Kindermund tut Wahrheit kund oder…

…will eine Katze!

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„Wau, wau, wau“, ruft meine Tochter laut und springt auf eine Katze zu. Diese flüchtet und lässt sich nicht mehr blicken. Für meine kleine, zweijährige Tochter ist es Liebe. Wir urlauben in einer Finca auf Mallorca und in dem 500 Jahre alten Innenhof wimmelt es nur so vor Katzen. Unsere Tochter lauert ihnen stundenlang auf, lockt sie mit Futter und bleibt der Katzenschreck. Ihre Begeisterung für die „kleinen Tiger“ schmälert das kein bisschen. Im Gegenteil und sie wird geschickter. Mit fünf Jahren ist sie tatsächlich zur Katzenflüsterin geworden. Jeder noch so verstörte Streuner lässt sich streicheln und oft sogar nur von ihr. Sie fordert ein eigenes Kätzchen, aber mein Mann schiebt seine Katzenhaar-Allergie vor. Als die beste Freundin meiner Tochter ein Jahr später eine Babykatze bekommt, obwohl ihr Papa eine Allergie hat, lässt sie keine Ausrede mehr gelten. Die Rasse Selkirk Rex produziert kaum allergene Proteine und verliert weniger Fell. Mein Mann fährt also zur Katzenschau, reibt sich Haare in Augen und Nase, dann wartet er: Nichts! Meine Tochter verliebt sich gleich in eine kleine Tigerkatze, mein Mann in einen dicken, schwarzen Kater. Sie kommen freudestrahlend nach Hause und verkünden: „Wir haben gleich zwei Kätzchen genommen!“ Wow, das ging fix und ist mir fast zu viel. Zum Glück säugt die Katzenmutter noch ein Weilchen, so dass ich Zeit zum Verdauen habe. Meine Tochter hingegen ganz eifrig: “Mama, wir brauchen Katzenfutter, Fressnäpfe, Trinkschalen, einen Kratzbaum, Käfige für den Transport, Decken für den Schlafplatz, Katzenklos, Streu, Halsbänder, auch mit Glöckchen, Spielzeug, Leckerlies, eine Katzenklappe und eine Leine!“ Eine Leine? „Klar, ich will doch überall mit meinen Katzen hingehen können.“
Wir dachten uns, dass es Stallkatzen werden, die im Nebengebäude, in unserem Garten wohnen. Dort hielten die Vorbesitzer vor 50 bis 100 Jahren Schweine, Hühner und Kaninchen. Das wäre perfekt geeignet. Aber die Katzenbesitzerin klärt uns auf, dass Kitten, so das Fachwort für Babykätzchen, im Winter nicht draußen wohnen könnten. Ihr Fell sei noch nicht dick genug. „Toll, dann wohnen sie drinnen bei uns!“, ruft unsere Tochter freudestrahlend. Toll, wirklich, ja!
Fortan dudelt aus allen Lautsprechern Helge Schneiders „Katzenklo, Katzenklo, ja das macht die Katze froh“ und alle drei Kinder grölen laut mit. Die Kätzchen kommen nach unserem Urlaub, so der Plan. Anfang Dezember erhalten wir die Nachricht, dass die Kitten nicht mehr gesäugt würden und sich ein neues Rudel suchen und das wären nun mal wir! Wir mögen sie bitte abholen. Okay…
Über ihre Zwillingsbrüder hat sich unsere Tochter kaum mehr gefreut. Sie schmust und streichelt und spielt den ganzen Tag mit ihren Kätzchen. Sie sucht die Namen selbst aus und nennt sie Ronja Räuberkatze und Rudi Schnurrdibur. Unser kleiner Sohn sagt: „Da ist der kleine, schwarze Panther“, wenn er Rudi sieht. Aber sie sind sehr zahme Schmusekätzchen. Sie warten schon auf unsere Tochter, wenn sie aus der Schule kommt und lassen alles mit sich geschehen. Während unseres Urlaubes kommen Ronja und Rudi noch mal zu ihrer Katzenmama und unsere Tochter ist todunglücklich. Sie hat nur einen einzigen Wunsch: „Der Weihnachtsmann soll meine Kätzchen nach Schweden fliegen!“
Die ersten Tage, in denen die Kitten bei uns wohnen, säubert unsere Tochter begeistert das Katzenklo, stellt dreimal täglich frisches Fressen und einmal Wasser hin. Dann übernehme ich. Und ein paar Wochen schaffe ich auch locker. Schließlich reinigt das Klo, füttert die Kätzchen und stellt ihnen Wasser hin: Papa! Ja, tatsächlich an meinem Mann, der eigentlich gar keine Streuner haben wollte, bleibt die Arbeit hängen. Wenn abends alle außer ihm schlafen, danken sie’s ihm, indem sie sich schnurrend auf seinen Schoß legen. Unsere Tochter freut sich: „Na siehst Du Papa, so hast du doch auch was Schönes bekommen!“

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