Botswana Border – Schutz der letzten Nashörner
Ich bin auf der Suche nach Helden, genauer nach Heldinnen. An der Grenze Botswanas finde ich eine: Sisi, die Kurzform von Busisiwe, was auf Zulu „Segen“ bedeutet. Sisi ist in der Nähe von Durban aufgewachsen, hat dort in der Stadt an der Uni ihren Bachelor-Abschluss in nature conservation absolviert und anschließend ihren Master an der University of South Afrika in Pretoria. Seit sechs Jahren arbeitet sie als Rangerin. Erst im Kruger National Park, seit drei Jahren an der Grenze zu Botswana. Ich frage sie, ob es ihr Traumjob sei. Sie lacht: „Nein, eigentlich nicht. Ich arbeite hier ja nicht im Naturschutz. Klar sind die Tiere toll, aber die Arbeit einer Naturschützerin sieht anders aus.“

Wilderer nehmen Nashörnern manchmal bei lebendigem Leib das Horn ab oder bereits den Kälbern oder lassen diese allein neben ihren toten Müttern zurück.
Foto: Kristoff Kühne
Tatsächlich gibt es in den Nationalparks häufig zu viele Tiere, für den durch Zäune eingeschränkten Lebensraum. Manche Stellen, um Wasserlöcher herum, gleichen daher einer Wüstenei. Das belastet die Natur und zerstört den Lebensraum zahlreicher Pflanzen und anderer Wildtiere. Trotzdem ist es für viele Arten, besonders die vom Aussterben bedrohten, die letzte Zufluchtsstätte.
Nashörner bekommen immer nur ein Kalb, sie sind 16 Monate trächtig und stillen dann, so dass sie höchstens alle drei Jahre ein Junges gebären.

Ich will wissen, was Sisis Aufgaben als Rangerin sind. Sie antwortet: „Ich fahre mit den Touristen am Morgen oder Abend sowie in der Nacht auf Safari, ich mache mit ihnen Wanderungen durch den Nationalpark und natürlich gehören auch administrative Aufgaben zu meinem Job.“ Mich interessiert, ob sie alle der „Big five“ im Nationalpark bereits gesehen hat, also Büffel, Elefant, Leopard, Nashorn und Löwe. Sie winkt ab: „Aber natürlich! Viele, viele Male bereits.“

Meine Söhne wollen später auch mal Ranger werden, so wie Sisi!
Die Giraffe zählt nicht zu den Big five, dabei ist sie unser größtes Säugetier. Ihr Bestand ging in den letzten dreißig Jahren um 40 Prozent zurück und besteht heute nur noch aus weniger als 70.000 Tieren. Naturschützer sprechen von einem „stillen Aussterben“, weil man sich ihrer Situation so wenig bewusst ist. Mit ihren langen Hälsen, die weit über den Baumkronen sichtbar sind, zählen Giraffen für mich zu den schönsten Tieren und wenn sie galoppieren zu den Anmutigsten. Jedes Fleckenmuster ist einzigartig, wie unser Fingerabdruck. Sie werden wegen ihres Fleisches, Fells, Knochen, Haaren und des Schweifes gejagt.
Manche Menschen hängen sich das Fell einer Giraffe an die Wand, andere pulverisieren ihre Knochen, für ihren Aberglauben oder benutzen ihren Schweif als Statussymbol.

Ich erkundige mich, welches Sisis Lieblingstier ist. Die Rangerin atmet lang aus: „Puh, das ist ganz schwierig zu sagen, es ist wirklich schwierig eines auszuwählen. Sie sind alle toll und jedes ist auf seine Art besonders. Aber vielleicht ist es das Black Rhino. Es ist viel seltener als das White Rhino, hat kleinere Ohren, ein kleineres Maul und ist insgesamt kleiner. Sie verstecken sich sehr gut im dornigen Busch, weil sie diesen fressen, aber das erschwert es natürlich noch zusätzlich sie zu sichten.“

