Go West!

Niagara Falls

Niagara Falls

Die Fahrt beginnt. Unser Wohnmobil bildet ein kleines Luxushaus auf Rädern, mit Toilette, Waschbecken und sogar Dusche mit Warmwasser. Das Schlafzimmer besitzt ein richtiges Doppelbett sowie einen winzigen, beleuchteten Kleiderschrank. Die Kinder lieben es, auf das Hochbett mit der Leiter zu klettern und die kleinen Gardinen zu öffnen und zu schließen. Die Küche verfügt neben dem Gasherd, auch über einen Backofen und sogar eine Mikrowelle. Außerdem gibt es eine Kühl-Gefierkombination, die so groß ist, wie in unserer ersten gemeinsamen Wohnung. Leider passen unsere zahlreichen Koffer nicht ins neue Zuhause und wir lassen die ersten beiden gleich an der Vermietstation zurück. Die weiteren Koffer stehen die nächsten Tage durchwühlt vor unserem Wohnmobil. Sie sind der Hingucker des Campingplatzes. Besonders Kinder bleiben mit offenen Mündern stehen und rätseln, was wir da alles mithaben, während ihre Mütter und Väter sie weiterzuziehen versuchen.
Für den Platz auf unserem ersten Campground werde ich gefragt, ob ich ein Zelt, ein Zelt mit Auto, ein Zelt mit Truck, ein Zelt mit Campervan oder ein Motorhome habe. Ein Wohnmobil also, mit wie viel Fuß Länge? Oha, da brauche ich etwas Zeit zum Nachrechnen… Wie viel Ampere wollen wir, 15, 30 oder 50? Und möchten wir eine „ride-truh-pull-site“? Eine was bitte? Einen Stellplatz mit extra viel Platz zum Ein- und Ausparken sowie der Möglichkeit durchzufahren, also ohne Rückwärtsfahren zu müssen? Ja, bitte, unbedingt! Ich gucke mir die entsprechenden Stellplätze auf dem Lageplan an, jeder einzelne ist mit Foto versehen und dann zahle ich 50 Euro pro Nacht! Du meine Güte, ich wollte den Platz doch nicht kaufen. Dafür stehen wir jetzt direkt vor dem Trampolin, in unmittelbarer Nähe des Pools und dem Spielplatz. Unsere Kinder freut’s!
Am nächsten Morgen fahren wir zu den „donnerden Wassern“, so nannten die Irokesen die Niagara Fälle. Wir fahren, für mich überraschend, nur anderthalb Stunden von Toronto. Ich hatte die Fälle entlegener erwartet. Gischt erfüllt die Luft und hüllt alles in einen leichten Nebel, es riecht würzig wie am Atlantik, das Wasser schimmert türkis-grün. Die kanadischen Horseshoe Falls sind rund 60 Meter hoch und fast 700 Meter breit. Es wäre wunderschön, doch der Rummel darum herum erstickt die Anmut des Naturschauspiels. Doch ich täusche mich, denn es handelt sich gar nicht um Natur, sondern um ein kleines Las Vegas. Von einem hässlichen und großen Plateau direkt vor dem Panorama, rasen immer drei Personen gleichzeitig, laut kreischend mit einem Karabiner an einer Zippline befestigt, entlang des Ufers auf die Fälle zu. Alternativ können Touristen auch mit dem Fahrstuhl zum Fuß der Wasserfälle fahren. Die gesamte Uferpromenade ist einbetoniert und bildet den Teil einer Stadt. In Niagara on the Falls auf kanadischer Seite, reiht sich eine Imbissbude an die nächste, Souvenirläden verstopfen Straßen und Wege. Ein Riesenrad, blinkende Leuchtreklame sowie Glücksspiel erwartet die Besucher und die scheinen es zu lieben. Aneinandergereihte Hotels in Wolkenkratzern entstellen die Kulisse der Niagarafälle zusätzlich. Über den „donnernden Wassern“, fliegen heute donnernde Helikopter für zehnminütige Rundflüge. Zu Fuß der Fälle sind unzählige Boote unterwegs, an Board dichtgedrängt Touristen in quietschroten Regencapes auf kanadischer Seite sowie leuchtend blauen Regencapes auf Seite der Vereinigten Staaten Amerikas. Denn die Niagara Falls bilden die natürliche Grenze. Doch auf kanadischer Seite ist die Sicht auf die Fälle besser, weil sich die Wassermassen von den USA nach Kanada abwärts ergießen. Auf US-amerikanischer Seite findet sich der gleiche Rummel noch einmal.
In den 1950er Jahren begann der Bau der ersten Kraftwerke. Die Wassermassen fließen oberhalb der Fälle in unterirdische Kanäle, die Turbinen zur Stromgewinnung betreiben. Nur die Hälfte der Wassermassen und nachts sogar nur ein Viertel, erreichen noch die Niagarafälle. Sie ergießen sich ausschließlich – vertraglich gesichert – für die Touristen.
Mein kleiner Sohn zeigt mit seinem Finger auf die Boote und ruft: „Vögel, Vögel“. Aus der Ferne mutet die Szenerie tatsächlich an Kanarienvögel zu Wasser an. Vielleicht empfinde ich nicht so konservativ und öffne mich dem modernen Naturwunder.
Des Nachts träume ich, in einem quietsch-gelben Regenumhang eine Wasser-Loopingbahn zu fahren. Am nächsten Morgen beschließen wir weiterzufahren, in unseren ersten Nationalpark Kanadas.

