Ramin und Tilda

Freunde für immer und ewig

Illustrationen: Lykka Kühne

Tilda ist zehn Jahre alt, stumm und ausgegrenzt, weil ein Schweigegeist auf ihrer Schulter sitzt. Sie ist krankhaft schüchtern und leidet an Mutismus. Die Kommunikationsstörung ist dem Autismus ähnlich und wird oft nicht richtig erkannt. Sie tritt meist mit einer Sozialphobie sowie Angststörung auf. Es sind größtenteils Kinder betroffen, darunter häufiger Mädchen. Tilda geht auf ein musisches Gymnasium in eine Gesangsklasse. Ihre Mutter ist ängstlich, wie viele Eltern mutistischer Kinder. Tildas Vater übernimmt den Typus eines, unter therapeutischen Gesichtspunkten, idealen Elternteils. Er ist offen, der Therapeutin zugewandt und lernwillig. Die Logopädin ist auf die Behandlung mutistischer Kinder spezialisiert.

Tilda durchläuft den idealtypischen Verlauf einer Heilung. Möglich wird dies im Zusammenspiel zwischen Eltern und Therapeutin, vor allem aber durch den ersten Freund in Tildas Leben: Ramin.

Ramin ist ein zehnjähriger Junge, der mit seiner Familie aus Afghanistan flüchtete. Die Familie gehört einer stark verfolgten muslimischen Minderheit an. Seine Eltern verloren alles, bangten um ihr Leben und sind traumatisiert. Obwohl seine Familie in Deutschland in Sicherheit lebt, leidet sie unter posttraumatischen Belastungsstörungen.

Ramins Eltern reicht der geringste Anlass als Trigger und sie müssen zwanghaft umziehen, damit sie sich wieder sicher fühlen.

Zudem begegnen sie Menschen, die ihnen gegenüber nicht tolerant sind. Für Ramin und seine Geschwister bedeutet dies, dass sie noch keine Freunde in Deutschland fanden. Die Eltern leben isoliert und haben sich damit abgefunden.

Ramin trifft auf dem Schulhof Tilda. Er erkennt sofort, dass sie sehr schüchtern und einsam ist. Vorsichtig nähert er sich ihr.

Bild: Lykka Kühne

Dabei kommt ihm zu Gute, dass er unerschrocken ist und sich weder von Tildas Sprachlosigkeit, noch ihrer abweisenden Körperhaltung beeindrucken lässt. Ramin spricht ganz offen Tabus an. Langsam öffnet sich Tilda. Der Junge bleibt am Ball. Als sie gemeinsam nach der Schule zu Ramin gehen, treffen sie dort auf ein großes Durcheinander. Die Hühner der Familie sind tot und überall ist Blut. Die Mutter ist retraumatisiert, der Vater psychisch labil, die Geschwister leiden unter dem Druck der Verantwortung, den sie ihren Eltern gegenüber verspüren. Tilda nimmt all ihren Mut zusammen: Es gelingt ihr, in Gegenwart Fremder zu sprechen. Die Familie spürt dank des Mädchens zum ersten Mal in Deutschland Frieden.

Tilda schafft es Ramins Familie von einem weiteren Umzug abzuhalten. Die Freundschaft der Kinder vertreibt den Schweigegeist und hilft Ramins Familie.

Lykka Kühne verscheuchte selbst erfolgreich einen Schweigegeist. In ihren Bildern drückt sie aus, wie sie sich dabei fühlte. Sie schenkte Anke Kühne zum Geburtstag ein selbstgebasteltes Heft und fragte: „Mama, schreibst du auch mal ein Buch für Kinder?“ Sie bekam Ramin und Tilda dann zu ihrem eigenen Geburtstag geschenkt.

Das Kinderbuch erscheint im Novum Verlag.

https://twitter.com/ankekuehneauto1?lang=de

ENTSTEHUNGSGESCHICHTE
…auf einer Fahrt durch Schweden hatte ich die Geschichte plötzlich im Kopf. Auf der Rückbank im Auto sitzend, schrieb ich erst mein Notizbuch voll, dann auf Knäckebrotpapier weiter und schließlich auf einer Tüte, die wir bei einer Pause in Waynes Coffeeshop erhielten…

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