten Reservate tauschen dabei Geparden untereinander aus, damit sich die Tiere mit Artgenossen aus anderen genetischen Linien paaren – so bleibt die genetische Vielfalt erhalten. Eine entscheidende Rolle spielen dabei DNA-Tests: Jedes Tier wird genetisch erfasst und in einer umfangreichen Datenbank registriert. So lässt sich genau planen, welcher Gepard in welches Reservat passt.
Unterschlupfe für Erdmännchen anlegen, damit sie nicht von Raubögeln gefressen werden.
Bevor ein Gepard in die Wildnis entlassen wird, bereitet man ihn sorgfältig darauf vor. Er bekommt ausschließlich Wildfleisch, und der Kontakt zu Menschen wird auf ein Minimum beschränkt. Anschließend zieht er in ein spezielles Auswilderungsgebiet, in dem regelmäßig neue Beutetiere ausgesetzt werden. Erst wenn er zweimal pro Woche erfolgreich jagt und sich vollständig selbst versorgen kann, darf er in die Freiheit.
Der Besuch des Tierheims mit Gassi-gehen gehört auch zum Freiwilligen Dienst.

Die Cango Wildlife Ranch ist eine Mischung aus Tierpark, Zuchtstation und Bildungseinrichtung in Südafrika. Cango Wildlife hat seinem Bestehen 270 Geparden aufgezogen. Anders als bei Löwen und Leoparden, ist die Auswilderung bei Geparden, die in Gefangenschaft aufgewachsen sind, grundsätzlich möglich. Dennoch schafft es nur ein kleiner Teil in die Freiheit. Es sind bestimmte Charaktereigenschaften notwendig und es wird ein Revier benötig. In der Nähe von Farmen gäbe es immer Ärger mit der Bevölkerung, in Gegenden mit Löwen, würden die Geparden sofort gefressen, weil sie nicht gelernt haben, damit umzugehen und es ihnen auch niemand beibringen kann. Ein Teil der Geparden wird in privaten Wildreservaten Südafrikas ausgewildert oder sie werden in Nationalparks, in Malawi, Sambia oder Mosambik wieder angesiedelt – dort sind sie bereits ausgestorben und man versucht, neue Geparden Populationen entstehen zu lassen. Nur etwa ein Leopard pro Jahr schafft es in die Wildnis. Wenn dieser sich dann fortpflanzt, ist das ein mega Erfolg!












Schwartberg-Foto: Tiaan Gerber
Dies ist Teil VI der Serie – noch nicht gelesen? Hier geht’s zu Teil V: We love Jozy.
Weitere Heldengeschichten erscheinen zudem in meinem Sachbuch „Heroes of good hope“.
































































































































































