Go West!

Toronto

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Meine Oma schwärmte von der Stadt in Übersee. Sie besuchte ihre Cousine Dorie, die nach dem Krieg auswanderte und einen Kanadier heiratete. Er war Schiffsbauer, sie Unternehmerin. Zusammen wurden sie Millionäre, mit dem Verkauf von Segeljachten. Ich bedauere zutiefst keinen Kontakt zu meiner Tante Dorie aus Kindheitstagen zu haben, als ich die Hotelpreise in Toronto studiere. Halbwegs zentral gelegen, für fünf Personen und gerne mit Frühstück, kosten rund 250 Euro die Nacht. Wow, in diesem Punkt ähnelt die Stadt tatsächlich New York, mit der sie sich selbst so gern vergleicht. Filme, die in New York spielen, werden hier gedreht, weil es günstiger ist und die Skylines verwechselbar sind. Unser Zimmer ist so winzig, dass das Gepäck nicht hinein passt. Der nette Concierge, der sich darum kümmert, besorgt uns ein Appartement mit zwei Schlafzimmern, Küche und reichlich Platz für all unser Gepäck – ohne Aufpreis! So lässt es sich leben. Unsere Laune steigt. Das Hotel versucht sich ein grünes Image zu geben und verspricht für jeden Tag, den wir das Zimmer nicht reinigen lassen, einen Baum zu pflanzen. Wir erleben die Stadt an ihren ersten schönen Sommertagen. Toronto ist grün, mit viel Wasser, die Leute entspannt und freundlich. Die Kanadier sind begeistert von unseren drei Kleinen und bekunden uns dies unentwegt. Im Hafen gibt es einen kleinen Swimmingpool, auf dem Kinder Tretboot fahren können. Außerdem planschen unsere Lütten begeistert mit ihren Füßen darin, während wir den Blick entspannt auf den dahinter liegenden Lake Ontario gleiten lassen. Na bitte, geht doch! Die meisten Gebäude der rund sechs Millionen Einwohner zählende Metropole  sind neu, aber es gibt zwischendurch immer wieder interessante alte Gebäude. Wie das 1845 errichtete Fachwerkhaus des St. Lawrence Market. Es beherbergt mehr als 50 Feinkoststände, mit Käse, Antipasti, Backwaren, Muscheln, Weinen, Honig und selbst hergestellter Pasta. Die Leute essen direkt an den Ständen, die Stimmung ist laut und ausgelassen. Gesichtsgebend für die Stadt, ist auch das einem Schloss ähnelnde Hotel Fairmont Royal York. Die Pacific Railway errichtete es 1929 direkt gegenüber dem Hauptbahnhof. Heute stehen auf der Dachterrasse Bienenstöcke. Während unseres Aufenthaltes gibt es ein Baseballspiel der Toronto Blue Jays gegen die L.A. Angels und es sind noch Karten zu haben. Seitdem rennt unsere Tochter nur noch mit einem Cap der Blue Jays herum, auf dem ein Blauhäher aufgestickt ist. Quer durch die Hotellobby werfen die Concierges unserem Mädchen und den Jungs daraufhin mit Begeisterung Spielbaseballs als Geschenke zu. Respekt, so viel Sport- und Kinderbegeisterung habe ich persönlich noch in keinem anderen Hotel erlebt. Wir besichtigen den Canadian National Tower, einen Fernsehturm und das ehemals höchste Gebäude der Welt. Von dort haben wir einen phantastischen Ausblick auf den Ontario See, der einem Meer gleicht: am Horizont kein Land in Sicht. Es gibt einen Glasfußboden, mit Blick in die Tiefe. Unsere Tochter legt sich sofort begeistert darauf. Die Kanadier finden sie sehr mutig. Von hier oben lässt sich gut erkennen, dass Toronto mit New York nicht mithalten kann. Der Financial Distrikt, mit seinen glasverspiegelten Hochhausfassaden, ist flächenmäßig deutlich kleiner. Auf unseren Rundgängen wirkt die Stadt nicht annähernd so multikulturell wie New York. Aber immerhin scannt man im Biosupermarkt seine Waren bereits selbst. Unvorstellbar, dass Hemingway vor rund hundert Jahren bei seiner Versetzung nach Toronto, von der langweiligsten Stadt der Welt berichtete. Und Liz Taylor sowie Richard Burton in den 1960er Jahren keine Bleibe fanden, weil sie nicht verheiratet waren. Oder dass bis vor 20 Jahren der Ausschank von Alkohol an Sonn- und Feiertagen in der Stadt verboten war. Dazu passt jedoch, dass Toronto als eine der sichersten Städte der Welt gilt. Genau das richtige also, um mit Kindern erst mal anzukommen.

