Go West!

Neulich bei den Weltenbummlern

cropped-img_1658-1-e1516041873711.jpg

Mein Mann reicht fristgerecht seine Elternzeit ein. Wir wollen wie früher in den Semesterferien die Welt erkunden. Sein Chef bekommt einen cholerischen Anfall, der dann doch überrascht. Gerade noch hatte er meinen Mann in einem Gespräch über seine Gehaltserhöhung, als quasi überflüssig und teuerste Sekretärin der Welt bezeichnet und auf einmal lässt mein Mann das Unternehmen als Führungskraft im Stich. Sein Chef ist jedoch nicht nur in dieser Hinsicht von meinem Mann enttäuscht, sondern auch fachlich im Allgemeinen und persönlich im Besonderen. Wie man denn Elternzeit nehmen könne, wenn man bei so einem tollen Unternehmen arbeiten dürfe. Auf diese Idee wäre in seinem Unternehmen, mit immerhin 400 Mitarbeitern, noch nie jemand gekommen. Der Mann hat selbst drei Kinder, aber bei ihm zu Hause ist die Welt noch in Ordnung. Seine Frau kümmert sich allein und in Vollzeit, um die Aufzucht seines Nachwuchses. Wenn es möglich gewesen wäre, hätte er meinen Mann fristlos entlassen. Doch zu seinem Pech hält heutzutage der Gesetzgeber schützend seine Hand davor. Der Chef droht, er werde die Kündigung pünktlich am Ende der Elternzeit nachholen, falls mein Mann seine Meinung nicht ändere. Und er tobt weiter, dass er bis dahin schon eine Aufgabe für meinen Mann als teuersten Fußabtreter der Welt finde. Das ist nun doch immerhin halbwegs originell, wenn man bedenkt, dass im Jahr 2016, in einem Land, das weltweit zu den Technologieführern zählt, dieses Unternehmen doch tatsächlich einen Umsatz im achtstelligen Bereich mit Teppichauskleidungen für Autos sowie Wandtapeten  macht. Dem Staat sei Dank, dass dem forschen Herren was die Kündigung betrifft, zumindest für die Zeit, in der wir als fünfköpfige Weltenbummler unterwegs sein wollen, die Hände in Schellen gelegt sind. Unser Erspartes hätte allein für die Flüge sein Ende gefunden und wir wären vermutlich elf Wochen auf einer working-farm im Wilden Westen Kanadas, irgendwo im Niemandsland verschwunden, um unsere Bleibe und unser täglich Brot zu verdienen. So gesehen haben wir die erste Klippe zwar mit etlichen Wunden, aber immerhin erfolgreich erklommen.