Kindermund tut Wahrheit kund oder…

…feiert Geburtstag

km feiert Geburtstag

Als ich meine Zwillinge frage, wie alt sie an ihrem Geburtstag werden, antworten sie wie aus einem Mund: „Fünf!“ Unter uns, sie werden drei. Aber die Jungs, die sie im Kindergarten bewundern und einladen wollen sind: fünf! Mein Mutterherz krampft jetzt schon, weil die Großen sicherlich wegen „wichtiger Termine“ absagen…
Geburtstag feiern ist eine aufregende Sache und die Vorbereitungen beginnen entsprechend schon Wochen zuvor. Also nicht meine, sondern die der Kinder! Die ältere Schwester packt alle möglichen Gegenstände, die sie in ihrer Krimskrams-Schublade findet, wie einen Teller zum Jonglieren, Seifenblasen und ein Schnitzmesser, wahlweise in Geschenkpapier, Küchenrolle oder Servietten. Dafür braucht sie viel Geschenkband, notfalls geht’s allerdings auch mit reichlich Flüssigkleber oder Tesafilm. Wenn sie dann alles zufriedenstellend verpackt hat, stopft sie es in ihre Schultüte und spielt Bescherung. Und wehe, ja wehe, der oder die Beschenkte, freut sich nicht wie verrückt über den Plunder. Es ist auch nicht ratsam, sich über backsige Hände zu beschweren oder mit dem Einwand zu kommen, dass dies ja ein großes Durcheinander sei, welches Bitteschön auch wieder aufgeräumt werden müsse. Sofort fiele unsere Sechsjährige zurück in die Kleinkind Trotzphase und würde sich schreiend auf dem Boden wälzen. Aber zum Geburtstag gehören nicht nur Geschenke sondern auch Luftballons – die alle ich aufzupusten habe. Zahllose erliegen den Jagdversuchen unserer Katzen, weitere platzen, weil die Jungs, der schönen Geräusche wegen, hinein kneifen und etliche fristen ihr Dasein, weil sie im Kampf der heftig miteinander streitenden Brüder im Weg sind. In diesem Fall ist es daher glücklich bereits Wochen vorher zu beginnen, so bekomme ich bis zum Geburtstag eine kleine Traube Ballons zusammen. Auch Kuchen gilt es zu backen! „Wir backen gleich Mumffins oder was anderes“, erklärt mein Kleinster mit wichtiger Mine. Für Omas und Opas Besuch. Für die Kinderfeier. Für den Waldkindergarten. Noch nie konnten oder wollten sie sich unsere Gäste durch das umfängliche Angebot essen, aber das hält meine drei Kinder nicht davon ab, wieder Kuchenberge zu produzieren. Die bereits Wochen vorher zubereiteten, frieren wir ein. Bei uns im Keller steht seit anderthalb Jahren ein, eigens für solche Anlässe angeschaffter, Gefrierer. Einladungen malen und basteln unsere Kinder ebenfalls sehr gerne. Und bis endlich eine gelingt, die sie nicht gleich wieder verwerfen, kann Zeit ins Land gehen. Ganz wichtig ist, dass sie allen gefällt. Die Zwillinge können nicht anders als sich abzustimmen, aber meine Tochter redet auch ein Wörtchen mit. Da es eine Faschingsparty gibt, basteln sie einen „Yakari“. Ihre Cousine kreierte ein paar Jahre zuvor ebenfalls so eine Karte und der „kleine Indianer“ ist bis heute ein Hit. Ich frage, wen meine Jungs einladen wollen. „Yakari und alle Jungs die im Wald sind, Mama!“ findet mein Jüngster. Aber leider haben wir Eltern die unsinnige Regel aufgestellt, dass jedes Kind, so viele Gäste einladen kann, wie es Jahre alt wird. Das sind immerhin sechs, denn die Jungs werden jeder drei Jahre alt. Ein Grund zum Freuen? Nein, es gibt dreifaches Wutgebrüll mit Tränen! Meine Tochter findet es ungerecht, sie konnte auch nur sechs Kinder an ihrem letzten Geburtstag einladen. Mein einer Sohn ist beleidigt, weil sein Bruder das einzige Mädchen eingeladen hat. „Ich will lieber Liv einladen, die möchte ich nämlich heiraten“, brüllt er. Er müsste sich dafür aber von einem anderen Kind trennen. Und er hat schon zwei große Jungs eingeladen. Die nimmt ihm dann vielleicht sein Bruder weg… Zwischenzeitlich fragt mich ein Freund, ob die große Schwester einer der eingeladenen Kinder nicht auch mit kommen könne. Und obwohl er mein „Nein“ nicht verstehen wird, eröffne ich auf keinen Fall noch mal eine neue Debatte darüber wer beim Fest dabei ist! Und dann eine Phase des Friedens: Alle, wirklich alle eingeladen Kinder sagen zu. Auch die coolen fünfjährigen Jungs. Sie sind glücklich meine Kleinen. Und ihre große Schwester mit ihnen. Jetzt fehlt nur noch ein Indianerschatz, Kostüme und – „die Gäste Mama, wann kommen die Gäste? Morgen?“ „Nein, mein Schatz, die Gäste kommen nicht morgen sondern nächste Woche, also noch sieben mal schlafen…“
Die Feier glückt, mit Schnitzeljagd, Topfschlagen und Masken basteln. Die Kindergartenfreunde schenken zwei Fußbälle, so dass die Zwillingsbrüder keinen Grund zum Streiten haben. Als alle Gäste zu Hause sind und die Kinder ins Bett zu gehen, sagt mein Sohn: „Ich will mit meinem Puzzle-Buch schlafen gehen“. Nun ist der Spuk für ein Jahr vorbei? Meine Tochter raubt mir alle Hoffnungen: „Mama, jetzt bereiten wir den Geburtstag für unsere Kätzchen vor, die werden ein halbes Jahr alt und Pettersson und Findus feiern auch drei mal im Jahr den Geburtstag des Katers!“

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