Go West!

Los geht’s!

Los gehts Klein

Wir wollen uns während der Reise treiben lassen. Auch wenn uns die Dame aus dem Reisebüro dringend nahelegte, auf den Campingplätzen zu reservieren. Besonders an der Ostküste der USA sei es in den Sommermonaten richtig voll. Auch in Kanadas maritimem Osten seien die schönsten Plätze der Nationalparks dann ausgebucht. Aber unser Motto ist: wenn schon Wohnmobil, dann Freiheit. Als ich nach Reiseliteratur recherchiere, finde ich fast ausschließlich Bücher über Kanadas angeblich menschenleeren Westen. Ich lese, dass zwei Frauen in British Columbia auf den völlig überfüllten Campingplätzen der Nationalparks kaum unterkamen. In diesem Augenblick fühle ich zum ersten Mal die Gewissheit, dass wir uns für die richtige Seite entschieden haben.
Ich gebe ungern zu, dass ich in den letzten Wochen vor unserer Reise oft dachte, warum der ganze Stress? In der Spielgruppe meiner Zwillinge, erzählt eine Mutter von zwei Monaten Florida während des Hamburger Herbstes mit Schietwedder. Sie mieteten eine Ferienwohnung mit eigenem Pool auf der Terrasse. Die Kinder planschten darin die ganze Zeit zufrieden. Die Tochter, im selben Alter wie meine, lernte ganz nebenbei schwimmen. Die Eltern ließen derweil den Blick über Pool und Kinder hinweg auf’s dahinterliegende Meer schweifen. Als ich mit einer Freundin einen Cappuccino trinke und ihr davon berichte, schaut sie mich amüsiert an und stellt fest: „So seid ihr nur mal nicht!“ Die letzten Tage vor der Abreise hegte ich den Wunsch, das ganze Abenteuer einfach abzusagen. Wir erzählen niemandem ein Wort und verbringen stattdessen eine entspannte Zeit zu Hause. Am Tag des Abfluges scheint in Hamburg ausnahmsweise mal die Sonne. In unserem Garten blüht alles, der Himmel ist knalleblau. Zum Abschied schaukle ich eine Runde mit meiner Tochter. Richtig wehmütig bin ich, als es Zeit ist, aufzubrechen! Ich gehe mit den Kindern zu Fuß zum Flughafen, während mein Mann mit einem sehr netten Fahrer das Gepäck ins Taxi prügelt. Der Flug bis Reykjavik ist kurzweilig, die Kinder bester Laune, die Stewardessen so nett mit ihnen, wie ich es noch nie erlebte. Beim Landeanflug schüttelt der Wind unsere Maschine heftig durch. Das habe ich zum Glück ebenfalls noch nicht durchgemacht. Dann folgt etwas, das sich für mich wie eine Evakuierung anfühlt: Wir können nicht aussteigen, weil es zu sehr stürmt. Ein Tunnel ist nicht frei und es besteht die Gefahr, dass Windböen die Treppe erfassen und es zu Unfällen käme. Wir warten eine Stunde an Board der Maschine, während der Wind heftig am Flugzeug rüttelt. Unsere drei Kinder brüllen jetzt. Endlich kämpft sich Bodenpersonal in raumfahrtähnlichen Anzügen die Treppe zum Flugzeug hoch und weht dabei selbst fast weg. Ich fühle nun langsam Angst in mir hochsteigen. Wie soll ich da bloß mit den Kleinen raus? Als wir an der Reihe sind, schreien unsere Kinder hysterisch. Sie wollen sich nicht vom Bodenpersonal auf den Arm nehmen lassen. Ich versuche es selbst. Die Mütze meines kleinen Jungen weht weg, er verstummt. Er kann sich nicht selbst auf den Beinen halten. Ich versuche ihn zu tragen, kann es aber nicht. Jetzt reißt ihn mir jemand vom Bodenpersonal aus dem Arm und trägt ihn mit lauten Mama-Rufen die Treppe runter zum Bus. Mein Mann hat unseren anderen Sohn auf dem Arm. Ein Mann weiterer Mann trägt unsere Tochter. Der Wind peitscht uns den Regen ins Gesicht, bei knapp über Null Grad. Es tut richtig weh. Ich bin fassungslos und sage im Bus zu meinem Mann: „So habe ich mir allenfalls eine Notlandung vorgestellt, aber nicht ein Umsteigen auf Island.“ Ein neben mir stehender Isländer lacht und meint, es komme sonst nicht vor. Ich wünsche mich nach Hause in meine Hängematte.