Nashörner bekommen nicht so einfach Nachwuchs, manchmal leben ein Männchen und ein Weibchen über zehn Jahre zusammen und haben kein Baby.
Bei uns heißen sie Breitmaulnashorn und Spitzmaulnashorn. Angeblich hat ein Politiker in Ostasien seinen Krebs mit Nashornpulver geheilt. Außerdem gilt es als Potenz steigernd. Dieser Aberglaube gleicht einem Todesurteil. Die International Rhino Foundation schätzt, dass in Afrika noch etwa 18.000 Nashörner leben, damit gab es im letzten Jahrzehnt rund zehn Prozent weniger und sogar mehr als zwei Drittel des südafrikanischen Breitmaulnashorns. Zwar ging die Wilderei während der coronabedingten Grenzschließungen zurück, steigt aber wieder, seit dessen Öffnung, trotz zahlreicher Schutzmaßnahmen, wie der Jagd auf Wilderer, Kontrolle der Märkte und dem vorsorglichen Enthornen. Die Rangerin berichtet stolz: „Unsere Tiere im Nationalpark haben ihre Hörner noch alle, aber das ist die Ausnahme, im Kruger etwa werden die Hörner entfernt.“
2016 wurden rund 1050 Nashörner abgeschlachtet, 2023 immer noch 500.

Zwar sind die Preise für Nashörner gefallen, aber den Wilderern bleibt immer noch genug Profit. Ein Kilo Nashorn ist beim Endverbraucher teurer als Gold. Eine verrückte Idee hatte daher vor rund zehn Jahren Südafrikas Umweltministerin, die vorschlug, den Handel mit Nashorn zu legalisieren. In staatlichen Lagern liegen rund 20.000 Tonnen unter Verschluss. Damit ließe sich der Markt schwemmen, so dass sich der Handel nicht mehr lohne. Vor allen Dingen zeigt es die Hilflosigkeit der Verantwortlichen. So bleibt häufig nur die Heilung und Pflege der durch Wilderer verletzten Tiere, zum Beispiel in der eigens für Nashörner errichteten Klinik in Moholoholo, in der Nähe von Hoedspruit.

Möchte man in einem Nationalpark der Big five wandern, muss man über 12 Jahre alt sein und benötigt die Begleitung von zwei bewaffneten Rangern.
Ich bohre nach, ob Sisi keine Angst habe, Nashörner seien doch super gefährlich. Sie schüttelt den Kopf: „Nein, ich habe ja immer ein Gewehr dabei. Außerdem greifen Nashörner nicht an. Wenn man Abstand hält, lassen sie einen in Ruhe. Außerdem fürchten sie sich vor Motorengeräuschen.“ Ich frage Sisi, ob sie ihr Gewehr schon mal benutzt hat. Sie widerlegt: „Nein. Das brauchte ich noch nie. Es dient nur zur Sicherheit. Es klemmt vor der Windschutzscheibe meines Jeeps in einer Halterung, damit ich es jederzeit benutzen kann, aber wie gesagt, ich musste es noch nie benutzen.“
Musi, der zweiter Ranger, der unsere Wanderung begleitet sagt: „Ich musste leider ein einziges Mal ein Tier erschießen. Ein altes Ehepaar hatte ein ärztliches Attest, mit dem es an der Wanderung teilnehmen durften. Ein Hippo kam auf uns zu, die Alten stolperten und fielen hin.“

Ich finde Zebras besonders witzig. Sie sind frech, verspielt und neugierig. Jedes Streifenmuster ist ebenfalls einzigartig, wie ein Fingerabdruck. Sind sie schwarz mit weißen Streifen oder weiß mit schwarzen Streifen? Die richtige Antwort lautet: schwarz! Das ist die Farbe ihrer Haut unter dem Fell.

Löwentatze
Die Rangerin kennt die Spuren der Tiere, den Kot der Elefanten, die Markierungen der Nashörner um ihr Revier abzustecken, die Pfotenabdrücke von Löwen, Leoparden und Geparden. Sie weiß, an welchen Wasserlöchern sich die Büffelherden aufhalten und welche Tiere Junge haben. Ich bin gespannt, wie sie reagiert, wenn Büffelherden ihr den Weg versperren? Sie lacht: „Wenn ich Glück habe, laufen sie weg.“ Mich interessiert, was das Verrückteste als Rangern im Nationalpark war. Die Rangerin erzählt: „Es gibt einen Marathon im Nationalpark!“ Ich rufe aus: „Zwischen den Löwen, Nashörnern und Leoparden?“ Sie winkt ab: „Ach, das ist kein Problem. Bewaffnete Ranger begleiten die Läufer. Außerdem fliegt ein Helikopter vorneweg und guckt, ob der Weg frei ist. Ich will wissen, ob es bereits als Kind Sisis Traum war Rangerin zu werden. Sie schüttelt den Kopf: „Nein, nein, das war es auf keinen Fall!“ Und fügt ironisch hinzu: „Bin ich ein Mann?“









Weitere Heldengeschichten erscheinen in meinem Buch „Heroes of good hope“.










































































































































