Go West!

Fernweh

Es hat uns gepackt: Das Kanada-Fieber! Ich hielt das nie für möglich und glaubte mich immun! Sicherlich, wir haben eine Hütte in Schweden, unsere Familie ist dort verwurzelt und wir lieben Skandinavien. So ganz abwegig ist es daher nicht. Aber die Leute, die von Kanada schwärmten, verstanden wir nie ganz. Für uns war das ein Land mit kalten, verregneten Sommern, endlosen Wäldern, Mückenschwärmen und Bären, denen man mit kleinen Kindern lieber nicht begegnet. Aber unser letzter Sommer in Nordamerika sah ganz anders aus: Wir badeten im Meer bei mediterranen Temperaturen, erlebten grandiose Wandertouren durch abwechslungsreiche Landschaft und machten zahllose Tier-Bekanntschaften zum Vergnügen unserer Kids. Nur die Mücken-Attacken bewahrheiteten sich. Unsere Kleinen spielten nach der Reise jeden Tag: Wir reisen nach Kanada. Sogar als wir in Schweden waren! Im Spiel sitzen wir mal wieder angeschnallt im Wohnmobil und mein Sohn fährt, er spielt die Mama. Sein Bruder sitzt auf dem Beifahrersitz und sagt: „Es wird Zeit für eine Pause. Die Kinder hinten quengeln. Ich kaufe uns ein Eis, an der nächsten Tanke. Du siehst aus, als ob du einen Kaffee vertragen könntest. Danach löse ich dich ab. Haben heute ja noch einiges vor uns.“ Er spielt den Papa. Wir fragen sie verwundert: „Aber war das denn schön für euch, diese lange Fahrerei?“ „Jaaaaaaa!“, brüllen sie wie aus einem Munde und strahlen uns an. Wir geben uns geschlagen. Es geht in den ersten Sommerferien unserer Tochter nach Kanada! Wir fliegen diesmal bis Boston. Der Flug kostet nur die Hälfte, im Vergleich zu einem nach Halifax. Das bedeutet, dass wir in die USA einreisen, das schmeckt uns gar nicht! Aber auch die Mietwagen-Preise sind in den USA günstiger. Wir fahren eine längere Strecke nach Kanada, kommen mit dem Pkw aber auch besser voran, hoffen wir zumindest! Außerdem können so Long Island neu entdecken und New York endlich mal wieder einen Besuch abstatten. Und diesmal zelten wir wirklich! Das schließt die Parks ganz im Norden, im französischen Teil Kanadas, aus. Denn dort kommen die Bären auf den Campingplatz. Einmal zeltete ich an der Westküste in einem Nationalpark mit möglichem Bärenbesuch. Ich lag sicher in der Mitte des Zeltes, zwischen zwei Männern. Unsere Essensvorräte verstauten wir in den Bärensafes der Nationalparkverwaltung. Trotzdem schlief ich die ganze Nacht über nicht und es lag nicht an den Männern! Nein, danke!
Im Kouchibouguac Nationalpark umgehen wir das Problem, indem ich online ein oTENTik reserviere. Das ist ein festes Zelt, vergleichbar mit einer Jurte, welches auf einem Holzplateau steht. Drinnen finden sich richtige Betten für sechs Personen, Tisch und Stühle. In einem kleinen Kochzelt davor gibt es einen Herd, Geschirr und alle Utensilien die ein Chef de Cuisine so braucht. Außerdem befindet sich eine Picknick-Tisch-Bank mit Feuerstelle auf unserer Camp Site. Wir bewunderten diese Zelte schon neidisch bei unserer Reise im letzten Sommer und freuen uns auf den Komfort, der vergleichbar mit dem einer Hütte ist.
Ein geräumiges Zelt besitzen wir schon. Einen großen Gaskocher kaufen wir. Der kleine Sturm-Kocher, zum Wandern perfekt und mit Alkohol befüllbar, den es in jeder Apotheke gibt, reichte schon für uns zu Zweit kaum. Nudeln kochen war jedenfalls anstrengend. Ein Probezelten auf Amrum ist Pflicht. Tagsüber ist alles gar kein Problem, die Nächte sind bannig kalt. Eine Daunenjacke, gilt es also für alle Fälle einzupacken, denn der vergangene Sommer in Kanada sprengte hinsichtlich heißer Temperaturen alle Rekorde. Ein Sommer, wie wir ihn aus Schweden kennen, ist dieses Jahr durchaus drin. Wir wanderten in Skandinavien im Hochsommer schon bei Schneeregen im Fjäll…
Aber wer im Mai bei Sturm auf Amrum nicht wegweht und wem zehn Grad nichts anhaben können, der schafft es auch in Kanada!

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