Go West!

Vom Traum zur Reise

Womo Lykka

Auf einer Farm im Niemandsland Westkanadas zu arbeiten, scheint ganz plötzlich unglaublich attraktiv. Auch der Gedanke, sich den Inlandflug zu (er-)sparen und den Kontinent mit dem Auto über den Trans-Kanada-Highway zu queren, wirkt auf einmal spannend. Wie konnten wir nur so ignorant sein und mehrere Tage Fahrt durch Wald und Wald und Wald nicht reizvoll finden? Erst der Blick auf die Landkarte, nein ich gebe es ja zu, erst die Eingabe beim führenden Online-Kartenanbieter, gibt mir Aufschluss darüber, dass der Trans-Kanada Highway von Ost nach West, DREIMAL so lang ist, wie die Route 66 in den USA. Doch, ich habe im Erdkunde-Leistungskurs aufgepasst. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als den Westen Kanadas zu streichen. Ich weiß nicht, wie ich das meinem Mann beichte. Er liebt die Rocky Mountains, seit er sie mit seinen drei besten Kumpels vor 20 Jahren erkundete. Ich kann ihm sagen, dass sich seitdem viel getan habe und die Rockies bestimmt nicht mehr die Alten sind. Er ist es ja auch nicht. Das Dosenbier zum Frühstück, trinkt er zum Beispiel nicht mehr. Ich kenne das ja selbst, dass man sich früher so manch eine Liebe schön getrunken hat… Also bereisen wir nur den Osten. Wie langweilig. Aber das „Schön-Trinken“ ist mit kleinen Kindern definitiv keine Option! Gut, erstmal storniere ich alle noch so hübschen Hütten, ganz gleich ob sie sich Chalet oder Cottage schimpfen. Die Übernachtungen in einem der berühmtesten Leuchttürme der kanadischen Ostküste – ja, ich weiß, es gibt unzählige –  reduziere ich auf eine einzige. Ich bringe es nicht übers Herz, meiner kleinen Tochter, die sich seit langem auf eine Übernachtung im Leuchtturm freut, dieses Erlebnis zu nehmen. War ich doch selbst schon eine erwachsene Frau, als sich für mich dieser Traum während eines freiwilligen Dienstes im Wattenmeer endlich erfüllte. Und sie zählt zu einer meiner schönsten Nächte – derer, die ich allein verbrachte natürlich! Die liebenswerte junge Dame aus dem Reisebüro beteuert, dass es für Kinder viel beruhigender sei, wenn sie immer in der gleichen Unterkunft schliefen: in einem Wohnmobil. Und dass die günstigen, staatlichen Campingplätze landschaftlich deutlich reizvoller lägen, als die mit Full Service, sprich Stromanschluss, Wasserzufuhr und Entsorgungsmöglichkeiten. Zudem bekomme man auf staatlichen Campingplätzen selbst in der Hauptsaison, ohne Reservierung einen Platz. Wen wunderst? Denke ich mir. Den Osten ganz gründlich und in Ruhe zu bereisen, das könne sie sich sehr gut vorstellen! Sie wissen gerade auch nicht en détail, wo wir Halt machen könnten, aber das läge nur daran, dass sie bisher immer im Westen Kanadas unterwegs war. Wieso denn bloß? Diese Neugier behalte ich besser für mich. Die Antwort würde mir bestimmt die Reise verderben. Sie sucht uns dann ein Wohnmobil Angebot ab Toronto für drei Monate raus, das günstiger ist, als wenn wir im Westen zur Hauptsaison für vier Wochen herumführen. Dazu ist das Wohnmobil noch um einiges größer. Das tröstet meinen Mann bestimmt, mir macht es eher Angst. Sie rät mir nicht direkt, denn das würde ihr Ärger einhandeln, also unter der Hand, dass sie den billigsten Flug nicht bekommen könne, ich aber bestimmt. Das Hotel in Toronto bei unserer Ankunft, sei mit vier Nächten für 1000 Euro auch recht teuer. Das läge jedoch daran, dass sie nur ein Hotel für fünf Personen buchen könne. Ich denke mir, dass ich als Privatperson einfach eines meiner drei Kinder „verschwinden lasse“. Und dann gibt sie uns noch einen Toaster und zwei Camping-SESSEL gratis mit dazu. Sie muss unglaubliches Mitleid mit uns haben. Diese junge Frau hat ihr Herz definitiv am rechten Platz. Und, das wichtigste: Sie hat es geschafft! Vom Traum zur Reise. Und dafür bin ich ihr bis in alle Zeiten dankbar.

Go West!

Wie bezahlen wir das?

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Ein spontaner Lotteriegewinn wäre nach einem ersten Überschlag gar nicht so schlecht! Wir haben zwar vor, unsere frisch renovierte Jugendstilvilla in Flughafennähe während wir reisen, an einen zahlungsfreudigen Piloten zu vermieten, aber für den Preis unseres Traumabenteuers, müssten wir sie schon verkaufen! Und selbst dann wäre noch eine Einladung der Schwiegereltern zu Kaffee und Kuchen fällig, währenddessen wir möglichst beiläufig von unseren armen mückenzerstochenen Kindern im Zelt berichten, um eine kleine Finanzspritze zu erhalten. Wie machen die Familien das, deren Reportagen ich zum Beispiel im Magazin, eines namhaften Outdoorausrüsters las? Ich muss mich verguckt haben! Es gibt bestimmt eine andere Möglichkeit… Ich wende mich an ein Reisebüro, das auf Nordamerika spezialisiert ist. Nein, die freundliche Reisekauffrau zeigt mir auf charmante Weise, dass ich gute Arbeit leistete. Beim Flug und den Unterkünften, ist sie sogar teurer, als ich bei meinen Recherchen. Herzlichen Glückwunsch! Als es passender Weise in Strömen zu regnen beginnt, während ich den Fuß aus dem Reisebüro stetze, nehme ich mir frustriert ein Taxi. Für meine Traumreise müsste ich schon Millionärin sein, da kommt es auf die paar Euro auch nicht an. Dem Fahrer gebe ich zehn Euro Trinkgeld dafür, dass er nicht die rechtspopulistische Partei wählte, wie er mir auf der halbstündigen Rückfahrt durch den Berufsverkehr erklärt, obwohl er 1000 gute Gründe nennen kann. Meine Familie reißt mir freudestrahlend die Haustür auf. Am liebsten wäre ich in Tränen ausgebrochen, denn unsere Traumreise ist gestorben!

Go West!

Wie sieht unsere Traumreise aus?

Blog 3. Folge

Ich tue das, was ich am liebsten mache und buche traumhaft schöne Chalets. So heißen die komfortablen Hütten im französischen, maritimen Osten Kanadas. Direkt am Strand gelegen, mit Kamin, denn es wird noch kalt sein, wenn wir anreisen. Da im Westen zu der Zeit Väterchen Frost regiert, starten wir am Atlantik. Das kommt uns zu Pass, denn der Flug ist deutlich kürzer. Mit drei kleinen Kindern kann das von entscheidender Bedeutung sein. Also für die anderen Flugpassagiere. Wir werden so oder ähnlich die ersten Wochen vom Jetlag unserer Kinder gerädert sein. Ein paar Stunden weniger im Flugzeug mit schreienden Kindern, machen da keinen Unterschied. Allerdings hat Kanadas Osten auch eine andere Zeitzone, so dass die Umstellung etwas geringer ausfällt. Dank der europäischen Zeitverschiebung im Frühling und Herbst wissen wir, dass jede Minute zählen kann! Welcher Sadist sich den Quatsch auch immer einfallen ließ, er hatte definitiv keine Kinder!!! Schön, wir fliegen also bis Halifax, das sind sieben Stunden. Nach der Hälfte des Fluges, gibt es einen Auslauf für unsere drei Kleinen auf Island. Da die Insel zur Zeit des Hinfluges noch unter eiszeitlichen Schnee- und Gletschermassen liegt, ziehen wir eine Rundreise auf dem Rückweg vor. Wir können uns die ersten Wochen in den traumhaft schönen Chalets am Atlantik erholen. Bevor wir dann in den Westen Kanadas fliegen und mit einem Wohnmobil die sagenhaften Rocky Mountains erkunden. Damit der achtstündige Inlandflug und die erneute Zeitumstellung nicht zu anstrengend werden, ruhen wir uns ein paar Tage in Vancouver Downtown aus. Mit seinen vielen Parks, sei das eine Stadt, die man auch ganz entspannt mit kleinen Kindern erkunden könne. Versichern mir zumindest alle, die schon einmal dort waren. Nach der Wohnmobil-Rundreise relaxen wir auf Vancouver Island und beobachten Wale. An der pazifischen Sunshine Coast, wollen wir geführte Bärensafaris unternehmen. Ob die Ausflüge zu den Grizzlies mit Kindern möglich sind, kläre ich noch. Aber die Schiffstouren, zu den Schwarzbären, gehen auf jeden Fall mit Kids. Ein Traum!

 

Go West!

Wohin geht die Reise?

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Mein Weltenbummler und ich haben in den Semesterferien als Backpacker alle Kontinente bereist. Es würde also schwierig werden, mit drei kleinen Kindern Neuland zu betreten und zugleich ein Mindestmaß an Sicherheit zu gewährleisten. In Australien haben wir ungefähr so viele tödliche, giftige und wilde Tiere gesehen, wie ein Hamburger, an einem verregneten Sonntag im Troparium seines namhaften Zoos. Damit fiel dieser ganze Kontinent mit unseren Kindern, die begeistert Bügelperlen aus jeder noch so kleinen Ritze pulen und freudig schlucken, schon mal weg. Nur zu gern entlocken sie mir, in der Hand eine tote Maus aus dem Garten und mit begeisterten „wauwauwau“-Rufen untermalt, ein „nein Miau!“. Falls sich ihnen die Gelegenheit dazu bietet, lutschen sie wahlweise eine Tube Klebe, Zahnpasta oder Holzkitt aus, als wäre es ihr neues Lieblingseis. In Mittel- und Südamerika fehlt uns noch der brasilianische Dschungel oder das Andenhochland. Beides scheidet wegen der klimatischen Bedingungen aus. Nein, nicht wegen der Kinder, wegen meines Mannes! Er wird sehr schnell Höhenkrank, wie wir aus Bhutan wissen und verträgt keine tropisch-feuchte Hitze, wie er mir eindrucksvoll in Costa Rica demonstrierte. In Afrika war ich deshalb ohne ihn und will es mit VIER!!! Kindern gar nicht erst probieren. Europa ist zwar der schönste und abwechslungsreichste Kontinent, mit den besten Wandermöglichkeiten, einer vernünftigen medizinischen Versorgung und den spannendsten Kulturen, aber – wir sind leider zu versnobt. Bleibt noch Nordamerika. Die Nationalparks sind ein Traum. Die Highways so breit, dass auch ich ohne Probleme mit einem acht Meter langen Geschoss die Kurven fände. Die medizinische Versorgung ist gut. Die Amerikaner wirken mindestens professionell freundlich, bis hin zu beneidenswert locker, an der kalifornischen Westküste. Nur waren wir schon dort! Hm, aber nicht in Kanada, Alaska und der Ostküste der USA. Mit einer isländischen Fluggesellschaft können wir günstig hin gelangen, sie bietet sogar einen kostenlosen Stopover an. Falls man ein paar Tage auf Island bliebe, so wirbt die Airline, würde der Flug sogar günstiger. Abgemacht, dahin geht die Reise!!!